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      Mit "Hase Hase" präsentiert das Theater Oberhausen absolut gelungen eine
      Kömodie von Coline Serreau, die einen Stoff aus den 80ern aufgreift und doch
      thematisch in unsere recht schwierige Zeit passt. Regie führte der Intendant
      persönlich, Florian Fiedler.

      Familie Hase hat es nicht leicht. Vater Hase (Susanne Burkhard) hat einen
      schlecht bezahlten Job, wie er heute weit verbreitet ist. Statt einer Gehalts-
      erhöhung, kommt später sogar die Kündigung. Mama Hase (Klaus Zwick) ist
      froh, dass zumindest die Kinder aus dem Haus sind. Sie sollen es zumin-
      dest geschafft haben, als Dolmetscher in Brüssel, als angehender Arzt oder
      als zukünftige Braut mit sozialer Absicherung. Die beruhigende Situation hält
      jedoch nicht lange an. Die kleine Wohnung wird immer voller. Erst flüchtet
      sich der erste Sohn (Christian Beyer), von der Polizei gejagt, in die elterliche
      Stube. Es folgt ihm sein Bruder (Raphael Wesermeier), der ebenfalls kriminell
      geworden ist. Auch die Töchter Marie (Elisabeth Hoppe) und Lucie (Lise
      Wolle), die ihre Hochzeit platzen lässt, treffen wieder zu Hause ein. Lucie
      bringt sogar ihren sitzen gelassenen Verlobten mit. Im Hause Hase herrscht
      Ausnahmezustand und obendrein gibt es auch noch die Jüngste, Hase
      Hase (Nina Karimy). Sie fliegt von der Schule und beobachtet das Geschehen
      als irdischer Außenposten ihrer Freunde aus dem All sehr aufmerksam.

      Alle zusammen knubbeln sich im Wohnverschlag der Eltern, die auch nicht
      weiter wissen. Die geliehene Matratze der Vermieterin muss sogar ins Bad
      und Koffer türmen sich in vielen Ecken. Man staunt, wie geräumig diese
      kleine Wohnung ist. Ständig klingelt es. Es ist ein kommen und gehen.
      Kommt die Polizei zur Wohnungsdurchsuchung vorbei, muss jedes kriminelle
      Wesen versteckt sein. Als die Vermieterin (Agnes Lampkin) ihre Einsam-
      keit alleine nicht mehr erträgt, gesellt auch sie sich zu den Hases. Eine
      Person mehr oder weniger ist dann auch egal in dieser Schicksals-
      gemeinschaft.

      Trotz allem komödienhaften Stoffs ist der Ernst des Stücks gut transportiert.
      Wer ständig mit dem Gerichtsvollzieher im Nacken leben muss, hat es nicht
      einfach. Bricht alles in einer Familie zusammen, so hält man verstärkt
      zusammen, egal welche Gesetze gebrochen wurden. Mehr kann man nicht
      mehr verlieren, außer sein Leben. Das ist im wahren Leben oft nicht anders,
      wenn man das Elend hinter den Mauern der Stadt mal näher betrachten
      würde.

      Im Stück kommt hier und da glitzernder Sternenstaub zum Einsatz. Vergang-
      ene Zeiten und Wünsche werden auf diese Weise ausgedrückt. Wenn der
      Ausweg doch nur so einfach wäre. Der Aspekt der zunehmenden Verein-
      samung kommt dabei ebenfalls zur Geltung. 9,2% der Menschen im Alter
      von 45 bis 84 Jahren sind davon betroffen.

      Entsprechend der Situation passt sich auch die Sprache der Protagonisten
      an. Es wird auch mal derb, aber nie verletzend oder zu prollig. Man erfasst
      seine eigne Situation stets realistisch. Da alle irgendwie nichts zu tun haben,
      heißt das Motto "Wir machen blau". Dazu passend gestalten sind die
      schönen Kostüme (Daniel Kroh). Auch das Bühnenbild (Maria-Alice Bahra)
      kann überzeugen. Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Schenkel-
      klopfer sollte man aber nicht erwarten, weil das Thema einfach zu ernst ist.
      Oberhausen wird nicht zum Ohnsorg Theater, man schmunzelt eher. Es ist
      ein vergnüglicher Abend.

      Datum: 6. Dezember 2019

      www.theater-oberhausen.de