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      Mit viel Premierenapplaus wurde die Oper "Hoffmanns Erzählungen" im
      Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkicrhen vom Publikum gefeiert. Die sehr
      farbenprächtige Inszenierung überzeugt mit tollen Stimmen, sehr phantasievollen
      Kostümen und schöner Musik von Jacques Offenbach. Es spielte die Neue
      Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Valtteri Rauhalammi.

      Eigentlich ist die letzte Oper von Jacques Offenbach seine Unvollendete. Man
      merkt es Oper allerdings nicht an, dass die letzten Takte nach Offenbachs
      Skizzen aus fremder Hand entstanden, auch nicht in den nötigen Übergängen.
      Musikalisch sind die fünf Akte ein Genuss. Der liebeskranke Hoffmann (Joachim
      Bäckström) taumelt sehenswert von einem Liebestrauma in das nächste. Die
      Handlung ist optisch wunderbar verpackt. Ort des Geschehens ist eine Wirt-
      schaft mit Stühlen und Tischen. Die Tische werden zu einer gesonderten Bühne
      auf der Bühne zusammengeschoben. Auf eigentlich recht engem Raum hat
      Regisseur Michiel Dijkema jede Menge Leute untergebracht. Der gesamte
      Opernchor mit dem Extrachor findet hier Platz. Entsprechend optisch und
      akustisch dicht wirkt das Geschehen. Große Bilder und Kostüme prägen
      historisch und oft humorvoll das gelungene Bühnenbild. Man entlehnt sie der
      Steampunk-Szene. Der Chor wirkt mit seinen Gehröcken, Zylindern und kalk-
      weiß geschminkten Gesichtern besonders skurril. Überdimensional große
      Augen klimpern surreal und die Requisiten erinnern stark am die Zeit, in der
      noch das Mechanische den Alltag bestimmte, die Zeit um 1900. Klein Zaches
      und Coppelius haben im MiR ja bereits eine gewisse Tradition und viele Fans.

      Nach und nach treten die Damen auf, die Hoffmann den Verstand rauben,
      während Nicklausse (Almut Herbst) ihn ständig folgt. Mit seinem Pharaonen
      ähnlichen gold-gelben Mantel erkennt er nicht, dass Olympia nur eine mecha-
      nisch programmierte Puppe ist. Der Auftritt von Olympia mit Harfe zählt ganz
      sicher zu den Höhepunkten der Inszenierung, von langem Szenenapplaus
      begleitet. Dongmin Lee verkörpert ganz bezaubernd Olympia, stimmlich und
      mimisch. Antonia wird von Solen Mainguené ebenfalls sehr gut verkörpert. Ihr
      Schicksal ist es singen zu müssen und somit früh an dieser seltenen Erbkrank-
      heit zu sterben. Die innerliche Zerrissenheit stellt sie ausgezeichnet dar. Als
      dritte Geliebte hat Guilietta (Petra Schmidt) eine sehr verführerische und skru-
      pellose Rolle im alten Venedig. Auch sie muss ihr Leben lassen. Alle drei
      stehen zusammen für Hoffmanns eigentliche Geliebte Stella, die unerreichbar
      ist.

      An Farben, Humor und sängerischer Klasse wird bei dieser Inszenierung
      wahrlich nicht gespart. Es passt einfach alles zusammen. Selbst die Übergänge
      zwischen den Akten werden als Schwarz-Weiß-Projektionen dargestellt, als
      wäre es ein historischer Film, der gerade szenisch eingefroren wird, während
      sich die Bühne dreht und leicht verändert wird. Die gesamte Inszenierung wirkt
      sehr kreativ und unterhaltsam. Das Ende ist verhältnismäßig offen gestaltet.
      Hoffmann widmet sich zwangsläufig wieder seiner Dichtkunst.

      Datum: 10. Juni 2017

      www.musiktheater-im-revier.de