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      Der Landtag von NRW in Düsseldorf ist 30. Glückwunsch. Mit zwei spann-
      enden "Parlamentsnächten" feierte man mit 5.000 Gästen den runden
      Geburtstag.

      Von 17 bis 23 Uhr öffneten sich viele Türen, auch die ganz wichtigen. Frak-
      tionssäle, Foyers und auch im Plenarsaal wurde Programm geboten. Volks-
      vertreter und Angestellte standen für alle Fragen zur Verfügung. Das Haus
      präsentierte sich den Bürgern, ohne den Anspruch das "Hohe Haus" der
      Politik zu sein.

      Schon die zeitlose Architektur von Eller-Moser-Walter & Partner, direkt am
      Rhein gelegen, war mehr als einen Blick wert. Vieles ist rund, auch der
      Plenarsaal. Alle 199 Abgeordneten sollen sich im Plenarsaal ansehen
      können. In 30 Jahren waren bisher 862 Volksvertreter. Mittlerweile ist es er
      auch barrierefrei. Redekuriositäten gab es in 30 Jahren einige zu berichten.
      Die Kleiderordnung wurde durch die Grünen gelockert, kein dunkler Anzug ist
      mehr nötig. Hosenträger oder barfuss am Redepult ist aber unerwünscht,
      ebenso wenig wie Handytelefonate oder Fotos während der Sitzungen. Ganz
      wichtig ist die Neutralität der Vertreter des Parlamentspräsidiums. Hier
      muss man mal sein Parteibuch vergessen. Der Besucherdienst und Oliver
      Keymis (Grüne), Vizepräsident des Landtags, informieren unterhaltsam die
      Besucher im ungewohnt gut gefüllten Auditorium. Grundsätzlich ist jeder
      Parlamentarier für jeden Bürger in NRW da. So sollte es zumindest sein.

      Leider gibt es zu wenige Fraktionssäle für die nun fünf Fraktionen. 1988
      waren es nur drei, mit einer vierten hatte man geplant. Alle waren frei
      zu begehen. Die Parteien versuchten sich von ihrer besten Seite zu zeigen.
      Lounge-Atmosphäre bei der SPD und Poetry Slam bei der FDP sorgten für
      gelöste Stimmung. Ein Kruzifix im CDU-Fraktionsaal irritierte dagegen. Die
      Gesellschaft ist heute global und religionsübergreifend. Hier wirkte die
      Atmosphäre auch sehr steif. Die generell diskussionswürdigen Vertreter
      der AfD schenkten, völlig abseits postiert, Cocktails aus.

      Sachbezogen, jung und engagiert zeigten sich die Grünen. Bei ihnen konnte
      man Schweine aus der Mast per Magnetangelhaken befreien. Fair-Trade-
      Schokolade war der Lohn dafür. Für Kunstwerke haben sie ebenso ein gutes
      Gespür. Tolle Arbeiten des Fotografen Matthias Jung hingen im Foyer des
      Fraktionssaals, während drinnen ein wunderbares Portrait von Beuys an der
      Wand prangte. Den Namen des Künstlers wusste man vor Ort leider nicht.
      Hier hatte man wirklich den Eindruck, dass man die wichtigen Sachthemen
      mit den Besuchern engagiert anpacken wollte, während andere Fraktionen
      lieber gratis Wein und Sekt ausgeschenkten.

      Kunstinteressierte kamen im Landtag voll auf ihre Kosten. Die jeweils selbst
      in Auftrag gegebenen Portraits der vergangenen Landtagspräsidenten waren
      teils stilistisch schwierig. Eckhard Uhlenberg (CDU) fehlt zu seinem royal-
      blauen Anzug eigentlich nur noch der Hermelinkragen, der edle Herzog von
      und zu wäre perfekt. Passt gar nicht! In den allgemeinen Räumen sind die
      anderen Arbeiten dagegen oft sehenswert. Werke von Günther Uecker,
      Heinz Mack, Otto Piene, Jörg Immendorff und die Arbeiten von Gotthard
      Graubner im Raum der Stille sind echte Hingucker. 600 Werke der haus-
      eigenen Sammlung stehen für Büros und öffentliche Räume zur Verfügung.
      Die Führungen in die Arthothek, tief im Keller, waren schnell ausgebucht.
      Seit 1949 wird unregelmäßig und ohne Plan gesammelt. Der Geschmack der
      jeweiligen Entscheider war ausschließlich relevant. Schenkungen gibt es
      auch hier und da. Die günstigen Einkaufspreise zu D-Mark-Zeiten sind
      allerdings erstaunlich, so ab 20,- DM und selten mal vierstellig. Stets bemüht
      man sich junge Künstler mit Ankäufen zu unterstützen.

      Im Gästezimmer konnte man nicht nur einige spannende Gastgeschenke
      bewundern, sondern auch das goldene Buch des Landtags blicken. Die
      englische Queen und ihr Mann haben sich 2004 hier verewigt. Eine Aus-
      stellung zur Geschichte und Funktion des Landtags auf Informationswänden
      sowie interessante Talkrunden rundeten den schönen Abend ab.

      Regelmäßig werden im Landtag Besucherführungen angeboten, vorwiegend
      am Wochenende.

      Datum: 29. September 2018, Landtag, Düsseldorf

      www.landtag.nrw.de