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      Einen Tag vor Heiligabend feierte die Rock-Oper "Jesus Christ Superstar" eine
      sehr gelungene Premiere im Musiktheater im Revier (MiR). Für die unterhalt-
      same und anwechslungsreiche Inszenierung zeichnete der Generalintendant
      Michael Schulz persönlich verantwortlich.

      Weihnachten hat für viele Menschen den eigentlichen Sinn verloren und so war
      der Tag der Premiere sehr gut gewählt. Man wurde thematisch auf das christ-
      liche Fest vorbereitet. Die etwas abgewandelte, satirische Form der Weih-
      nachtsgeschichte von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice sorgte im ausver-
      kauften Theater für einen sehr langen und ehrlichen Applaus.

      Hauptsächlich waren es rockige Klänge, die akustisch fein abgestimmt durch
      den Saal schallen. Die grundsätzlich tolle Akustik im MiR unterstützt die Klang-
      melange aus Rock und auch gelegentlich Folk, Blues und Jazz wunderbar. Der
      musikalische Leiter Heribert Feckler sorgte für einen echten Hörgenuss. Dem
      konnten sich die Sänger und der sehr agile Opernchor nur anschließen. Henrik
      Wager als Jesus, Serkan Kaya als Judas, die noch junge Theresa Weber als
      Maria Magdalena, Edward Lee als Pilatus, Joachim G. Maaß als Kaiphas,
      Tobias Glagau als Petrus, Sebastian Schiller als Simon oder Georg Hansen als
      Priester konnten bei den oft anspruchsvollen Gesangspartien absolut über-
      zeugen. Einen kurzen, aber sehr überzeugenden Auftritt hatte der am MiR
      immer sehr geschätzte Rüdiger Frank als Herodes.

      Die biblische Passionsgeschichte konnte sich auch szenisch sehen lassen. Die
      sehr variable Bühne wurde extrem kreativ genutzt, war nicht selten in Bewegung.
      Durch die verschiedenen Ebenen ließen sich die Hierarchien im Stück gut dar-
      stellen, wenn z.B. Pilatus Jesus verhört. Da war der Blick vom ersten Rang
      durchaus empfehlenswert. Das galt ebenfalls für die satirische Anspielung an
      den modernen Weihnachtsstress mit Geschenken und optischem Weihnachts-
      gedöns als Projektion im ganzen Saal. Der Handel wünscht Frohe Weihnachten
      und nun kauft mal alle schön. Jesus bezeichnete diese Szene auf der Bühne als
      Räuberhöhle. Wie würden sich seine Thesen wohl in Zeiten des Internets ver-
      breiten? Auch diese Frage wurde geschickt gestellt.

      Die allgemeine Religionskritik kam nicht zu kurz. Wunder sind gefragt. Kann
      Jesus problemlos über einen Swimmingpool laufen? Die religiös überhöhte
      Heroisierung von Buddha oder Mohammed wurde wundersam auf den Boden
      verfrachtet. Keine Religion sollte sich als was Besseres empfinden.

      Vieles wurde in die heutige Zeit verschoben, auch die Kostüme. Jesus könnte
      durchaus ein Hippie im weißen Sommeroutfit sein. Maria Magdalena passte
      auch in die Zeit. Die Ankläger trugen dagegen ganz streng dunklen Anzug mit
      Krawatte. Die Kostüme waren wirklich durchdacht, wie auch das tolle
      und variable Bühnenbild (beides Kathrin-Susann Brose). Unterstützt wurde das
      Geschehen durch das stets passende Licht. Dabei wirkte Jesus in einer Szene
      hinter einem Vorhang ganz fahl wie seine Abbildung auf dem berühmten
      Leichentuch. Wurde es brenzlig, erstrahlten gleißend helle Suchscheinwerfer die
      Bühne. Diese optischen Gegensätze machten die Inszenierung richtig spannend
      und sehenswert.

      Ein Bonbon war die herrliche Choreografie der Soulgirls Faye Anderson (auch
      Dancecaptain), Ilenia Azzato, Lisandra Bardél, Sophie Blümel, Milena Sophia
      Hagedorn, Julia Heiser und Maria Einfeldt. Sie belebten tänzerisch die Rock-
      Oper hervorragend. Am Ende tanzten alle ums Kreuz und wussten, dass der
      Tod Jesu seine Lehren nicht verstummen ließ.

      Ein großer Dank geht an Generalintendant Michael Schulz, der nicht nur Regie
      geführt hat, sondern auch immer alle Premieren bei den anschließenden Feiern
      im großen Haus mit seiner sehr guten Moderation bereichert. So werden die
      Premieren im MiR zu einem besonderen Erlebnis.

      Datum: 19. Dezember 2017 (Premiere)

      www.musiktheater-im-revier.de