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Martin Kippenberger auf der Villa Hügel in Essen
In Essen gibt es aktuell 2 x Kippenberger zu erleben. Sowohl die Villa Hügel, als auch das Museum Folkwang widmen ihm eine Ausstellung. Auf dem Hügel lautet der Titel der Sonderausstellung „Vergessene Einrichtungsprobleme in der Villa Hügel“.

Martin Kippenberger wurde 1953 in Dortmund geboren und lebte anschließend einige Jahre in Essen. Sein Vater war Bergwerksdirektor der Zeche Katharina in Essen-Frillendorf. Irgendwann zog es hinaus in die Welt. Er starb 1997 in Wien. Sein wildes Leben mit diversen Drogen endete früh. Was viele Künstler nicht schaffen, ist die Tatsache, dass man ihn nicht vergessen hat. Vielleicht gerade wegen seiner ungewöhnlichen Art und Weise als Künstler tätig zu sein, ist er noch immer ein Begriff.

Zu Lebzeiten hätte Kippenberger wahrscheinlich nicht einen Fuß in dieses herrschaftliche Gebäude setzten dürfen. Der eher konservative kruppsche Unternehmergeist, der auf Gehorsamkeit beruhte, und der wilde Kreative, der kaum Grenzen kannte, das hätte kaum gepasst. Es sind aber gerade die Gegensätze, die diese Ausstellung an diesem Ort so spannend machen. Kippenberger ist hier richtig gastfreundlich empfangen worden. Seine rund 120 Künstlerbücher wurden sogar in die alte, kruppsche Bibliothek mit eingegliedert. Man nutzt die vorhandenen Regale oder Tische. Eine höhere Ehre gibt es kaum. Wenn man sich in der Bibliothek umschaut, so entdeckt man einige seiner sehr speziellen Bücher, die zum Teil auf fremden Büchern beruhen. Sie enthalten Grundrisse seiner Wohnungen, eingeklebte Kommentare oder Fotos aus seinem Leben, ein Buch im Buch und natürlich seinen selbstironischen Frosch am Künstlerkreuz. Eines seiner Bücher ist Namensgeber der Ausstellung. Zwischen den schweren Bücherschränken und den wertvollen Gobelins fallen seine Arbeiten durchaus auf. Einige davon werden offen auf einem Tisch präsentiert, zum Blättern. Durch kleine Infokärtchen wird jedes Buch sehr gut nachvollziehbar erklärt. Auch im nächsten Raum, dem prunkvollen Gartensaal, sind einige seiner Arbeiten platziert.

In der ersten Etage erlebt man nicht nur das den großen Empfangsaal mit der Orgel und dem Büro der ehemaligen Firmenpatriarchs, sondern auch die Sonderausstellungsräume mit rund 100 Plakaten von Kippenberger. Sie zeigen deutlich, wie kreativ, schräg und extrovertiert der Künstler war. Man findet Plakate mit und ohne seinem Abbild. Verschiedene Lebensphasen sind zu erkennen. Mal ist er verkleidet, mal leicht frivol und mal mit Sonnenbrand abgebildet. Er liebte die Darstellung seiner Selbst in verschiedensten Motiven, eine uneitle Eitelkeit, die Spaß und Provokation vermittelt. Andere Personen machte er niemals lächerlich, höchstes sich selbst ironisch. Dabei spielen gewisse Gestaltungsregeln bei ihn überhaupt keine Rolle.

Ohne Kippenberger selbst kennengelernt zu haben ist die Kippenberger-Ausstellung auf dem alt-ehrwürdigen Hügel ein tolles Künstlerportrait. Die kontroverse Mischung aus Ambiente und Künstlerpersönlichkeit ist klasse. Sie verleiht Kippenberger eine ganz besondere Aura.

Zur Ausstellung auf dem Hügel ist ein sehr schön geschriebener Ausstellungsführer erhältlich. Sollte man sich bei dem Besuch der Ausstellungsräume mitnehmen.

Laufzeit: bis 16. Mai 2021

www.villahuegel.de
Video-Rundgänge durch die Ausstellung