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      Mit "Gefährliche Liebschaften" bringt das Theater Oberhausen ein außergewöhn-
      lich präsentiertes und sehr sehenswertes Stück auf die Bühne des Malersaals,
      das zeitlos ist und die Abgründe der Gesellschaft aufzeigt. Vorlage ist der
      gleichnamige Roman von Christopher Hampton in der deutschen Fassung von
      Alissa und Martin Walser, inszeniert von Lily Sykes.

      Schon eine aus Eis geschnitzte Figur zweier Liebenden im Foyer des Maler-
      saals lässt Böses ahnen. Sie schmilzt ganz langsam vor sich hin. Zum Ende
      des Stücks sollte sie noch eine Rolle spielen. Doch der Reihenfolge nach.
      Kommt man in den Malersaal, ist man überrascht. Die Bühne ist mittig ange-
      ordnet und von zwei Tribünen flankiert. Eine besondere Platzanweiserin weist
      auf die Besonderheiten der Sitzordnung hin, über die man sich selbst gegen
      Ende Gedanken machen kann. Sie hat auf jeden Fall einen nachvollziehbaren
      Grund. Verraten wird hier aber nichts.

      In dieser ungewöhnlichen Bühnenatmosphäre nimmt das Unglück seinen Lauf.
      Zunächst tanzt der Hochadel nach seinen Regeln. Pompös mit tollen Kleidern
      und Hochsteckperücken verschleiert man das, was hinter der Fassade passiert.
      So ein außereheliches Liebesverhältnis war doch kein Beinbruch im glamou-
      rösen Paris des 18. Jahrhunderts. Es gehörte zum guten Ton. Selbst die
      unbefleckten jungen Leute wurden unweigerlich sozusagen angelernt und in die
      Gesellschaft eingeführt, auch wenn sie sich anfangs noch etwas schüchtern und
      unbeholfen anstellen. Auch sie lernen die tiefen Abgründe dieser lockeren Sitten
      schnell kennen, dargestellt im neuzeitlichen Look und symbolisch mit Theater-
      blut angedeutet. Wer bei diesen Zeilen an einen historisierenden Pornostreifen
      denkt, der liegt vollkommen falsch.

      So wird aus einer gefährlichen Liebschaft eine Kette von großen Liebesbekun-
      dungen, tiefen Enttäuschungen und Fragmenten der Zweisamkeit. In Zentrum
      stehen dabei die Marquise de Merteuil (Elisabeth Kopp) und der Vicomte de
      Valmont (Henry Meyer), die die Fäden spinnen und letztendlich nichts mehr
      kontrollieren können. Sie spielt die einsame Witwe, die sich gerne mit diversen
      Männern umgibt und eigentlich in Vicomte de Valmont verleibt zu sein
      scheint. Der aber gilt als Verführungsgenie mit zweifelhaftem Ruf, das fast jede
      Herausforderung annimmt. Nicht mal die Jungfrau Cècile de Volanges (Berina
      Musa) kann da Nein sagen. Er tänzelt von einem Schoß in den nächsten und
      glaubt bei Madame de Tourvel (Angela Falkenhan) die echte Liebe gefunden zu
      haben. Doch der Schein trügt und alles bricht wie ein Kartenhaus zusammen.
      Jeder ist am Ende ein Verlierer.

      Basiert eine Ehe wirklich auf der Liebe? Sie ist doch nur eine süße Illusion.
      Sind nicht viel mehr Vertrauen, Respekt und Freundschaft das Rezept für eine
      gute Ehe. Andererseits bringt nur die Lust die Geschlechter zusammen. Das
      anfängliche Feuer der Liebe schmilzt dahin, am Ende sichtbar gemacht in einer
      zertrümmerten Eisskulptur.

      Das Ganze klingt nach einem barock-neuzeitlich-erotischen Drama. Die Erotik
      als Thema kann man dem Stück wahrlich nicht absprechen. Szenisch ist die
      Darstellung allerdings nie bloß gestellt oder nackt. Im Gegenteil, die Akteure
      agieren sehr gut und bringen auch die Emotionen gekonnt auf die Bühne, ob als
      weibliches Lustobjekt, das ahnt ausgenutzt zu werden und sich doch der Liebe
      hingibt, oder als wandelnder Lustmolch mit zweifelhaftem Ruf, dem man kein
      Wort der Liebesbekundung glauben kann und der immer neue Herausforder-
      ungen sucht. Die Akteure können schauspielerisch voll überzeugen. Dabei
      transportieren die sich wandelnden Kostüme das Stück passend in die Neuzeit.
      Die Sitten sind heutzutage auch nicht besser. Die Mahnung, das Glück nicht
      außerhalb der gesellschaftlichen und religiösen Grenzen zu suchen, kommt
      deutlich an.

      Datum: 3. Februar 2017 (Premiere)

      www.theater-oberhausen.de