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      Das Theater Oberhausen ist mit "Glaube, Liebe, Hoffnung" positiv in die neue
      Spielzeit gestartet. Regie führte Intendant Florian Fiedler.

      "Ich habe keine Angst vor dem Tod", das erwähnt Hautdarstellerin Lise Wolle
      in der Rolle als Elisabeth schon recht früh. Sie hat eine Ahnung, was ihr das
      Leben bereiten wird. Wie wäre es da, sich schon zu Lebzeiten einem
      Leichenpräparator anzubieten? Das Geld für seine eigene Leiche kann man
      doch sehr gut im Leben benutzen, um Notwendigkeiten zu finanzieren.
      Schulden und eine persönliche Misere können sehr schnell eine Abwärts-
      spirale in Gang setzen. Froh muss man dagegen sein, wenn einem
      Menschen doch noch aus der Patsche helfen und Geld leihen. Im Fall von
      Elisabeth beschleunigt sich die Spirale allerdings dadurch, dass sie das
      Vertrauen der Helfenden missbraucht. Was folgt sind Schulden, Jobverlust
      und Liebesentzug.

      Wir leben in einer Zeit, in der nahezu jeder selbst zusehen muss, wo er
      bleibt. Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit nehmen immer mehr ab. Das
      gesellschaftliche Klima wird rauer, mit vielen negativen Folgen. Tafeln mit
      warmem Essen bekommen immer mehr Zulauf. Wer Hilfe leistet, der wird
      gerne belächelt und gewarnt. Nur die eigenen Vorteile sind noch der Antrieb´
      für das persönliche Handeln. Die, die sich rechtsradikal öffentlich äußern,
      sind nur die Spitze des Eisbergs.

      Liebe, der zweite Teil des Titels, ist ein ebenso schwieriges Unterfangen.
      Manche Leute sind lediglich in das Geld und den gesellschaftlichen Status
      verliebt, den der Gegenüber einem bieten kann. Ist die eigene Biografie, wie
      bei Elisabeth, etwas knubbelig, so kann sie der gewünschten Karriere des
      Partners schaden. Die gesellschaftlichen Erwartungen und die des Arbeit-
      gebers spielen heute eine nicht geringe Rolle. So nimmt schließlich die
      Hoffnung ihren Weg, als Spirale nach ganz unten. Im Stück wird die Hoffnung
      musikalisch etwas untermalt. Songs wie "Diamonds", "One day in paradies"
      oder "Die immer lacht" erklingen.

      Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Lise Wolle glänzt in der Rolle
      der Elisabeth. Auch Clemens Dönicke spielt einen tollen Schupo, wie auch
      Christian Bayer einen Präparator. Der Rest der Besetzung läuft gut mit. Die
      Rollen und die oft temporeduzierte, nachdenkliche und melancholische
      Darstellung lassen nicht mehr Glanz zu.

      Das Bühnenbild ist etwas gewöhnungsbedürftig, ein recht leerer Bühnenraum,
      der ziemlich nackt daher kommt. Man arbeitet sehr lichtfokussiert. Die
      Schaufensterpuppen aus dem Wäschegeschäft, in dem Elisabeth arbeitete,
      sind verstümmelt und tragen schwarze Unterwäsche. Die Symbolik ist
      deutlich. Ihr Gefängnisaufenthalt wird mit projizierten Strichen an der Wand
      verdeutlicht. Die Geschichte lässt sich klar verfolgen. Das oft düstere
      Licht soll das Drama unterstreichen.

      Datum: 20. September 2019

      www.theater-oberhausen.de