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      Seit gut 30 Jahren läuft am Grips-Theater in Berlin das klasse Musical „ Linie 1“,
      geschaffen von Volker Ludwig und Birger Heyman. Zu sehen ist es nun ebenfalls
      sehr flott im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Regie führte Carsten
      Kirchmeier.

      Seit 1986 ist das Musical der Renner in Berlin. Über 620.000 Besucher in mehr
      als 1.700 Vorstellungen sprechen eine deutliche Sprache. 1988 wurde es ver-
      filmt. Das Überleben im dunklen Untergeschoss des Großstadtjungle ist hart.
      Das namenlose Mädchen aus der Provinz (Yvonne Forster) steht mitten drin als
      Beobachterin, ein harter Reifeprozess. Es ist ein kalter Wartesaal des Lebens,
      eine Geisterbahn der Gesellschaft, während man im Osten im Hass gegen die
      Regierung zusammenhielt. Der Traum der Großstadt bleibt jedoch für viele ein
      solcher, doch wer nicht träumt, der ist schon tot.

      Eigentlich sind es Typen, wie sie an vielen Bahnhöfen der Welt vorkommen.
      Dabei halten sie den konservativen Spießern den Spiegel vor. Nicht jeder der
      Arbeit sucht, bekommt auch eine. Die Arbeitssuchende Lumpi wirft sich vor die
      U-Bahn. Die Tochter einer Alkoholikerin wollte es ebenfalls tun, doch es kam
      kein Zug. Minuten vorher tat es jemand anderes. Die Kommunikation zwischen
      ihr und dem Mädchen ist besonders berührend. Schön auch, wie Bille ganz
      sensibel „Heroes (just for one day)“ von David Bowie singt. Sehenswert ist eben-
      falls Hermann (Joachim G. Maaß), der als armer Rentner nur 6 DM am Tag zur
      Verfügung hat, aber sehr elegant daher kommt und das Leben trotzdem genießt.
      Ähnlich verhält es sich bei der Imbissverkäuferin, die gerade mal die Miete
      zahlen kann. Rocksänger Johnnie, wegen dem das Mädchen nach Berlin auf-
      brach, ist ein Symbol der ungezügelten Liebe, heute die und morgen die. Da
      wird man als Verliebte junge Frau schnell desillusioniert. Das alte Kreuzberg,
      Alkoholiker, Obdachlose, frustrierte Gestalten oder Autonome, sie stehen den
      rassistischen Spießern oder den wunderbar gespielten Wilmersdorfer Witwen
      gegenüber. Letztere setzen die Nazi-Rente ihrer lediglich „deutsch-nationalen“
      Ehemänner im Torte um. Es sind rassistische Situationen gegenüber Muslime
      oder finanzielle Ungleichheiten, die heute noch oder wieder sehr aktuell sind.

      Es sind 105 sehr kurzweilige und abwechslungsreiche Minuten mit toller Musik,
      die ganz stark an Hits wie „Zauberland“, „Alles Lüge“ oder „Blinder Passagier“
      von Rio Reiser erinnert. Wer hat da wen inspiriert? Die wunderbare Live-Band
      unter der Leitung von Heribert Feckler zaubert mit 16 Songs wie z.B. „Du sitzt
      mir gegenüber*, „Fahr mal wieder U-Bahn“ oder „Hey Du“ die 80er zurück auf die
      Bühne. Das sehr variabel nutzbare Bühnenbild mit seinen Neonröhren tut das
      Übrige dazu bei. Bei diesem flotten Musical hat auch das Ensemble sichtbar
      Spaß auf der Bühne. Die vielen tollen Kostüme und die schnellen Umzüge sind
      sehenswert. „Linie 1“ in Gelsenkirchen sollte man sich nicht entgehen lassen.
      Es ist ein absolut klasse Musical mit sehr guten Darstellern.

      Datum: 11. März 2017 (Premiere)

      www.musiktheater-im-revier.de