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      Mit "Propersos Insel" zeigt das Musiktheater im Revier (Mir) in Gelsenkirchen
      und außergewöhnliches und gelungenes Ballett. Basierend auf Motiven von
      William Shakespeares "The Tempest" und inszeniert von Bridget Breiner, kam
      die Darbietung beim Premierenpublikum sehr gut an und endete in einem nicht
      enden wollenden Applaus. Dieses außergewöhnliche Ballett ist etwas für
      Genießer, die offen sind für andere Formen der Tanzdarbietung.

      Wen ein Herrscher aus seinem Machtgebiet vertrieben wird, um auf einer ent-
      fernten Insel mit zwei Gesellen vor Ort zu fristen, dann ist das eine große
      Umstellung. Prospero (Ledian Soto) musste Mailand aufgeben und mit seiner
      Tochter Miranda (Francesca Berruto), Caliban (Valentin Juteau) und dem Luft-
      geist Ariel (Hitomi Kuhara) im Mittelmeer zu leben. Als die Verräter aus Mailand
      vorbei segeln, lässt er Ariel eine Sturm erzeugen, der sie an Land treibt und
      über die Insel verteilt. Ferdinand (Carlos Contreras), einer der Verräter, und
      Miranda verlieben sich und ein Sturz Prosperos scheitert. Prospero muss sich
      eingestehen, dass seine alleinige Herrschaft eigentlich wenig bringt und macht
      Ferdinand zum neuen Herrscher von Mailand und somit seine Tochter zu
      dessen Ehefrau. Eine Insel zu besitzen ist zwar nett, aber welchen Sinn hat hier
      die Macht? Ist das eigene Wohl oder das Gemeinwohl wichtiger? Prospero ist
      dabei sehr vielschichtig, mal Vater, mal politischer Machthaber oder mal der
      Rächer. So viel zur Geschichte.

      Wer hier klassisches Ballett erwartet, der ist falsch. Es wirkt hingegen avant-
      gardistisch, feinsinnig-subtil, archaisch und sehr gut inszeniert. Das Spiel der
      Hände ist von Bedeutung. Tänzerisch ist es wirklich sehr anspruchsvoll, was die
      Kompanie aber ausgezeichnet umsetzt. Francesca Berruto, Ledian Soto oder
      Valentin Juteau glänzen in ihren Rollen. Ein wahrer Augenschmaus ist Hitomi
      Kuhara als Ariel. Als Gasttänzerin zeigt sie nicht nur tollen Spitzentanz, son-
      dern besticht auch durch ihre Ausstrahlung. Sie wird bald am Haus festes
      Kompaniemitglied sein.

      Optisch kommt die Bühne oft eher dunkel daher. Über allem schwebt die Insel
      wie ein großer Felsblock. Drum herum kreist ein Metallring, alles variabel zu
      verändern. Das passende Licht lässt sich so gut projizieren. Auch die Kostüme
      sind gelungen ausgewählt.

      Musikalisch ist dieses Ballett eher minimalistisch und getragen angelegt. Ver-
      schiedene Kompositionen, u. a. von Benjamin Rimmer oder Frank Martin werden
      zu einer Klangmelange stimmig zusammengeführt. Wasser klingt immer etwas
      durch, als wäre man in Neptuns Reich. Manches kommt von Band, aber als
      Höhepunkt werden viele Passagen ausschließlich vom hervorragenden
      Jugendkonzertchor der Chorakademie Dortmund, unter der Leitung von Felix
      Heitmann, live gesungen. Die jungen Leute, alle zwischen 13 und 19 Jahre jung,
      haben vorzügliche Stimmen und wirken ein- oder mehrstimmig wunderbar. Man
      wird akustisch an kirchliche Choräle oder Oratorien erinnert, ganz leise und fein
      abgestimmt. Sie tauchen auf der Bühne, im Orchestergraben oder am Ende
      links und rechts im Zuschauerraum auf. Man möchte die Augen schließen, will
      dabei aber nicht den Tanz versäumen.

      Der Umbau des großen Saals macht sich jetzt schon bemerkt. Die Bühne mit
      dem Orchestergraben verschmilzt noch stärker mit dem Publikumsbereich und
      die neue elektroakustische Verstärkung macht ebenfalls bezahlt. Man merkt
      allen Beteiligten die Freude an, endlich wieder nach sechs Monaten Umbau,
      auf die große Bühne tanzen zu können.

      8. Oktober 2016 (Premiere)

      www.musiktheater-im-revier.de