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Liederabend 'Fucking Lonely' im Schauspiel Duisburg
Mit „Fucking lonely“ spricht das Schauspiel Duisburg mit Jugendclub Spieltrieb ein Thema an, das nicht nur durch Corona sich immer weiter ausbreitet. Man ist alleine oder einsam. Wie fühlt es sich an? Wie geht man damit um? Die jungen Leute präsentieren eine Art szenischen Liederabend mit abwechselnden Stimmungen. Regie führte Michael Steindl.

Endlich mal Zeit für sich zu haben. Das kann auch ein schöner Moment sein, der sehr erkenntnisreich wirken kann. Manchmal jedoch fällt einem die Decke ganz böse auf den Kopf, wenn niemand um einen herum ist und die Stille unerträglich erscheint. Einsam kann man auch in einer Gruppe sein, wenn man die anderen nicht kennt. Selbst in einer kriselnden Ehe fühlt sich ein Ehebett einsam an. So differenziert die Wahrnehmungen der Einsamkeit sind, so ist auch die Auswahl der Songs. Die jungen Leute (Ferit Albayrak, Ayhan Eranil, Leoni Gaitanis, Vanessa Kuhnen, Taran Mostofizadeh, Marlene Raab, Maria Radeta, Kats Schlia, Emma Stratmann, Juliette van Loon, Mike Wiese) bringen sich jeder so gut wie möglich stimmlich ein. Man ist mehr oder weniger talentiert, was aber gar nicht so wichtig ist. Ein Profi ist in jungen Jahren noch nie vom Himmel gefallen. Die Akteure sind zwischen 17 und 23 Jahren jung. Die Inhalte der Songs stehen im Mittelpunkt.

Unter musikalischen Leitung von Wolfgang Völkl am Klavier hört man melancholische, heitere oder wütende Songs, mit mehr oder weniger Temperament. Sie werden teils solo, als auch in Gruppen interpretiert. Einige weit bekannte Titel sind mit dabei, darunter „Help“ (Beatles), „So lonely“ (The police), „I am a rock“ und „Sound of silence“ (Simon & Garfunkel), „Perfect day“ (Lou Reed), „Lemon Tree“ (Fools garden) oder „One more light“ (Linkin Park). Das Genre ist stets verschieden. Da trifft z.B. der Song „Küssen kann man nicht alleine“ (Max Raabe) auf „Langweilig“ (Die Ärzte) oder „All the loneliness“ (Moondog).

Raum der Handlung ist die große Bühne, natürlich alles mit Abstand, wie auch im Publikum. Verschiedene Inseln hat man optisch gebildet. Mal ist es ein Teppich, eine Bank, ein Fenster, ein Stuhl mit einer Giraffen-Lampe, eine Badewanne, ein Tisch, zwei Theatersitze oder eine Kiste. In letzterer kann man verschwinden oder auftauchen. Die Bühnenmaschinerie wird dabei außergewöhnlich genutzt. Auch die Stille ist Teil der Handlung. Teilweise wird lange geschwiegen, ehe man wieder stimmlich loslegt. Ab und an zeigen die jungen Leute auch ihre instrumentalen Fähigkeiten an einem schön melancholischen Akkordeon oder am Klavier. Es gibt sogar Sprechpassagen. Was macht man, wenn man alleine ist? Man denkt über sich und die Welt nach. Manche Gedanken kommen erst wenn man die Stille spürt. Man kann plötzlich klar die Dinge erkennen.

Es ist ein schöner Abend, der ein wichtiges Thema auf eine interessante Art und Weise hinterfragt. Die neue Spielzeit am Schauspiel Duisburg hat damit endlich begonnen.

Datum: 5. September 2020

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