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      Mit "Kain und Abel" präsentiert das Aalto ein sehr gut inszeniertes Oratorium
      in zwei Teilen von Alessandro Scarlatti. Diese ungewöhnliche Form des Sing-
      spiels thematisiert ersten Mord der Geschichte. Für die Inszenierung
      zeichnet der große Dietrich W. Hilsdorf verantwortlich, seine 20ste am Aalto
      Theater.

      Zwischen 1698 und 1710 verbot Rom Opernaufführungen, da sie so mora-
      lisch verwerfliche Dinge wie Mord, Seitensprünge oder Habgier regelmäßig
      thematisieren. So entstand die Form des szenisch-dramatischen Oratoriums.
      Mit dem biblischen Thema von "Kain und Abel" schuf Alessandro Scarlatti
      einen Konflikt, der brutaler kaum sein könnte, einen Brudermord.

      Szenisch und musikalisch kommt es sehr barock daher. Das kleine
      Orchester sitzt etwas tiefer als die Bühne sichtbar auf der Bühne. Das ist
      große Musik, die man genießen muss. Besonders die Anlehnung an alte
      Instrumente kommt immer wieder durch. Die Essener Philharmoniker unter
      der Leitung von Rubén Dubrovsky setzten neben einer Laute auch ein
      Cembalo, eine Orgel und ein Regal ein. Ungewohnte Klänge, die sehr
      interessant klingen. Die wichtigen Arien, alleine oder als Duett, werden stets
      vorne am Bühnenrand präsentiert, während die kleinen Katastrophen sich
      eher hinten abspielen. Stimmlich können Bettina Ranch (Kain), Philipp
      Mathmann (Abel), Tamara Banješevi? (Eva), Dmitry Ivanchey (Adam), Xavier
      Sabata (Gott) und Baurzhan Anderzhanov (Teufel) voll überzeugen. Auch
      wenn Dmitry Ivanchey und Baurzhan Anderzhanov an diesem Abend ein
      wenig erkältet gewesen sein sollen, man hat es nicht gemerkt.

      Haben Adam und Eva ihren Kindern alles erzählt? War die Schöpfung wirklich
      gut gelungen? Der erste Mord wirft Fragen auf. Das Experiment Mensch
      beginnt. Kann man das Böse ausschließen? Die Arche Noah spielt eine
      gewisse Rolle. In der tollen Kulisse eines großen, venezianischen Parlazzo
      werden die Verhältnisse der einzelnen Personen sehr gut heraus gearbeitet.
      Dramatik und Schuld spielen eine große Rolle. Gegenseitige Paare, wie Kain
      und Abel oder Gott und der Teufel sind wichtige Konstellationen auf der
      Bühne.

      Dieses kurzweilige und außerordentliche Oratorium ist richtig gut gelungen
      und absolut sehenswert. Die 140 Minuten Dauer ohne Pause sind spannend
      und hochklassig inszeniert.

      Datum: 30. Januar 2020, Aalto Theater

      www.theater-essen.de