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      Mit der sehr schönen Ausstellung "Das Kind in der Kunst. Von Beckmann bis
      Zille" widmet sich die Stiftung Sammlung Ziegler im Kunstmuseum Mülheim an
      er Ruhr einem spannenden Thema. 86 Arbeiten von 23 Künstlern zeigen, wie
      sich der Blick auf das Kind von der Geburt bis zur Jugend in den ersten 30
      Jahren des 20. Jahrhunderts gewandelt hat.

      Noch im 19. Jahrhundert musste ein Kind dem Wunschbild der Eltern ent-
      sprechen. Absoluter Gehorsam wurde verlangt. Man präsentierte den Nach-
      wuchs nett angezogen und posierend auf Gemälden. Jedes Detail war bei der
      bürgerlichen Familie wichtig. Mit den Schmuddelkindern der Arbeiter wollte man
      nicht zu tun haben. Diese spielten verdreckt in kleinen Wohnungen auf dem
      Holzboden, hatten Hunger und keine Chance auf einen gesellschaftlichen
      Aufstieg. Heinrich Zille zeigt das in seinen Zeichnungen und Fotografien sehr
      gut. Eine Mutter beschließt sogar mit ihrem Kind auf dem Arm Suizid zu
      begehen. Es sind neue Ansichten, die die Lebensrealität widerspiegeln. Kinder-
      armut war häufig die Regel. Arbeiterfamilien hatten zahlreiche Kinder auf
      engstem Raum unterzubringen. Nicht selten schliefen vier Kinder in einem Bett.
      Gespielt wurde auf der Straße und die waren voll mit Kindern.

      Reformpädagogen wie Ellen Key brachten es fertig, eine Diskussion anzuregen.
      Ihr Buch war ein Bestseller. Berühmte Maler wie Feininger oder Jawlensky
      beschäftigten sich mit Kinderzeichnungen, sammelten sie als Vorlage für ihren
      eigenen Malstil. Sie wurden sogar wissenschaftlich ausgewertet und publiziert.
      Die selbstbewusste Entwicklung des Kindes stand plötzlich im Mittelpunkt, das
      Kind als eigenes Individuum, realistisch abgebildet. Wer biologisch bedingt
      keine Kinder bekommen konnte, wie die Frau von Franz Marc, der schaffte sich
      Katzen als Ersatz an. Die wiegende Körperhaltung auf dem Arm ist dieselbe.
      Man sieht Eltern mit Kindern, Kinder mit Kindern spielen und Portraits von
      Kindern. Ein Raum widmet sich dem Einfluss der Kinderbilder auf den künstle-
      rischen Ausdruck. Die unschuldige Kinderhand hat den Stil berühmter Künstler
      geprägt.

      Zu sehen sind unter anderem schöne Arbeiten von Max Beckmann, Otto Dix,
      Lyonel Feininger, Alexej Jawlensky, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Käthe
      Kollwitz, Max Liebermann, August Macke, Franz Marc, Paula Modersohn-
      Becker, Otto Mueller, Emil Nolde, Otto Pankok und Heinrich Zille. Die künst-
      lerische Vielfalt der Arbeiten ist enorm. Die Werke stammen aus der Sammlung
      Ziegler, den Beständen des Kunstmuseum Mülheim, der Zille-Sammlung-Themel
      und aus Privatsammlungen.

      Ergänzend zeigt die Ausstellung "Ute Behrend. Being a child" fotografisch im
      Grafikraum Kinderportraits in Verbindung zu ihrer Umwelt oder Lebenssituation.

      Ein schöner Ausstellungskatalog ist im Museum zum Preis von nur 9,50 Euro
      erhältlich.

      Laufzeit: 18. Februar bis 30. Juni 2018

      www.muelheim-ruhr.de