abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Mit "Der Kirschgarten" von Anton Tschechow ist gesellschaftlich hochaktuell.
      Das Grillo Theater in Essen präsentiert eine Interpretation, die sich rein auf
      die Intention des Stücks beschränkt.

      Gutsbesitzerin Ranjewskaja (Silvia Weiskopf) kehrt nach Jahren aus Paris
      zurück in ihren geliebten Kirschgarten. Dieser ist hoch verschuldet und die
      Versteigerung steht an. Sich von den schönen Erinnerungen der Kindheit zu
      lösen fällt den Eigentümern schwer. Sie haben sich stets mit Liebe um
      diesen Ort der Erinnerung gekümmert. Als Jermolai Alexejewitsch Lopachin
      (Philipp Noack) vorschlägt, ihn abzuholzen und in verpachtete Parzellen der
      Sommerfrische aufzuteilen ist Geschrei groß. Ihre Träume sollen durch die
      Realität abgelöst werden.

      Es ist der Stoff, der uns tagtäglich begegnet. Umbrüche, Veränderungen,
      Herausforderungen, schnell zerfallende Strukturen sind heute unser Alltag.
      Damit müssen wir umgehen, Entscheidungen treffen. Dabei geht es um die
      Rolle des Menschen, der eigentlich nur klein und fehlerbehaftet ist. Leute,
      die sich zu Riesen erheben, machen uns Angst. Die Gier nach Geld einzel-
      ner verunsichert die Betroffenen. Mit Immobilien spekulieren ist in. Mieter
      fürchten die Konsequenzen, während Investoren stark profitieren und die Kluft
      zwischen Arm und Reich größer werden lassen.

      Immer wieder taucht der Student Pjotr Sergejewitsch Trofimow (Alexey
      Ekimov) auf, der menschliche Werte mahnt und darauf hinweißt, dass Wohl-
      stand für viele eine Gesellschaft positiv verändern könnte. Ist die Freiheit ein
      Ungemach, das unser Leben negativ beeinflusst. Wird Freiheit von einer geld-
      gierigen Minderheit egomanisch missbraucht? Die Dialoge sind oft sehr
      philosophisch. Der Verkauf des Guts lässt sich jedenfalls nicht verhindern und
      Jermolai Alexejewitsch Lopachin mutiert gierig zum Turbokapitalisten. Er
      betrachtet sich jedenfalls als den Retter des Kirschgartens. Ansichtssache.
      Es werden Häuschen für die Sommerfrischler entstehen.

      Inhaltlich gibt das Stück jede Menge her. Jeder erkennt sofort die aktuellen
      Bezüge. Alice Buddeberg hätte es als Regisseurin richtig rocken lassen
      können. Leider hat sie eine Form der Inszenierung gewählt, die weit davon
      entfernt ist. Schon das wenig spannende Bühnenbild (Sandra Rosenstiel)
      spricht nicht an. Die nicht beteiligten Schauspieler sind oft über lange Phasen
      schweigend auf der Bühne, schauen bewusst gelangweilt in den Raum.
      Gewollte Kunstpausen zwischen den Dialogen sollen zum Nachdenken
      anregen. Philipp Noack und Silvia Weiskopf machen aus ihren Rollen noch
      das Beste, eine gute schauspielerische Leistung. Bei den beiden bleibt man
      aufmerksam. Das Geschehen wirkt insgesamt statisch und zäh. Der unge-
      wöhnliche Ansatz dieser Inszenierung endete mit einem braven
      Premierenapplaus.

      Datum: 4. Mai 2019, Premiere

      www.theater-essen.de