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      Der erste "JackPott" ist vorüber. Die erste gemeinsame Theaterreise der
      RuhrBühnen mit zehn beteiligten Theatern und insgesamt 1.100 Teilnehmern in
      23 Bussen kann man als Erfolg werten, auch wenn die Premiere ein paar
      Kinderkrankheiten offenbarte.

      Zweck dieser Theaterreise ist es, die enorme Vielfalt der RuhrBühnen stärker in
      Blickpunkt zu rücken und auf die neue Spielzeit aufmerksam zu machen. Alle
      Besucher trafen sich vormittags an der Jahrhunderthalle in Bochum. Insgesamt
      hatten die Organisatoren sechs Touren mit je drei Bühnen geplant. Wohin es
      ging, das wussten lediglich die netten Reiseleiter in den Bussen. Es war ein
      Blind-Date mit jeweils drei Häusern, die man kannte oder nicht kannte. Das
      machte den Reiz aus.

      Zu sehen gab es Tanz, Schauspiel, Musik und Mischkonzepte. Drei Stationen
      erforderten schon einige Kondition, besonders wenn das dritte Stück einer Tour
      inhaltlich sehr kopflastig war oder eine Tour kein einziges echtes Schauspiel-
      stück bot. Bei manchen Stücken hörte man durchaus Diskussionsbedarf ob
      der Darstellung oder der vielleicht etwas zu harten Sprache, wie in Oberhausen
      bei den "Schimmelmanns". Man merkte, dass da echte Theaterkenner und
      Theaterliebhaber unterwegs waren.

      Ein sehr schönes Programm bot zum Auftakt das Schauspielhaus Bochum. Zu
      erleben war eine auf die Tour abgestimmte Version von "Hagar - Wo kommst du
      her?". Der biblische Stoff um Abraham, Sarai und Ismael wurde von einem guten
      Ensemble, einem Kinderchor sowie tollen Sängern und Musikern passend und
      unterhaltsam für die moderne Gesellschaft vermittelt, die sich eher selten in der
      Kirche trifft oder in der Bibel liest. Hagar war die Sklavin der Familie, die für die
      nicht empfängnisbereite Sarai Abrahams Kind austrägt und alleinerziehend
      großzieht. Es kommt zu Eifersucht, Vertreibung oder göttlichen Wundern. Als
      Folge von Noahs Arche sind wir alle Verwandte, egal welche Haufarbe, Staats-
      angehörigkeit oder Religion. Die Orte haben wir uns nur geborgt. Sie sind nicht
      unser Eigentum. Doch herrscht auf der Erde Sodom und Gomorra. Zu erwähnen
      sind auf jeden Fall die wunderbaren Stimmen, darunter ein Countertenor und ein
      arabischer Sänger (Issam Bayan), der ungewöhnliche und spannende Klang-
      welten produzierte. Gleiches gilt auch für die Musiker mit ihren elektronischen
      Klangpassagen und den Live-Video-Künstler. Das Stück, eine Kooperation mit
      dem Ringlokschuppen, wurde in etwas abgewandelter Form während der Tour in
      Mülheim fortgesetzt.

      Ein Stück mit ganz eigenem Humor wurde im Theater an der Ruhr in Mülheim
      geboten, "Tod" von Woody Allen. Die anarchische Komik jüdischen Ursprungs
      stellte einen Verkäufer namens Kleinmann, der von einer radikalen Bürgerwehr
      ganz unvermittelt zur Mitarbeit gezwungen wird, in den Mittelpunkt. Gewisse
      radikale Gruppen vertrauen der Polizei nicht mehr und suchen auf eigene Faust
      den Massenmörder in der Stadt. Die Pläne bleiben geheimnisumwittert, auch für
      Kleinmann (Albert Borg). Die Angstmache der Rechtsaußen in der heutigen Zeit
      spielt da inhaltlich rein. Das Stück ist eine Warnung, denn Kleinmann selbst
      wird am Ende das Opfer sein.

      Am "JackPott" beteiligten sich das Theater Hagen, das Theater Dortmund, das
      Schauspielhaus Bochum, das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, PACT
      Zollverein und das Schauspiel Essen, das Theater Oberhausen, das Theater
      an der Ruhr und der Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim sowie das Schloss-
      theater Moers mit eigenen Inszenierungen.

      Zum Schluss trafen sich Besucher, Künstler und Organisatoren zum gemein-
      samen Gedankenaustausch am Buffet in der Jahrhunderthalle. Die durchaus
      selbstkritischen Macher der Theaterreise versprachen bereits vor Ort eine
      organisatorische Aufarbeitung einiger Punkte für das nächste Jahr. Eine
      Neuauflage ist nicht ausgeschlossen und angedacht.

      Datum: 1. Oktober 2017

      www.ruhrbuehnen.de