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      Zusammen mit dem Deutschen Bergbau Museum Bochum zeigt das Ruhr
      Museum in der Mischanlage der Kokerei Zollverein die sehr sehenswerte
      Ausstellung "Das Zeitalter der Kohle". 1.200 Ausstellungsstücke dokumen-
      tieren die 200 Jahre andauernde Periode der Kohle im europäischen Kontext.

      Warum ist der Mensch eigentlich 1.500 m tief unter die Erde gekrochen,
      um die Kohle ans Tageslicht zu holen? Warum hat er sich den Gefahren aus-
      gesetzt? Die Ausstellungsmacher haben ihr ganzes Herzblut investiert, um
      diese Frage eindrucksvoll zu beantworten. Der Besucher geht dabei den Weg
      der Kohle und startet mit einer Standseilbahn durch eine ehemalige Band-
      brücke hinauf in die Mischanlage. Dort erwartet einen ein 5,5 t schwerer
      Kohlebrocken, umgeben von Farn aus der Karbonzeit. Über vier Ebenen läuft
      man durch die eindrucksvollen Räume hinunter. Draußen, auf dem Außen-
      gelände, darf man schwere Maschinen aus dem Bergbau bewundern. Auch
      der Blick von der Dachterrasse der Mischanlage ist sehr sehenswert.

      Zunächst war die Kohle nur ein Stoff, der sich gut verbrennen ließ und
      Wärme abgab. Um ungefähr 1800 erkannte man, dass in dem schwarzen
      Stoff viel mehr steckt. Man konnte mittels Dampfmaschinen Strom erzeugen
      und neue Gaslaternen genießen. Der Teer konnte chemisch aufbereitet
      werden. Schnell wurden daraus über 10.000 synthetische Farben gewonnen.
      Eine riesige Wand mit 4.000 teils über Hundert Jahre alten Farbmuster-
      gläsern zeigt dies deutlich. Die Farbenindustrie machte unser Leben wesent-
      lich bunter. In Medikamenten, Dünger oder Desinfektionsmitteln sind noch
      heute Kohlenbestandteile. Kohle befeuerte Eisenbahnen und Schiffe,
      beschleunigte so den Transport. Für die Stahlproduktion ist Kohle als Aus-
      gangsstoff unerlässlich. Deswegen ist die ehemals größte Kokerei Europas
      auch der perfekte Ausstellungsort. Im Zentrum der Bunkerebene hängt der
      "Dark Star", ein strahlenförmig explodierendes Kunstwerk von Jonathan
      Anderson, welches die wahnsinnig starke Energie der Kohle darstellen soll.

      Der Abbau der Kohle war stets mit Gefahren verbunden. Man brauchte frische
      Luft, kämpfte gegen das Wasser im Stollen, vermied möglichst Schlagwetter-
      explosionen und wollte auch nicht von den Erdmassen verschüttet werden.
      Die Entwicklung der Kopfbedeckungen und sonstigen Sicherheitsaspekten
      wird thematisiert. Alte Fotos aus europäischen Bergwerken zeigen, dass die
      Arbeitsbedingungen überall ähnlich schwer waren. Man bekommt Respekt vor
      der harten Arbeit der Bergleute. Die ständigen Migrationen der benötigten
      Arbeiter aus aller Welt waren das Kapital des Bergbaus. Ohne sie lebten wir
      heute vielleicht noch einer flachen Agrarlandschaft, ohne großen Wohlstand
      und ohne Wald. Der Brennstoff Kohle rettete unsere Wälder, sorgte aber
      auch für unangenehme Bergsenkungen. 1914 gab es drei Millionen Bergleute
      in Europa.

      Der Hunger nach dem Rohstoff war aber auch ein Grund für zwei Weltkriege.
      So ist das wichtigste Exponat der originale Gründungsvertrag der Europä-
      ischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), der 1951 u. a. von Bundes-
      kanzler und Außenminister Adenauer unterzeichnet wurde. Er sollte weitere
      Rohstoffkriege verhindern und wurde vom Nationalarchiv in Luxemburg
      ausnahmsweise ausgeliehen, eine große Ehre für die Ausstellung. Fettkohle
      wurde mangels Kohlenimporten zu Kriegszeiten sogar übrigens in Seife
      verarbeitet. Die Bergleute wuschen sich mit Kohle die Kohle vom Leib.

      Die Freizeit der Bergleute wird mit einigen Exponaten schön dargestellt. Man
      machte Musik oder pflegte sehr enge soziale Kontakte. Die Arbeit schweißte
      zusammen und Migranten wurden schnell integriert. Das Ende des Klassen-
      kampfs begann in den 1950er Jahren, ehe 1957 die Kohlekrise erste Zechen
      stilllegte. Sechs Jahrzehnte später fällt der Vorhang in Westeuropa. Abbil-
      dungen aus England zeigen, wie wenig sozialverträglich das Zechensterben
      dort ablief, im Gegensatz zu Deutschland.

      Auf der unteren Trichterebene werden die Gegenwart und die Zukunft beleuch-
      tet. Kohle wird weiter gefördert, nur heute schon verstärkt in Indonesien,
      Vietnam, Australien oder in den Appalachen, wo ganze Berge im Tagebau
      abgetragen werden.

      Das Rahmenprogramm verspricht spannende Vorträge, Führungen, Filme und
      Exkursionen zum Thema Kohle.

      Die Kosten für diese sehr umfangreiche, spannende und klasse Ausstellung
      belaufen sich auf 2,5 Mio. Euro. 1,5 Mio. Euro kommen von der RAG-Stiftung.
      Es gibt weitere Sponsoren. Rund 80.000 Besucher sind nötig, um die
      schwarze Null zu erreichen. Das dürfte kein Problem werden.

      Ein schöner Begleitkatalog zur Ausstellung ist erschienen und im Ausstel-
      lungsshop erhältlich.

      Laufzeit: 27. April bis 11. November 2018

      Infos und Fotos zur Ausstellungseröffnung mit Armin Laschet
      www.zeitalterderkohle.de