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      Das Grillo Theater in Essen bietet seinen Gästen oft sehr gute Unterhaltung,
      doch wie entstehen die Stücke eigentlich? Schauspielerin Stephanie
      Schönfeld und Bühnenmeister Kalle Spies führen regelmäßig interessierte
      Besucher hinter die Kulissen, um zu zeigen, was für ein Aufwand getrieben
      werden muss, um ein Schauspiel auf die Bühne zu bringen. Es ist spannend
      und Fragen sind immer erwünscht.

      Rund 400 Plätze umfasst das Raumtheater im großen Saal. Er ist seit dem
      letzten Umbau also eher funktional gestaltet, was theoretisch besondere
      Bühnenkonstellationen zuließe. Etwa 730 Mitarbeiter beschäftigt die TUP in
      Essen, davon 178 im Grillo Theater, wozu auch die Werkstätten in der Hafen-
      straße zählen. Schreinerei, Schlosserei und der Malsaal sind u. a. ausgela-
      gert. Dafür beherbergt das Haus im Erdgeschoss die Gastronomie "Hayati",
      das zu großen Teilen mit angestellten Flüchtlingen gestemmt wird. So viel
      Engagement muss erwähnt werden.

      Engagiert sind hier alle. Flexible Arbeitszeiten, branchenüblich niedrige
      Löhne, Überstunden und ständige Herausforderungen machen den Job am
      Theater so besonders. Dafür ist es nie langweilig und monoton. Für die
      Stücke wird fast alles selbst hergestellt. Alles muss möglich sein, sofern
      dies finanzierbar ist. Das relativ kleine Ensemble mit 16 Akteuren steht
      dabei im Rampenlicht. Sich fit zu halten ist enorm wichtig, denn eine wegen
      Krankheit abgesagte Vorstellung kann teuer werden. Eventuell muss sogar
      der Regieassistent mit dem Textbuch einspringen. Letzterer ist sowieso
      stark gefragt. Wenn der Regisseur nach der Premiere das Haus verlässt,
      müssen Regieassistenten sich jede folgende Vorstellung ansehen, um
      Fehler zu verbessern. Den Job halten viele oft nur wenige Jahre durch.

      Ein Höhepunkt der Führung ist natürlich die Bühne. An normalen Tagen
      geht es morgens um acht Uhr los mit den Vorbereitungen für abends, oft bis
      kurz vor Beginn. Hoch oben hängen die 12 x 7 m großen Prospekte, also
      Bühnenkulissen, vom 15 m hohen Rollenboden herab. Der Zuschauer sieht
      sie nicht oben hängen. Alles wird bei einer Vorstellung vom Inspizienten am
      Rande der Bühne gesteuert. Die Flugeinrichtung mit Geschirr musste sogar
      getestet werden, wichtig für den "Zauberer von Oz". Alles muss gecheckt
      werden, die 23 Tonnen schwere Drehbühne genauso wie das Licht. Jeder
      einzelne Scheinwerfer wird eingestellt. Gemeinsam ist man täglich gefühlt
      immer auf einem Trapez. Es muss alles klappen.

      Perfekt müssen auch die Schneiderei und Maske miteinander harmonieren.
      Stephanie Schönfelds Kleid aus "Maria Stuart" hat einen Wert von 7.000
      Euro. Die hängen in der Regel im Fundus herum, wenn sie nicht im Rahmen
      einer Führung mal gezeigt würden. Acht Schneider und zwei Gewandmeister
      kümmern sich um die Kostüme und um die stets notwendigen Reparaturen.
      Schwierig wird es, wenn Schauspieler einspringen und die Konfektions-
      größe nicht passt. Die Perücken stammen aus 80.000 bis 120.000 Haaren,
      europäisches Echthaar, das wegen der modernen Extentions immer teurer
      wird. 2.000 bis 5.000 Euro kommen pro Exemplar zusammen. Der große
      Auftritt hat seinen Preis. Manche bestehenden Perücken oder Kostüme
      müssen manchmal einfach umgestylt werden, um zu sparen.

      Welche Stücke kommen auf den Spielplan? Die Dramaturgen lesen rund 50
      Stücke, um anschießend mit Regisseuren zu verhandeln. Gerne würden
      die Schauspieler mitreden, aber in der Regel gibt es hier keine Demokratie.
      Das gilt auch eher nicht für die Besetzung der Rollen. Sollte einem Mimen
      seine zugedachte Rolle nicht liegen, z.B. wegen zu viel Freizügigkeit, so
      muss er oder sie da durch. So ist der Job. Nur Dramen zu spielen lassen
      aber selbst Stephanie Schönfeld schlecht schlafen. Zu sehr steckt man
      gedanklich und körperlich in der Rolle. Den Text lernt man über den Körper.
      Das Familienmärchen vor Weihnachten ist eine sehr willkommene Abwechs-
      lung. Ein Gefühl, ob ein Stück beim Publikum ankommt oder nicht, können
      aber selbst alte Hasen bei den Proben nicht entwickeln. Man ist immer auf
      die Reaktion des Premierenpublikums gespannt. Etwas Unsicherheit
      bezüglich des eigenen Auftritts bleibt bei Stephanie Schönfeld jedoch immer.
      Eine Videoaufzeichnung ihres eigenen Auftritts möchte sie sich lieber nicht
      ansehen.

      Besonderheiten gibt es immer mal. Spezielle Theatermesser mit Bluttank
      sind ebenso wichtig wie Schwerter, die nicht verletzen. Flaschen aus
      Spezialkunststoff lassen sich mühelos zerschlagen. Für das Feuerwerk auf
      der Bühne müssen klare Sicherheitsabsprachen getroffen werden. Bleiben
      noch die gelegentlichen Tiere. Die Maske hat schon mal ein weißes Pony
      optisch in ein Zebra verwandelt.

      Fazit. Am Grillo Theater muss jeder mit Herz und Seele Teil des Teams sein,
      quasi das Theatertier in sich tragen, sonst ist das Pensum, eine Vorstellung
      perfekt für den Zuschauer zu präsentieren, kaum zu bewältigen. Der in der
      Regel unsichtbare Aufwand ist enorm. Nur das Auftreten des Ensembles,
      nach sieben Wochen Probenzeit, auf der Bühne macht das Endprodukt
      sichtbar, positiv oder negativ.

      In Zukunft wird Henriette Hölzel alternativ zu Stephanie Schönfeld diese sehr
      interessante Führung ab und zu begleiten. Sie schnupperte beobachtend
      schon mal rein.

      Datum: 9. Dezember 2018

      www.theater-essen.de