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      Mit dem Stück "Die Hydra" geht das Schauspielhaus Bochum neue Wege
      der Darstellung. Die Kammerspiele werden so zum Raum für ein spannendes
      und intensives Experimentiertheater, das zum Nachdenken anregt. Die
      Bewertung bleibt dabei jedem selbst überlassen.

      Herakles ist ein sehr philosophischer und schwerer Stoff der griechischen
      Antike. Zwölf Arbeiten müsste er verrichten und dabei die neunköpfige
      Hydra töten. Heiner Müller griff dieses Thema auf und verfasste dazu einen
      Text. Diesen nahm sich der Regisseur Tom Schneider an, um ihn auf der
      Bühne zu inszenieren. Herausgekommen ist ein intensives und bildgewal-
      tiges Werk, das die Besucher richtig fordert. Im Mittelpunkt steht dabei die
      Schauspielerin Sandra Hüller, die quasi als eher leise Erzählerin auftritt,
      verstärkt durch ein Mikro. Außergewöhnlich ist, dass der schwierige Text als
      Monolog ihr per Ohrstecker ins Ohr geflüstert wird, damit er auch möglichst
      original zu hören ist. Die Menge an Text und die nicht einfache Sprache
      wären auswendig auch eine Tortur für jeden Akteur auf der Bühne. Bei
      Sandra Höller klingen die Zeilen deshalb besonders konzentriert vorgetragen,
      so wie man es am Theater sonst nicht kennt.

      Die Musik, oder was man eben als solches bezeichnet, ist eine Sound-
      kollage aus mehreren Verstärkern, ohne echte Instrumente zu benutzen.
      Dunkle Bässe wummern oder schweben von der Bühne, die von einem
      gefühlt schweren Himmel bedeckt ist. Ein abgefahrener Underground-Club
      könnte so oder so ähnlich aussehen und klingen. Die Musiker Moritz
      Bossmann und Sandro Tajouri stimmen sich geschickt mit Sandra Hüller
      ab. Der Sound ist die perfekte Kulisse für diesen Stoff.

      Hinzu kommen die Bilderwelten auf der Bühne. Aus einem leeren Raum wird
      eine Wohnung. Man trägt einen Kühlschrank, diverse Möbel und kleinere
      Einrichtungsgegenstände herbei und stellt sie auf. Alles wirkt sehr geschickt
      ins Licht gesetzt und etwas unheimlich. Hier könnte eine Szene eines alten
      Bond-Streifens im Untergrund spielen. Am Ende bricht die vom Menschen
      aufgebaute Welt wieder in sich zusammen.

      Man muss gar nicht jeden Satz nachvollziehen können, um das Stück zu
      verstehen. Das konnten wohl auch nur die alten Griechen oder Heiner Müller.
      Es geht um Arbeit. Was ist eigentlich Arbeit? Wir verändern damit unsere
      Welt und zerstören unsere Natur. Wir spielen Gott, setzen uns damit an
      seine Stelle. Davon träumt der Mensch. Doch gibt es tatsächlich etwas über
      uns? Das laute Donnergrollen aus den Verstärkern lässt Interpretationen
      offen.

      Es ist ein echtes Theatererlebnis, das außergewöhnlich daher kommt, ein
      Gesamtkunstwerk ungewöhnlicher Theatermomente. Man sollte allerdings
      offen für etwas Neues sein.

      Datum: 16. Oktober 2019

      www.schauspielhausbochum.de