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      500 Jahre Reformation und Kirchengeschichte sowie über 250 verschiedene
      Religionsgemeinschaften an Rhein und Ruhr sind ein würdiger Anlass für die
      sehr sehenswerte Ausstellung „Der geteilte Himmel“ im Ruhr Museum. 800
      Exponate aus zahllosen Glaubensgruppen und Jahrhunderten kann man unter
      einem gemeinsamen Himmel dreischiffig entdecken.

      Luther war nie im Ruhrgebiet, aber Sohn eines Bergmanns. 1517 veröffentlichte
      er seinen kritischen Thesen bezüglich der damals vorherrschenden katholischen
      Kirche. Bis zu einem Tod hatten sie allerdings so gut wie keine Wirkung. Erst
      viel später fanden seine Gedanken zur Reformation Beachtung. Im Rhein-Ruhr-
      Gebiet war Martin Luther lange Zeit wenig bekannt. Allerdings war die Region
      schon sehr offen und tolerant für fremde Glaubensrichtungen. Einflüsse von
      Erasmus von Rotterdam und den Herzögen in Kleve machten die westlichen
      Lande zu einem Flickenteppich des Glaubens. In der zweiten Hälfte des
      16. Jahrhunderts wanderten z.B. die ersten Familienmitglieder der Krupps aus
      den Niederlanden nach Essen. Hugenotten und osteuropäische Völker siedelten
      hier und brachten ihren Glauben mit. Blutige Glaubenskriege waren nicht selten.
      Weltliche Auseinandersetzungen im Namen des Glaubens sind auch ein Thema
      der Ausstellung. Beachtenswert ist, dass Unternehmerpersönlichkeiten der
      Region verstärkt Mitarbeiter ihres Glaubens einstellten. Ebenso wird doku-
      mentiert, wie ab 1800 die Kirchen sich karitativen Aufgaben zuwendete.
      Konfessionsschulen gibt es nahezu in allen Religionen. Man sieht, wie das
      Nazi-Regime mit Propaganda die Konfessionen abschaffen wollte. Zu dieser Zeit
      spielte die Kirche keine gute Rolle. Widerständler waren die Ausnahme.

      Was bedeutet Kirchenspaltung überhaupt? Was ist Religionsfreiheit? Zehn
      Kapitel werden jeweils auf verschiedenen Inseln im Raum präsentiert. Es geht
      ums Seelenheil, die Köpfe der Reformation, das Stiftungswesen im Mittelalter,
      die Aufklärung, Einwanderer und ihre Glaubensausübung oder die heutige
      Umnutzung von Kirchen. Der Glaube ist auch ein Aspekt der Migrations-
      geschichte. Man entdeckt eine muslimische Beschneidungsbank und das dazu
      gehörige Besteck. Typische Textilen der Glaubenspraxis findet man neben
      Waffen, Gebets- und Gesangsbüchern, Plakaten von Kirchentagen, Medaillen,
      Gemälden, Fahnen, Heiligendarstellungen, Fragmenten von von Nazis zerstörter
      Synagogen, Fotos von Gotteshausarchitektur, Gebetsteppichen und religiösen
      Devotionalien. Die Spannbreite ist enorm und weder chronologisch, noch nach
      Religionen sortiert. Es geht um die Gemeinsamkeiten der Glaubensgemein-
      schaften bei einem gewissen Thema. In einem Mittelraum dreht es sich um die
      zentralen Dinge, während seitlich und in den Kabinetten alle anderen Aspekte
      thematisiert werden. Egal ob Hinduismus, Muslime, Juden, Buddhismus,
      Griechisch-Orthodox, Christentum oder diverser anderer Glaubensrichtungen,
      Religion kann grundsätzlich so ähnlich und doch in den optischen Merkmalen
      so verschieden sein.

      Heute gibt es bezüglich einiger großer Religionen wieder viele Kritikpunkte, die
      auch öffentlich diskutiert werden. Religiöse Kriege gibt es noch immer viel zu
      viele. Christliche Kirchen verlieren mehr und mehr Mitglieder. So wiederholt sich
      die Religionsgeschichte immer mal wieder. Die spannende Ausstellung zeigt
      deutlich auf, dass es zwischen den Religionen mehr Gemeinsamkeiten als
      Differenzen gibt. Diverse Riten, Feiertage, Gottesanbetungen, Klangwelten,
      Taufen, Ehetrauungen oder Beerdigungen spielen bei allen Religionen ein wich-
      tige Rolle, wie auch die Frage nach dem Dasein nach dem Tod. Der Himmel mit
      ausgestanzten Sternen lässt diese Antwort in der Ausstellung weiterhin offen.

      Die sehr umfangreiche Landesausstellung ist ein wichtiger Beitrag zu aktuellen
      gesellschaftlichen Diskussionen. Sie wird u. a. vom Land NRW und vom Bund
      finanziell unterstützt. Es ist ein sehr umfassender und gleichnamiger Katalog
      zur Ausstellung im Klartext Verlag erschienen. Auch das Rahmenprogramm
      bietet sehr zahlreiche Termine.

      Datum: 3. April bis 31. Oktober 2017

      www.ruhrmuseum.de