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Kommentar der Redaktion zum Kultur-'Schock-Down'
Eigentlich sind politische Kommentare für dieses Kulturportal eher untypisch, doch wenn außergewöhnliche Dinge passieren, dann darf man dieses Thema nicht außer acht lassen. Kultur ist eine wichtige Grundversorgung der Gesellschaft. Sie wird aktuell von ausgewählten Entscheidungsträgern kräftig mit Füßen getreten, was einer Klarstellung bedarf.

Es ist gar keine Frage, dass man sich in Corona-Zeiten an die bestehenden Hygieneregeln hält. Auch wenn einige Herren und Damen Abgeordneten des Bundestages in Berlin sich nicht unbedingt als Vorbilder eignen, so sollten eine Maske und bis zu 1,5 Meter Abstand für alle ein momentan notwendiges Übel sein. Es geht halt nicht anders. In Krisen sollte es auch immer Führungspersönlichkeiten geben, die dem Volk zuverlässig vermitteln, dass sie stets bedachtsam das Heft in der Hand halten, doch die scheinen seit Wochen und Monaten das Gespür für die Krisenbewältigung verloren zu haben.

Es geht um die Kultur. Zum 2.11. müssen alle Bühnen und Museen bundesweit für mindestens vier Wochen schließen. Warum nur? Viele der Bühnen in der Region sind der Redaktion sehr gut bekannt. Egal ob die Spielstätten der TUP in Essen, das Schauspielhaus Bochum, das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen, das Theater in Rathaus in Essen, das Theater Oberhausen, der Mondpalast in Herne, der RevuePalast Ruhr in Herten, das Theater an der Niebuhrg in Oberhausen, der Ringlokschuppen Mülheim oder das Schauspiel Duisburg achten peinlichst genau auf die Einhaltung der bekannten Hygieneregeln. Nur max. 20% der Platzkapazitäten werden ausgenutzt. Modernste Klimaanlagen, sogar mit UV-Filter, sorgen für den Austausch der Luft innerhalb von fünf Minuten. Es gilt Maskenpflicht im Saal sowie am Platz und man wird sogar einzeln aufgefordert, nach der Vorstellung aufstehen zu dürfen. Die Besucher verhalten sich stets sehr rücksichts- und verständnisvoll. Mehr kann man nicht leisten und mehr ist auch nicht nötig! Auch die vielen sehenswerten Museen der Region erfüllen alle wichtigen Hygienestandards bezüglich maximaler Besucherzahl und Abständen. An jeder Ecke befindet sich ein Spender mit Desinfektionsmittel. Was machen diese Kultureinrichtungen also falsch?

Die Rasenmähermethode der Bundesregierung und der Landesregierung NRW wirkt, entgegen der ausgeklügelten Hygienekonzepte der Kulturbetriebe, absolut hilflos, wenig kompetent und kaum vertrauensvoll für zukünftige Einschätzungen. Die Akzeptanz politischer Entscheidungen wird vermutlich recht bald leiden, was fatale Folgen haben wird. Die Bürger werden selber entscheiden, was für sie der richtige Weg ist. Wenn man sich schon nicht mehr kontrolliert draußen treffen kann, machen es nicht wenige unkontrolliert hinter privaten Wänden. Wer soll da noch kontrollieren? Ein Virus frohlockt!

Zuletzt wurden viele Dinge versäumt. An den viel zu engen Abständen in NRW-Schulen oder beim ÖPNV, Orte die in der Regel nicht mal eine Klimaanlage besitzen, möchte man lieber nicht rütteln. Besonders die Schulen werden vom NRW-Schulministerium völlig allein gelassen. Man hat es ebenfalls versäumt, den Ordnungsdiensten ausreichend Personal zur Verfügung zu stellen, um die Ausbreitung der Infektionen bei privaten Treffen zu verhindern. Ähnliches gilt für die personelle Ausstattung von Gesundheitsämter und die Bereitstellung von Möglichkeiten zur Digitalisierung an Bildungseinrichtungen. Es wäre besser gewesen, im Vorfeld weitsichtig zu agieren und nicht erst hilflos zu reagieren, wenn es zu spät ist.

Die flächendeckende Schließung der Kulturbetriebe ist nun planloser Aktionismus. So verspielt man das Vertrauen der Bürger in die Politik der Regierenden, die obendrein keine Lust verspüren, solch wichtige Fragen mit der Opposition im Parlament zu diskutieren. Der Hofstaat sind unserer Bundeskanzlerin Merkel und unserem NRW-Ministerpräsidenten Laschet wichtiger als der Rat der Wissenschaftler, der oppositionellen Parteien, der Kulturmanager oder der des Volkes. Man ist plötzlich Gott und unfehlbar.

Wer häufiger Kultureinrichtungen besucht, der kennst Begriffe wie Heldenepos oder Götterdämmerung. Heldenhaft möchte Herr Laschet demnächst ins Kanzleramt göttlich aufsteigen und den Macher markieren, mit wahrscheinlich ebenfalls wenig differenzierten Lösungen wichtiger Probleme. Kluge Einwände sind nicht erwünscht. Wer aufmuckt, der wird verbannt. Auf diese Art und Weise hält sich Frau Merkel seit Jahren an der Macht. Wie oft aber sind die herrschenden Könige und Götter auf der Bühne am Ende die, die jämmerlich enden. In Duisburg gab es ebenfalls so einen tiefen Fall, Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Man hat ihn nicht vergessen. Zu hoch geflogen und schmerzhaft wie Ikarus abgestürzt.

Die stets sehr eifrigen Kulturmanager und Künstler, sowie die sehr rücksichtsvollen Zuschauer zahlen nun für politisches Versagen unschuldig den teuren Preis. Der Erfolg des neuen „Schockdowns“ ist mehr als ungewiss. Es bleibt für Dezember zu hoffen, dass die göttliche Runde vielleicht doch mal von ihrem goldenen Thron im Elfenbeinturm herabsteigt und mal eine Sekunde nachdenkt.

Holger Jehle
Redaktion

Datum: 30. Oktober 2020