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      Peter Lindbergh (1944 - 2019) war einer der großen Fotografen der inter-
      nationalen Modeszene. Der Düsseldorfer Kunstpalast zeigt mit der tollen
      Ausstellung "Peter Lindbergh: Untold Stories" eine Best-of-Schau, die der
      Fotograf bis kurz vor seinem überraschenden Tod im letzten September
      persönlich zusammengestellt und kuratiert hat. 140 Arbeiten sind zu erleben.

      Lindbergh wuchs in Rheinhausen, im heute westlichen Duisburg auf. Kindheit
      und Jugend verbrachte er hier. Anschließend ging es auf Wanderschaft. Er
      lernte Schaufensterdekorateur in Berlin und studierte Malerei. Langsam wurde
      die Fotografie sein bevorzugtes Medium. 1978 begann seine Weltkarriere.
      Die internationalen Topmodels hatte er nahezu alle vor seiner Linse. Dabei
      ging es ihm nie um die textilen Kreationen, sondern immer die Menschen,
      die sie präsentierten. Bildbearbeitung und glatte Oberflächen waren ihm
      fremd. Falten und das Unperfekte im Bild, das zog ihn an. Genau diese
      realen Tatsachen machen seine Fotos so spannend und authentisch.

      Zwei Jahre beschäftigte ihn die Auswahl der Fotos. Aus schließlich 200
      machte er genau 140, die vorgegeben waren. Mehr kann ein Museumsbesu-
      cher nicht aufnehmen. Zu sehen sind natürlich Stars der Mode- und Film-
      branche wie Nicole Kidman, Lara Stone, Kate Moss, Jeanne Moreau, Milla
      Jovovich, Pharrell Williams, Eva Herzigová oder Uschi Obermeier. Egal ob
      in Los Angeles, New Yourk, Sevilla, Nevada, Paris, London oder Palermo, er
      kannte viele spannende Orte. Nach Duisburg ist ebenfalls immer mal wieder
      mit seinen Models zurückgekehrt, die Industriekultur als Kulisse. Die Hinter-
      gründe wirken häufig wie Alltagssituationen, in denen eher zufällig diverse
      Models erscheinen. Manchmal wirken sie auch wie Filmkulissen für extra-
      vagante Kollektionen. Als Betrachter darf man seine eigenen Assoziationen
      selber lenken, denn hintergründige Erklärungen zu den Bildern kann Peter
      Lindbergh leider nicht mehr abgeben.

      Privat war seine Kamera offenbar auch immer dabei. Hier sind es ganz
      normale Alltagsituationen und Menschen. Man sieht ein sehr ungewöhnliches
      Delfinportrait im Zoo Duisburg, verlassene Schuhe, einen Hummer mit einer
      halb leeren Weinflasche auf einem gedeckten Tisch, Hände oder gerne
      abgelegene Viertel ohne jeglichen Glanz. Vielleicht kommt da auch seine
      Herkunft durch, Duisburg statt Hollywood, dessen Schriftzug er von hinten
      abgelichtet hat.

      Teilweise sind seine großformatigen Arbeiten auf Litfasssäulenpapier
      gedruckt und an die Wand geklebt. Andere hängen hinter bewusst nicht ent-
      spiegeltem Glas. Die Hängung ist ausgeklügelt und völlig ungewöhnlich fü       eine Fotoausstellung. Dabei gehen die Fotos eine Beziehung zueinander ein.
      Er wollte es genau so.

      Ein besonderer Teil der Ausstellung ist der Bereich mit dem passenden
      Titel "Testament". Hier hat Lindbergh einen zum Tode verurteilten Mörder in
      den USA 40 Minuten vor einen Spiegel gesetzt und eine Kamera dahinter
      postiert. Der Verurteilte zeigt seine Selbstreflexion in Form von Mimik, die
      auch mal schmunzeln kann. Es geht wortlos um Schuld, Verantwortung,
      Empathie und die Frage, ob nicht jeder unschuldig geboren wird. Zwei
      Monate später wurde das Todesurteil vollstreckt. Diese Arbeit ist eine von
      mehreren, die erstmals öffentlich zu sehen sind. Sehr eindrucksvoll.

      Man sollte sich für diese wunderbare Ausstellung viel Zeit nehmen und die
      Arbeiten lange betrachten. Das Kopfkino wird definitiv angeregt. Die
      Geschichten dahinter erzählt man sich selbst.

      Laufzeit: 5. Februar bis 1. Juni 2020, Kunstpalast Düsseldorf

      www.kunstpalast.de