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Ausstellung 'Rudolf Holtappel - Die Zukunft hat schon begonnen' in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Mit der Ausstellung "Rudolf Holtappel - Die Zukunft hat schon begonnen" stellt die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen erstmals das Lebenswerk des wichtigsten Oberhausener Fotografen des 20. Jahrhunderts vor. Die Werkschau von 1950 bis 2013 ermöglicht mit etwa 200 Arbeiten einen umfassenden Einblick in die Motivvielfalt des über 60 Jahre in Oberhausen lebenden Fotografen, der als Ruhrgebietschronist, Theaterdokumentarist und Warenhausfotograf in Erscheinung trat.

"Grau - nur dreimal im Jahr eine klare Sicht", so beschreibt Rudolf Holtappel (1923-2013) das Ruhrgebiet und fotografiert weiße Wäsche vor rauchenden Schloten, Dramen auf Theaterbühnen sowie konsumierende Menschen im Warenhaus. Für die Bildbände des Mercator-Verlags setzt Holtappel Industrie, Stadt und Mensch in Szene.

Sowohl von 1961-1970, als auch von 1992-2003 ist Holtappel als Bühnenfotograf in der Ära Büch und Weise am Theater Oberhausen tätig. Seine Wahl besonderer Blickwinkel und sein Gespür für den richtigen Augenblick werden bei Inszenierungen von Günther Büch, der Peter Handkes Stücke ans Theater brachte, genauso deutlich, wie bei Aufführungen von Klaus Weise in den 1990er Jahren.

Rudolf Holtappel verließ durchaus auch mal die Grenzen seines Heimatlandes. Er reiste nach Paris oder New York. Im Big Apple entstanden so unfreiwillig Zeitdokumente mit dem Blick aus dem World Trade Center. Dabei unterschied sich seine Art der Fotografie kaum von der vieler Touristen. Trotzdem suchte er immer den besonderen Moment des Alltags, in dem sich Menschen unbeobachtet fühlen und so meistens unfreiwillig einen humorvollen Moment beisteuern.

Über Jahre hinweg arbeitet Holtappel für Karstadt und Henkel und prägt durch seine Fotografien die Darstellung der Unternehmen entscheidend mit. Für Karstadt entstehen von 1964-1995 Aufnahmen, die Erinnerungen an vergangene Zeiten wecken, etwa Bilder von Kunden und Kindern, Mitarbeitern und Menschenmengen beim Schlussverkauf. Für die Firma Henkel fotografiert er von 1974-2002 Werkshallen, Produkte, Produktionsabläufe in Fabriken und Menschen an ihren Arbeitsplätzen, die in der Zeitschrift Henkel-Blick abgedruckt werden. Unter den zahlreichen Preisen und Auszeichnungen und einem Ankauf vom Deutschen Bundestag sind auch die Fotografien der Henkel-Werksküchen, die mehrfach mit dem deutschen Wirtschaftsfotopreis prämiert werden. Erstmalig werden Fotografien, die für Henkel entstanden sind, der Öffentlichkeit präsentiert.

Zahlreiche Fotografien versieht Holtappel mit Titeln, die zum Schmunzeln anregen. So stammt der Titel der Ausstellung, Die Zukunft hat schon begonnen, von einem seiner Bilder. Überraschend und experimentell ist Holtappels Umgang, der 1950 seinen Meister in Fotografie abgelegt hat, mit alten Edeldruckverfahren (Salzprints, Cyanotypien und Bromöldrucken) oder mit Kameramaterialien. Ein Ausstellungsbereich zeigt Holtappels Schwarz-Weiß-Fotolabor.

Der Nachlass, der etwa 360.000 Negative in schwarz-weiß und Farbe, tausend Fotoabzüge und Diapositive umfasst, wurde 2017 von der Stadt Oberhausen angekauft und konnte mit Unterstützung des LVR wissenschaftlich und konservatorisch aufgearbeitet werden.

Zeitgleich werden 70 Besucher in die Ludwiggalerie hinein gelassen. Es gelten die üblichen Hygienemaßnahmen.

Zur Ausstellung ist ein sehr schöner Katalog im Verlag Kettler erschienen.

10. Mai bis 6. September 2020

www.ludwiggalerie.de