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      Die sehr humorvolle Oper "Der Florentinische Hut" von Nino Rota im Musikt-
      heater im Revier wird nicht nur selten gespielt, sondern ist auch richtig gut. Die
      gelungene Inszenierung von Spnja Trebes bezeichnete selbst Michael Schulz,
      der Generalintendant des Hauses, bei der Premierenfeier im positiven Sinne als
      eine Komödie.

      Eine Oper, die keinen tragischen Todesfall zu bieten hat und am Ende auch
      noch ein Happy End aufzuweisen hat, ist wirklich außergewöhnlich. Kein moral-       ischer Zeigefinger wird erhoben und es ist ebenfalls kein Bezug zu unschönen
      Themen der Weltlage zu vernehmen. Diese Oper ist witzig und gut gemacht.
      Man kann sich einfach ganz entspannt zurücklehnen und Spaß haben, denn
      die Geschichte ist skurril mit vielen Wendungen. Im letzten Moment kommt es
      immer anders, als es kommen soll. Sie ist eine Klip-Klap-Komödie, wo Türen
      auf und zu gehen und Leute erscheinen und verschwinden. Trotzdem ist sie
      niemals banal.

      Alles beginnt mit dem vorgeschalteten Sketch "Die Fahrschule" von 1959, wo
      sich der stadtbekannte Junggeselle Monsieur Fadinard (Ibrahim Yesilay) und
      Elena (Bele Kumberger) im Fahrschulauto begegnen, erwischt werden und
      heiraten müssen. Zusätzlich trägt Fadinard Schuld daran, dass der Florenti-
      nische Hut von der Modistin (Katharina Borsch), seine Ex-Geliebte, Schaden
      nimmt, während sie mit Emilio (Piotr Prochera) fremdgeht. Ohne den Hut kann
      sie nicht zu ihrem Ehemann zurückkehren. Die komische Oper kann beginnen.
      Fadinard muss auf die Suche nach einem neuen Hut machen, ehe er Elena
      heiraten kann. Währenddessen ist Elenas Familie hinter ihm her und versteht
      die Welt nicht mehr. Sie wollen die Vermählung und landen an den verschie-
      densten Orten. Der bunte Haufen vom Land fällt überall schrill auf, verspeist das
      fremdes Buffet der Baronessa di Champigny (Noriko Ogawa-Yatake) oder stran-
      det im Regen. Immer wieder gibt es humorvolle Wendungen, die die Geschichte
      sehr gut weiterspinnen.

      Man merkt den Künstlern auf der Bühne ihren Spaß am Stück an. Als Runing
      Gag wechselt ein schlecht sitzender Schuh die Besitzer, wandern sehr
      phantasie- und liebevoll gestaltete Kulissen (Dirk Becker) variabel über die
      Bühne und die Kostüme (Julia Reindell) sind ebenso prächtig gelungen, herrlich
      komisch und niemals billig. So scheint das Brautkleid Elenas aus Gardinenstoff
      gefertigt zu sein, während ihr Vater Nonancourt (Joachim G. Maaß) einen
      kümmerlichen Orangenstrauch mit sich herum schleppt. Auch Elenas Onkel
      Vézinet (William Saetre) tanzt herrlich skurril durchs Leben. Der Bauernadel
      sorgt für jede Menge Wirbel, während Fadinard fast verzweifelt, denn der
      gesuchte Hut ist beinahe nicht aufzutreiben. Hervorzuheben ist natürlich auch
      der Opern- und Extrachor des Hauses, der in sehr vielfältigen Rollen auf der
      Bühne erscheint. Künstlerisch und Szenisch ist diese Oper wirklich ein Genuss,
      herrlich komisch und so gar nicht schwer.

      Musikalisch ist "Der Florentinische Hut" von Nino Rota als Patchwork
      klassischer Melodien zusammengefügt worden. Man hört Schnipsel von Wagner
      oder Puccini, ja sogar aus der "West Side Story". Es passt sehr gut zum
      Geschehen auf der Bühne, mal dramatisch und mal locker-leicht. Die Neue
      Philharmonie Westfalen sorgt für den guten Ton. Die wunderbare Oper mit ihren
      tollen Charakteren ist das richtige Mittel gegen den Winterblues.

      Datum: 19. November 2016 (Premiere)

      www.musiktheater-im-revier.de