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Ausstellung '100 Jahre Ruhrgebiet. Die andere Metropole' im Ruhr Museum in Essen
"100 Jahre Ruhrgebiet. Die andere Metropole" lautet der Titel der sehr umfangreichen und interessanten Sonderausstellung im Ruhr Museum. Anlass ist die Gründung des Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk (SVR) im Jahre 1920, woraus später der RVR wurde. Man blickt in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.

Rund 10.000 Exponate hat man für diese Ausstellung recherchiert, rund tausend haben es ins Museum geschafft. Das Thema ist aber auch wahrhaft unfangreich. Die Kuratoren haben sich schließlich auf die Themengebiete Politik, Industrie, Verwaltung, Infrastruktur, Verkehr, Sport- und Großveranstaltungen sowie Kultur und Wissenschaft verständigt.

Die Strukturierung der Region, damals auch Preußens wilder Westen genannt, begann 1920 mit der Gründung des SVR. Damals wurde der Begriff "Ruhrgebiet" stetig geprägt. Siedlungspolitik und das Verkehrswesen standen im Mittelpunkt. Die Blüte stand der Region noch bevor. Kohle und Stahl waren der Motor. Man zeigt, mit welchen Mitteln man damals Arbeitskräfte aus Südeuropa anwarb. Integration war damals ein Fremdwort. Nach den Zweiten Weltkrieg brachte man die angeworben Arbeitskräften in Baracken der Nazis unter und nannte sie tatsächlich Gastarbeiterlager. Viele von ihnen blieben über Generationen. So entstand eine sehr vielschichtige 5- Millionen-Metropole.

Es sind wirklich spannende Aspekte zu entdecken, die man heute so kaum ahnt. Der Ruhrkampf, eine Art Bürgerkrieg, in den 1920er Jahren kostete viele Menschen das Leben. Menschen wurden auf der Straße hingerichtet und zerstückelt. Es wird gezeigt, wie die heute vorhandenen Verkehrswege, wie die A40, geplant wurden, die noch immer ein Problem sind. Durch die industrielle Revolution kam man damals an seine Grenzen der Entwicklung. Heute ist das Ruhrgebiet der viertgrößte Ballungsraum Europas mit unzähligen Verkehrswegen. In den 1980er Jahren war die Uni Dortmund das Zentrum des deutschen Internet. Man verwaltete dort sogar die noch wenig bekannten de-Domains.

Mitte der 1950er Jahre war die Hochzeit der Kohle. Der Bergmann wurde zum Helden stilisiert, ehe der lange Abschied von der Kohle begann. Umweltthemen spielten schon früh eine Rolle. Man war sich der vielen Schlote durchaus bewusst. Aus der Arbeiterregion wurde ab den 1960er Jahren eine Wissenschaftsmetropole. Die Ruhr Uni in Bochum ging an den Start. Arbeiterkinder konnten plötzlich studieren. Die Kultur darf in dieser Ausstellung nicht fehlen. Die Stadttheater spielten wichtige Rollen. Man entdeckt Kostüme aus dem Schauspielhaus Bochum und dem Starlight Express.

Architektonisch sticht die Ausstellung sofort hervor. Schwarze Schrift auf gelbem Grund soll aber nicht fußballerisch gedeutet werden. Museumschef Theo Grütter hatte das als glühender Schalke-Fan sicher verhindert. Gelb-Schwarz sind schlicht die Farben der Ortsbeschilderung, die 1920 im Ruhrgebiet eingeführt wurde, um zwei Jahre später in ganz Deutschland einheitlich zu gelten. Das ist heute noch so.

Man muss sich einige Zeit nehmen, um für sich die vielen kleinen Perlen zu entdecken. Sie ist thematisch geordnet, in der Mitte des Raums sowie in den Kabinetten. Es wirkt wie ein großes Sammelsurium an Ausstellungsstücken, die überraschen. Die sehr sehenswerte Ausstellung kostet etwa 750.000 Euro, Jeweils 250.000 Euro tragen der LVR und das Land NRW. Ein umfangreiches Rahmenprogramm wird angeboten. Der sehr schöne Ausstellungskatalog ist im Klartext Verlag erschienen.

Laufzeit: 13. September 2020 bis 9. Mai 2021

www.ruhrmuseum.de