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      Der exzellente Ruf der Christuskirche Bochum hat sich schon über den
      Atlantik herumgesprochen. Die in New York lebende Sängerin Ute Lemper
      begeisterte mit ihrer tollen Band die Besucher mit einem ganz feinen
      Konzert und ihrem zweiten Ich, Marlene Dietrich. Zwei Weltstars beehrten
      so die Christuskirche auf vortreffliche Art und Weise.

      Schon der Soundcheck benötigte mehr Zeit als üblich. Diese besondere
      Akustik darf Ute Lemper selbst in ihrer Wahlheimat USA nicht immer
      genießen. Alles musste stimmen. Die Schlange vor der Kirche wurde immer
      länger, trotz Eintrittspreisen zwischen 50,- und 70,- Euro, neue Dimensionen
      für die Christuskirche. Wer da war, der bereute allerdings keinen Cent.

      Die ersten beiden Songs gaben die Richtung an. "Sag mir wo die Blumen
      sind" und "Just a Gigolo" kannte man. Mit besonders betonter Tonlage, bei
      Betonung der Konsonanten und etwas tiefer, schlüpfte sie insgesamt gut
      140 Minuten plus Pause in die Rolle des Weltstars Marlene Dietrich, ohne
      sich selbst zwischendurch zu vergessen. Dabei ist Ute Lemper selbst einer
      der großen Exportartikel der deutschen Musikkultur, teilweise aber in
      Deutschland arg unterschätzt. 1988 hatte sie die große Ehre drei Stunden
      lang mit Marlene telefonieren zu dürfen. Marlene rief sie in Paris an. Die
      damals 24 Jahre junge Ute Lemper hat diesen Moment nie vergessen.

      Das Leben der Marlene war Programm, wobei man Ute und Marlene in der
      Darbietung nur schwer trennen konnte. Mehr als 50 Hollywood-Filme hat
      Marlene gedreht und eine offene Ehe geführt. Er durfte die Nannys der
      Familie beglücken und sie hatte ihr Vergnügen mit zahlreichen Weltstars,
      z.B. mit John Wayne oder John F. Kennedy. Mit der Piaf verband sie nicht
      nur eine musikalische Beziehung. Sexuell war sie sehr offen und aktiv. Als
      einer der ersten großen Künstlerinnen war sie extrem emanzipiert, progressiv
      und engagiert. Den Nazis zeigte sie kalte Stirn, wanderte in die USA aus
      und meldete sich als mittlerweile US-Bürgerin 1942 freiwillig als Truppenunter-
      haltung für die Front in Europa. Mit Billy Wilder verband sie eine große
      Freundschaft und Friedrich Holländer schätze sie als Komponisten sehr. 1943
      lief ihr Hit "Lili Marleen" in allen Militärradios, egal in welcher Armee. Noch
      heute hat das Lied, live gesungen von Ute Lemper, Gänsehautfaktor. Ein
      letztes Mal sang sie 1962 in Deutschland. Es war nicht mehr ihr Land, auch
      wenn sie es stets vermisst hat. Im Sarg führte ihr letzter Weg dann doch
      zurück nach Berlin. Es war ihr letzter Wille.

      Es war ein Leben mit vielen Hochs und Tiefs. Ute Lemper glänzte als Erzähl-
      erin und Sängerin, die mit wenigen geschickten Gesten die passende
      Körpersprache fand. Die sehr gut gefüllte Christuskirche lauschte jederzeit
      gebannt ihren Lippen. Man spürte, dass es ein ganz besonderer Abend war.
      So war die Beziehung zu ihrer geliebten Tochter Marie eines Tages zerrüttet.
      Marlene tat das sehr weh. Dafür kannte sie ganz Hollywood, alles was Rang
      und Namen hatte. Der Alkohol setzte ihr aber immer mehr zu. Sie soll auch
      mal in Orchestergräben gestürzt sein. Für sie galt jedoch immer die Tren-
      nung zwischen der Bühnenfigur und der Privatperson, die keiner öffentlich
      kannte. Man nahm lediglich die Illusion wahr, die sie zuließ. Ihre ganz
      große Liebe zu Jean Gabin dauerte nicht allzu lange an, was sie sich nie
      verzeihen konnte. Die letzten elf Jahre verbrachte sie in ihrer kleinen
      Wohnung in Paris, gegenüber dem Appartement, mit dem sie gemeinsam
      mit Jean Gabin einst lebte.

      Es war ein wirklich unvergessliches Konzert mit einer unheimlich gereiften
      und großartigen Ute Lemper, die am Ende ein Plädoyer für die Menschlich-
      keit musikalisch an das Publikum richtete. Sie trat für die Ideale ein, für die
      auch Marlene ihr Leben lang kämpfte. Nie wieder rechts-nationaler Unfug in
      Deutschland und jede Menge Liebe.

      Datum: 15. Februar 2019

      www.christuskirche-bochum.de