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      "Let's dance" ist auf Tour und die Hallen sind voll. Nach dem Auftakt in Riesa
      war die Westfalenhalle in Dortmund die zweite Station. Nach einem organi-
      satorischen Desaster vor der ausverkauften Halle wurde drinnen doch noch
      alles gut. Der Unterhaltungsfaktor stimmte.

      Sechs Tanzpaare, die Jury sowie weitere Profitänzer boten eine Show
      bestehend aus Sport, Comedy und ungewollter Slapstick. In der Jury führte
      Joachim Llambi souverän das Zepter. An seiner Seite urteilten Jorge
      Gonzales und Profitänzerin Oana Nechit über die tänzerischen Leistungen
      der Paare. Motsi Mabuse war verhindert. Die Paare bestanden aus Profis
      und Promis. So tanzten Rebecca Mir mit Massimo Sinato, Pascal Hens mit
      Renata Lusin, Sabrina Mockenhaupt mit Erich Klann, Benjamin Piwko mit
      Isabel Edvardsson, Evelyn Burdecki mit Valentin Lusin und Oliver Pocher mit
      Christina Luft. Zwischendurch gab es durchaus sportlich hochklassige
      Gruppen- und Paardarbietungen der insgesamt 13 ProfitänzerInnen. Egal ob
      Tango, Jive, langsamer Walzer, Salsa, Rumba, Paso Doble oder Charleston,
      man traute sich an viele Variationen des Tanzes.

      Talent kann allerdings sehr vielfältig ausgeprägt sein und elegant tanzen
      kann längst nicht jeder. So war das Promi-Feld in zwei Lager gespalten, die
      mit Talent für das Tanzparkett und die mit einem Talent für verbal unfreiwillige
      Comedy-Einlagen. Als tänzerisch völlig unbegabt darf man getrost Oliver
      Pocher einstufen. Ihm ist szenisch die Rolle des Clowns zugedacht, während
      Evelyn Burdecki und Sabrina Mockenhaupt zu denen gehören, die um ihre
      tänzerische Begrenztheit wissen und ehrlich selbstkritisch damit umgehen.
      Was sollen sie auch sonst machen. Dabei ist es nicht mal ihre Stärke, sich
      mit Sprache auszudrücken. Ihre intellektuelle Beschränktheit ist gerade
      deswegen durchaus unterhaltsam.

      Bei Rebecca Mir, Pascal Hens und dem gehörlosen Benjamin Piwko ist die
      Konzentration durchaus auf das Tänzerische gerichtet. Sinnleere Sprüche
      sind nicht ihr Ding. Für reine Laien, die sonst gar nicht oder wenig tanzen,
      sah das Gezeigte schon ziemlich gut aus. Für Rebecca Mir zog Joachim
      Llambi am Ende sogar eine zehn als höchste Note. Ihr Tango war wirklich
      der beste Promi/Profi-Tanz des Abends. So lautete auch die Empfehlung
      der Jury. Das Publikum durfte allerdings selbst per Handyabstimmung dem
      Champion des Abends wählen. Es entschied sich für Benjamin Piwko und
      Isabel Edvardsson. Sie nahmen den Pokal in Empfang.

      Die Show ist insgesamt gut inszeniert. Das Licht, die Musik und die Kostüme
      stimmen. Für die gute Choreografie ist Profitänzer Massimo Sinato verant-
      wortlich. Die Mischung der einzelnen Charaktere ist interessant zusammen-
      gestellt. Der Funke zum Publikum sprang über. Moderator Daniel Hartwig
      führte mit seinem trockenem Humor, hier und da nötiger Ironie und seiner
      Schlagfertigkeit souverän und gekonnt durch das Programm.

      Was war nun besser, die Show im Live-TV oder live in einer großen Halle?
      Sicherlich erlebt man bei 9.000 umgebenden Besuchern mehr Stimmung
      und hat auch die Zeit, mal einen verbalen Schlenker mehr darzubieten. Auf ein
      paar Minuten kommt es am Ende nicht an. Andererseits spielen wichtige
      Aspekte des Tanzes wie Körperspannung oder Mimik kaum eine Rolle.
      Dafür sind Bühne und Videowalls für viele Besucher zu weit weg. Die Tour
      präsentiert das reine Entertainment.

      Was nicht unerwähnt bleiben sollte, ein ironischer Prolog am Ende:
      Nach einem guten Ende sah es allerdings vorher gar nicht aus. Es war auch
      rein zufällig der 30. Jahrestag des Mauerfalls, was unfreiwillig ironische
      Gedankenspiele aufwarf. Beginn sollte um 20 Uhr sein. Der Einlass verschob
      sich immer mehr nach hinten. Eine Schlange von mindestens 600 m Länge
      schlängelte sich vom Messeeingang Nord zum Haupteingang. 9.000 Men-
      schen standen in der Kälte und wollten ins gelobte Llambi-Land, das nicht
      von Vopos, sondern von unschuldigen Sicherheitsfachleuten streng bewacht
      wurde. Erst gegen 19.10 Uhr bewegte sich ganz langsam etwas. Man hatte
      nun die Wahl ohne Tausende Besucher zu starten, erst gegen ca. 21.30 Uhr
      zu beginnen oder sehr unkonventionell zu handeln, wie 1989 in Berlin. Kurz
      vor acht Uhr öffneten sich alle Schleusen und Sperrgitter und man wurde von
      den wenigen verbliebenen Sicherheitsfachbeauftragten plötzlich in die
      Westfalenhalle gescheucht, einfach nur schnellsten Schrittes rein, denn
      "Llambi möchte nicht warten", wie die Lautsprecher es verkündeten. Es
      gab kein Halten mehr, Türen und Mauern schon gar nicht. Nur die Ausweise,
      sprich die Karten, wurden noch eilig kontrolliert. Sich einmal wie ein DDR-
      Bürger in Berlin in Jahre 1989 fühlen! Mit zehn Minuten Verspätung ging es
      dann schon sehr zügig los. Der Grund war angeblich eine zweistündige
      Verspätung der Trucks, die die sehr umfangreiche Technik von Riesa nach
      Dortmund, also von Ost nach West, transportierten (inoffizielle Info).

      Datum: 9. November 2019, Westfalenhalle Dortmund

      www.semmel.de