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Schauspiel 'Erinnere dich, Penthesilea' im Schauspielhaus Bochum
Das Schauspielhaus Bochum setzt die Reihe der Live-Streams auch 2021 fort. Mit "Erinnere dich, Penthesilea" präsentierte man ein Stück von Heinrich von Kleist mit einem notwendigen Corona-Abstands-Format. Es spielten Sandra Hüller und Jens Harzer. Regie führte Johan Simons.

Mittlerweile ist das Schauspiel Bochum so bedeutsam, dass es zum Beginn des Live-Streams sogar gehackt wurde. Die Webseite brach kurz zusammen. Man bekam das Problem schnell in den Griff. Es konnte losgehen. Eigentlich hatte "Penthesilea" 2018 als Co-Produktion Premiere in Salzburg. Im Frühjahr 2020 war es dann auch endlich in Bochum zu sehen. Zwischendurch wechselten die Aufführungsorte in ganz Deutschland, immer mit Sandra Hüller und Jens Harzer. Von der sehr körperbetonten Originalfassung ist man nun zu einer Tischversion übergegangen. Man spielt an den zwei Enden eines langes Tisches. Penthesilea und Achilles bleiben dabei die beiden einzigen Personen. In Stoff von Kleist bilden sie den kurzen Kern der Geschichte. Johan Simons hat daraus eine abendfüllende Version gemacht. Was aussieht wie eine Lesung ist eine gespielte Inszenierung ohne größere körperliche Aktion, überwiegend ruhig dargeboten, mit seltenen Emotionen.

Es dreht sich um die Königin der Amazonen und ihr Heer sowie Achilles mit seinem Heer. Kampfgetümmel wird beschrieben. Der Kampf der Geschlechter wird ausgefochten und endet tragisch. Man muss wirklich ein Kenner dieser Geschichte sein, um jede Wendung zu verstehen. Die Beteiligten haben sich viele Monate in langen Diskussionen damit beschäftigt, um nachzuvollziehen, um was in dem Stück wirklich geht und wie man diesen Dialog zweier Leute herausoperieren kann. Es ist als Betrachter nahezu unmöglich, jeden Satz von Kleist in seiner Aussage nachzuvollziehen. Sein Deutsch und seine Formulierungen sind hochkompliziert. So hat man sich vor dem Bildschirm automatisch auf die inhaltlichen Grundstrukturen der Handlung konzentriert.

Insgesamt war es wieder einmal eine sehr außergewöhnliche Form eines Live-Streams. Die beiden Gesichter erblickte man nicht selten in Großaufnahme. Jede Pore wurde sichtbar. Selbst die Corona-Frisuren wurden beibehalten, obwohl man sicher einen Theaterfriseur im Haus gehabt hätte. In Bochum ist man solidarisch, und wenn die Haarpracht noch so wild aussieht. Schauspielerisch war diese Form der Darbietung sehr intensiv und hochklassig, schon der schwierigen Texte und Nahaufnahmen wegen.

Auch dieses Mal gab es wieder ein interessantes Nachgespräch mit allen wichtigen Akteuren. Es wurden die Form die Entwicklung des Stücks, die eigenen Erfahrungen mit der ungewöhnlichen Darstellungsform und diverse Dinge angesprochen. Fragen im Live-Chat gingen, wohl wegen des sehr herausfordernden Textes, dieses Mal etwas weniger ein.

Der Dank geht an das Schauspielhaus Bochum für das große Engagement, regelmäßig Live-Streams zu präsentieren, die auch tatsächlich live auf der Bühne stattfinden. Klasse! Da die Verantwortlichen der Politik die Kulturbranche wahrscheinlich weiterhin verächtlich links liegen lassen, plant man an der Ruhr weitere Live-Streams. Das Programm wird noch bekannt gegeben.

Datum: 24. Januar 2021

www.schauspielhausbochum.de