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T-Shirt-Geschichten mit Holger Hagemeyer
Reisen bildet. Das ist nicht zu bestreiten. Holger Hagemeyer, Chef des Theaters an der Niebuhrg in Oberhausen, ist seit über 40 Jahren häufig unterwegs. Dabei bringt er nahezu jedes Mal ein T-Shirt mit. Diese waren nun ein passender Anlass, einmal von seinen Streifzügen rund um die Welt zu berichten. Gesanglich wurden seine Reiseberichte musikalisch von Musicalsängerin Nina Barton sehr schön begleitet. Sie tritt regelmäßig in Stücken der Niebuhrg auf.

Als Theaterchef war es sein Debüt auf der Bühne. Sonst ist er seit 1994 der Herr der Musicals und anderer Veranstaltungen im eigenen Hause. Seine Reiseleidenschaft war bisher nur Insidern ein Begriff. Rund elf Wochen pro Jahr sind Studienreisen sein privates Metier. In Europa kennt er jedes Land, bis auf Rumänien. Nordamerika hat er mit dem Rücktransport von Wohnmobilen von Florida in andere Bundesstaaten finanziell günstig kennengelernt. Noch heute fährt er kreuz und quer mit seinem eigenen Wohnmobil durch Europa. Er kann jede Menge berichten, besonders das, was nicht in Reiseführern steht. Privat Urlaub macht er dagegen immer in Euronat (Frankreich).

Die schlimmsten Straßen findet man übrigens in der Ukraine. Grenzkontrollen können dort auch bis zu sieben Stunden dauern. Slowenien spricht ihn dagegen sehr an, freundlich, aufgeräumt und sauber. Das mitgenommene Kartenmaterial im Navi sollte allerdings auch für Osteuropa gelten. Sein Navi wurde in der Ukraine plötzlich weiß und die Schrift auf den Schildern kyrillisch. Da steht man vor einem Problem. Kommt man nach Nord-Zypern, entdeckt man, dass dieser Teil der Insel das Casino und das Bordell der Türken ist. Die Bausubstanz erweckt Mitleid. Es existiert eine große Frischwasserdirektleitung vom türkischen Festland durch das Mittelmeer.

In Paris war er mindestens 40 Mal, schon als junger Mann mit Kneipenfreunden. Geschlafen wurde damals auch unter Seine-Brücken. In Montmartre hat er viel Zeit verbracht. Seiner Meinung nach ist Paris nachtaktiver als New York. In der französischen Hauptstadt kennt er sich bestens aus.

Auch Berlin kennt er bereits seit den 1970er Jahren, wobei ihn Ostberlin damals stärker interessierte. Die Grenzkontrollen waren stets ein Abenteuer. Doch wohin nur mit der übrig gebliebenen Ost-Mark? Ein Restaurant gab es immer, um sie los zu werden. Als Westdeutscher wurde man dort bevorzugt behandelt, was ihm immer peinlich war. Aufpassen musste man nur noch, um keine Belehrungsgebühren, so hießen die DDR-Knöllchen, wegen zu schnellen Fahrens auf der Transitstrecke zahlen zu müssen. Die Abstecher in Osten Deutschlands waren echte Abenteuer.

Empfehlen kann Holger Hagemeyer Budapest. Bei einer Führung im Regierungsgebäude wich er mal neugierig vom geführten Pfad ab und landete aus Versehen beim Staatspräsidenten im Büro. Eine Tour durch den Regierungspalast soll klasse sein. Es gibt abseits einige Künstlerviertel, ein Judenviertel und Wasserbusse animieren die Touristen zum Schwimmen. Auch das China-Viertel, ein Container-Dorf, soll es spannend sein. Die Oper bietet spektakuläres Theater.

Nach Marokko zieht es ihn immer wieder. Rick's Cafe aus dem Film Casablanca ist heute als Nachbildung ein Touristenmagnet. Marokko hat einen schlauen König. Der hat entschieden, dass die erste Ehefrau einwilligen muss, wenn ihr Mann eine Zweitfrau ehelichen möchte. Das führte dazu, dass es fast nur noch Einehen gibt. Wunderschöne Gebirgslandschaften im Atlas gibt es, sogar Schnee. Man hat sogar St. Moritz annähernd nachgebaut, ein Dorf aus typischen Chalets. Schnelle und farbenfrohe Sonnenuntergänge hat Marokko zu bieten. Besonders schön soll es sein, wenn im Februar/März das Schmelzwasser von den bergen ins Tal fließt und alles grün ist.

Nach England, Wales und Schotland gingen einige Reisen. In Wales gibt es felsige Hochgebirge auf nur 1.000 m. Klasse findet er die Narrowboats, 20 m lange und 2,2 m breite Frachtkähne im Kanalsystem, auf denen man wohnen kann und tolle Erlebnisse hat.

Während Ibiza weniger sein Territorium ist, genießt er die Zeit in Italien, insbesondere in der Toscana. Die heißen Quellen Saturnia, Pisa oder Siena am Abend sollen echte Höhepunkte sein. Rom dagegen erscheint ihm einfach nur alt, langweilig und stehengeblieben. Einzig der Besuch im und auf dem Petersdom soll sehenswert sein. Alte Städte findet er nur interessant, wenn die alte Struktur mit neuer Architektur kombiniert wird, wie in Plovdiv oder Istanbul. In Istanbul gibt es eine unterirdische Seilbahn und einige bautechnische Sehenswürdigkeiten, egal wie man das Land politisch sieht.

Israel und Jerusalem sind schon sehr speziell, aber auch spannend. Die drei großen Religionen sind sich hier völlig uneinig. Gewisse Orte sind für bestimmte Religionen auch nur zu gewissen Zeiten zu besuchen. Man muss sich einen Zeitplan machen. Nicht wundern, am Sabbat fahren die Aufzüge automatisch von Etage zu Etage, damit die Juden keinen Knopf drücken müssen! Kurios. Im Land findet man viele Kontrollpunkte an Straßen. Da werden die 40 km zum Toten Meer, 1.000 m unter Jerusalem, zur Odyssee. Eine 8 m hohe traurige Demarkationslinie, also eine Mauer, erinnert ganz stark an Zeiten der DDR.

Spanien ist für ihn schön, wenn man am Atlantik ist, z.B. Bilbao oder San Sebastian. Die Pyrenäen oder eine bekannte Adlerschlucht nahe Pamplona sollte man sich ansehen. Die Seeadler in Indien sind da vergleichbar. Dort bewegte er sich mit einem Hausboot fort.

Ab nach Belgien. Waterloo ist ein großes Schlachtfeld vor den Türen Brüssels. Der Brüsseler Dom oberhalb der Stadt, unterirdische Autobahnen, der Marktplatz und ganz besonders der Musiksommer sollen diese Stadt auszeichnen.

New York ist die Stadt, die ihn besonders geprägt hat. Ein privater Besuch dort führte ihn in zahlreiche kleine Theater. Das brachte ihn auf den Geschmack, ein eigenes Theater zu gründen. Erst die Schilda-Halle und ab 2004 die Niebuhrg sind sein künstlerisches Zuhause geworden. Holger Hagemeyer hätte noch viele Stunden von seinen spannenden Reiseerlebnissen erzählen können. Ein Buch ist in Arbeit.

Generell findet Holger Hagemeyer, dass man alle 20 Jahre etwas Neues anfangen sollte, besonders ab 60. Reisen ist eine tolle Beschäftigung. Man sollte aber auch mal ein Instrument oder eine Sprache lernen. Es hat wirklich großen Spaß gemacht, ihm und seinen sehr lebendigen Reiseerzählungen zu lauschen.

Datum: 10. Januar 2020, Theater an der Niebuhrg

niebuhrg.de