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      Mit dem Klassiker "Heidi" von Johanna Spyri bewegt sich das Theater
      Oberhausen in die Schweizer Bergwelt des 19. Jahrhunderts, ohne die
      Gegenwart der urbanen Moderne zu vernachlässigen. Intendant Florian Fiedler
      inszenierte das Stück 2016 am Staatsschauspiel Hannover. Die überarbeitete
      Version in Oberhausen kann voll überzeugen und spricht Kinder und Erwach-
      sene in gleichem Maße an.

      Kindertheater ist keine einfache Sache. Kinder sind ein sehr kritisches
      Publikum. In diesem Fall wird ihnen eine sehr abwechslungsreiche und
      sehr gute Inszenierung geboten. Es geht um Zuneigung, Freundschaft,
      Einsamkeit, Heimat, Heimweh und natürlich Kinderrechte. Man merkt, wie
      sie bei "Heidi" intuitiv die Situation begreifen und reagieren. Als Heidi z.B.
      aus der Großstadt Frankfurt von ihrem Aufenthalt bei Klara zurück in die
      Berge kommt und ihren Freund Peter in die Arme schließt, kommt von den
      Kleinen, überwiegend Grundschüler, spontan Szenenapplaus auf. Als Peter
      eifersüchtig auf Klara wird, stößt er ihren Rollstuhl polternd den Hang hinab.
      Er wird natürlich von den Kleinen beim Alm-Öhi sofort verpetzt. Die Schule
      ist auch wichtig. Sie helfen Heidi beim Erlernen der ersten Buchstaben oder
      machen das Echo der Berge nach. Die Kinder haben bei diesem Stück ein
      sehr gutes Gefühl für die entscheidenden und wichtigen Momente. Sie
      spüren sogar, dass Freundschaft nichts damit zu tun hat, ob die Freundin
      im Rollstuhl sitzt oder laufen kann. Ausschließlich die Liebe zu einem
      Menschen zählt. Das wird klasse rüber gebracht.

      Das Bühnenbild ist sehr gelungen, egal ob es in der Bergwelt, beim Alm-Öhi
      zu Hause oder im modernen Frankfurt spielt. Die Drehbühne sorgt für stets
      abwechselnde Eindrücke auf Heidis nicht immer glücklicher Reise. Insge-
      samt ist diese Inszenierung sehr gut gelungen sowie pädagogisch wertvoll,
      für Kinder, als auch für übereifrige Eltern, die aus ihren Sprösslingen spätere
      berufliche Superstars formen wollen. Die konservative Strenge einer Frau
      Rottenmeier ist für manche Eltern in sogenannten besseren Wohngegenden
      hier und da nicht unüblich. Das Stück ist absolut zeitlos und von den
      Ensemblemitgliedern sowie den Gastschauspielern sehr gut gespielt. Bei der
      Dichte der Aufführungen sind die Rollen mehrfach besetzt. Musikalisch wird
      das Stück live begleitet.

      Von der Theaterpädagogik gibt es sehr interessante Begleitinfos zum
      Nacharbeiten des Stücks mit den Kindern.

      Datum: 3. Dezember 2018

      www.theater-oberhausen.de