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      Jede Zeit hat ihre Stars. Im Rahmenprogramm zur sehenswerten Oper
      „Die Passagierin“ boten fünf Sänger und ein Pianist die Songs der legendären
      Comedian Harmonists im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen (MiR) dar.
      Es war ein feiner Abend mit Gassenhauern und auch weniger bekannten Songs
      dieses ehemaligen deutschen Exportschlagers.

      Als sich die Gruppe 1927 formierte, steckte nicht nur Deutschland in einer
      wirtschaftlichen Krise. Die goldenen 20er waren das Jahrzehnt der großen
      Unterhaltungsshows und der Stars. Auch die Comedian Harmonists mit Ari
      Leschnikoff, Erich A. Collin, Roman Cycowski, Robert Biberti, Erwin Bootz und
      dem Initiator Harry Frommermann arbeiteten mit Größen wie Hans Albers, Heinz
      Rühmann und Marlene Dietrich zusammen. Sie waren auch dafür verantwortlich,
      dass die Schallplatte populär wurde und sie tauchten in über zwölf Filmen auf,
      wie z.B. „Die Drei von der Tankstelle“. Zwischenzeitlich verdiente jedes Band-
      mitglied umgerechnet 250.000 Euro pro Jahr. Ihr Erfolg führte sie durch ganz
      Europa bis in die USA. Überall wurden sie gefeiert, nur von den Nazis nicht.
      Drei von ihnen hatten jüdische Wurzeln. So zeichnete sich Anfang der 1930er
      Jahre das Ende langsam ab. Am 22. Februar 1935 nahm Richard Strauss, als
      Vorsitzender der Reichsmusikkammer, die drei arischen Sänger offiziell auf. Die
      jüdischen wurden mit Berufsverbot belegt. Auch wenn beide Hälften in
      Deutschland und im Ausland versucht haben neue Vokalgruppen im gleichen
      Stil neu zu gründen, der Erfolg stellte sich nie mehr ein. Obwohl alle Musiker
      den Zweiten Weltkrieg überlebten, fanden sie leider nie mehr zusammen.

      Ihr ganz besonderer Vokalgesang verbunden mit pointiertem Humor hinterließ
      bis heute zahlreiche Schlager und Gassenhauer. Sie verstanden sich aber auch
      in klassischen Adaptionen. Stimmlich reiften sie immer mehr, je länger sie
      zusammen auftraten. 1929 kam der große Durchbruch in Leipzig. Im Musik-
      theater im Revier in Gelsenkirchen agierten Michael Dahmen, Ralf Rhiel, Mark
      Weigel, Marco Vassalli und Edward Lee als Gesangsquintett mit Painist. Sie
      brillierten mit so bekannten Melodien wie „Veronika, der Lenz ist da“,
      „Ein Freund, ein guter Freund“, „Ein Lied geht um die Welt“, „Wochenend
      und Sonnenschein“ und natürlich „Mein kleiner grüner Kaktus“. Viele dieser
      großen Lieder stammen von jüdischen Komponisten und durften nach der Macht-
      ergreifung Hitlers 1933 nicht mehr aufgeführt werden. Schön waren auch so Titel
      wie „Puppenhochzeit“, eine Hochzeit mit buckliger Verwandtschaft,
      „Blumentopf“, „Onkel Bumba“, „In einem kühlen Grunde“, „Schöne Isabella von
      Kastilien“ im Torrero-Look, „Irgendwo auf der Welt“ und vielleicht das schönste
      Lied, „Auf Wiedersehen, leb wohl“.

      Die Musiker harmonierten hervorragend miteinander und hatten richtig Spaß auf
      der Bühne zu stehen. Zwischendurch gab es immer mal wieder einen humoris-
      tischen Einschlag. Man konnte sich gut vorstellen, wie die originale Vokalband
      damals das Publikum in den Varietès verzückt haben muss. Moderierend durch
      das Programm führte sehr gut Dirk Weiler mit vielen Informationen zur recht
      kurzen Karriere der Comedian Harmonists. Am Ende gab es mehrere Zugaben
      und stehende Ovationen des Publikums.

      Es existieren leider keine Bühnenfotos vom Konzert.

      Datum: 25. Februar 2017

      musiktheater-im-revier.de
      Infos und Fotos zur Oper "Die Passagierin" im MiR