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      Wenn der Zoo Krefeld zu einer Deutschland-Premiere eines australischen
      Films ins Cinemax Krefeld einlädt, dann muss es sich um ein besonderes
      Thema handeln. Das ist es auch. Der Dokumentarfilm "Into the Jungle" mit
      Jim und Jean Thomas zeigt, was Engagement in Sachen Naturschutz alles
      bewirken kann. Er berührt sehr und zeigt auf, wie man auch in anderen
      Teilen der Erde die Natur schützen kann und den Menschen dabei hilft.

      Jim und Jean lernten sich als Tierpfleger im Zoo von Melbourne kennen
      und lieben. In der Folge traf man eines Tages einen prominenten Biologen im
      Bundesstaat Queensland. Dort im Regenwald leben Baumkängurus. Das
      Interesse war geweckt. Jim und Jean wurden neugierig, welche Arten der
      Baumkängurus im benachbarten Papua Neuguinea zu entdecken wären.
      Bekannt war 2003 bereits, dass die Tiere dort seit Jahrzehnten als Futter-
      quelle bejagt werden und nur noch in geringen Populationen vorhanden sind.
      Das besondere Interesse galt dem Tenkile, dem Schwarzen Baumkänguru. In
      den Torricelli Mountains sollten damals nur noch 100 Exemplare leben. Der
      Bestand war stark gefährdet.

      Wandel geht nur über die Menschen in der Region. Sie musste man über-
      zeugen, auf die Jagd der Tiere zu verzichten. Wie nun bringt man eine
      traditionelle Dorfbevölkerung im Regenwald dazu, ihr gesellschaftliches Leben
      grundlegend zu verändern? Ohne tierisches Protein gegen den Hunger geht
      hier nichts. Die 18 Dörfer in dem 2.000 qkm großen Gebiet hatten ein hartes
      Leben. Frisches Wasser musste mit Kanistern täglich Fuß von weiter her
      geholt werden und die medizinische Versorgung ließ ebenfalls zu wünschen
      übrig. Das Existieren im Regenwald war eher ein Überleben als ein Leben.
      Kontakte zwischen den Dörfern waren eher selten. Trotzdem sind diese
      Menschen unheimlich fröhlich und herzlich. Sie lachen und tanzen ihre
      Probleme beiseite.

      Jim und Jean wurden als große, weiße Menschen zunächst kritisch betrach-
      tet. Sie schafften es durch den Kontakt zu den Dorfvorständen und mittels
      Bildung durch Vorträge erste Menschen für sich zu gewinnen. Sie zogen von
      Dorf zu Dorf. Es folgten Puppenspiele für die Kinder und kleine Theater-
      stücke für die Erwachsenen. Durch Spaß und sehr bildhaft vermittelten sie
      ihre Absicht. Es musste allerdings schnell Proteinersatz her. Sie beschafften
      Hasen aus Australien und zeigten der Bevölkerung, wie man sie in Ställen
      hält und pflegt. Praktische Lebenshilfe stand auf dem Plan. Einheimische
      Mittelsleute halfen bei der Vermittlung. Schon die Kleinen in der Schule
      wurden sensibilisiert. Kamerafallen im Regenwald zeigten den Einheimischen,
      welche Tiere sie umgeben, ein faszinierende Neuerung für sie. Der Wandel
      in den Köpfen verstärkte sich immer mehr. Die medizinischen Einrichtungen
      wurden verbessert und ein Netzwerk zwischen den einzelnen Dörfern wurde
      gesponnen. Australische Naturschutzorganisationen und Zoos halfen aus
      der Ferne. Nebenbei entschied man sich eine weitere Baumkänguruart in der
      Region zu schützen, das Weimang, ein stark gefährdetes
      Goldschulterbaumkänguru.

      Ihre letzten Kritiker überzeugten Jim und Jean mit der Idee, Wassertanks in
      die Dörfer zu bringen, gefördert von der EU. Es wurde abenteuerlich. Riesige
      Tanks mussten erst per LKW über unbefestigte Pfade durch den Regenwald.
      Vom Sammelplatz wurden sie oft über 20 km durch den Dschungel von der
      Dorfbevölkerung ins Heimatdorf getragen. Waren sie installiert, so ver-
      besserte sich die Wassersituation schlagartig. Man musste für sauberes
      Wasser nicht mehr viele Kilometer laufen. Die Hygiene verbesserte sich
      enorm. Als weitere Nahrungsquelle entstanden kleine Fischfarmen nahe den
      Dörfern. Der Lebensstandart wuchs und der Schutz der Baumkängurus war
      nur der Aufhänger, ihre eigene Lebensumgebung im Einklang mit der Natur
      zu verändern.

      2011 verließen Jim und Jean Papua Neuguinea, um nach Australien zurück-
      zukehren. Ihr Sohn kam in die Schule, um ein freies Leben im Dschungel
      gegen ein geregeltes einzutauschen. Die Population der Tenkile und der
      Weimang verdreifachte und verfünffachte sich. Das Gebiet wurde nicht
      mehr bejagt. Nur um die Dörfer herum fand noch traditionelle Jagd statt. Der
      Wohlstand wächst und inzwischen gibt es dort 50 Dörfer. Es gibt kleine
      Läden und Märkte. Das Müllproblem löst man noch durch Verbrennung.
      Weitere Projekte sind Solarstrom und ein Handynetz. Sie haben Laptops und
      Smartphones schätzen gelernt. Vieles ist noch in der Entwicklung, die
      allerdings sanft ablaufen soll.

      Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie Hilfe von unten nach oben für positive
      Effekte für alle Seiten sorgen kann. Jim und Jean schauen jedes Jahr ab und
      zu mal vorbei. Es trägt sich alles mehr oder weniger von selbst. Hilfe ist
      trotzdem weiter nötig, denn auch wenn das Land den Kommunen gehört, so
      kann der Staat mühelos über das Land bestimmen und Lizenzen zum Roh-
      stoffabbau vergeben. Erst wenn die Torricelli Mountains als Nationalpark
      anerkannt werden sollten, ist der Erfolg dieses eindrucksvollen Projekts
      garantiert, das filmisch hervorragend eingefangen wurde. Man sieht tolle
      Naturlandschaften, fröhliche Menschen und Jim und Jean, die auch manch-
      mal verzweifelten. Der Soundtrack kann sich ebenfalls hören lassen, ganz
      großes Kino.

      Im Juli soll der 90minütige Film mit deutschen und französischen Untertiteln
      auf ARTE laufen. Für 2020 ist eine Vorstellung beim Krefelder Open-Air-Kino
      auf der Rennbahn geplant. Eventuell kommt das eine oder andere Programm-
      kino noch hinzu.

      Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen übergab der extra angereisten Jean Thomas
      einen Scheck über 2.000 Euro. Weitere finanzielle Mittel für das Projekt sind
      nötig. Der Zoo Krefeld sammelt die Spenden und gibt sie zu 100% weiter.

      Ein Trailer und optische Eindrücke sind auf der offiziellen Webseite zum
      Film zu finden (Link siehe unten).

      Datum: 14. Juni 2019, Deutschland-Premiere, Cinemax Krefeld

      intothejungle.net
      www.zookrefeld.de