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Ausstellung 'Günter Grass: Mein Fußballjahrhundert' im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund
Das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund zeigt in Zusammenarbeit mit dem Günter Grass-Haus in Lübeck die Sonderausstellung "Günter Grass: Mein Fußballjahrhundert". Der Nobelpreisträger war ein großer Fußballfan, der seine Liebe zu dem Sport auch in seinen Werken zu Wort kommen ließ. Die schöne Ausstellung kombiniert Auszüge seiner Texte mit dazu historisch passenden Exponaten der deutschen Fußballgeschichte.

Günter Grass (1927-2015) fieberte über Jahrzehnte mit dem runden Leder, nicht ohne eine gewisse kritische Distanz sowie eine gewisse Offenheit. Letztere widmete er bereits um 1970 dem Damenfußball, der damals erst offiziell vom DFB genehmigt wurde. Gezeigt wird das Kaffeeservice, welches die Nationalspielerinnen 1989 für den ersten WM-Titel als Prämie bekamen. Herrlich deplatziert kommentiert Wim Thoelke 1970 im ZDF-Sportstudio ein Damenspiel. Diese verborgenen Feinheiten dieser Ausstellung sollte man nicht übersehen.

Die kritische Distanz war Günter Grass quasi angeboren und später auferlegt worden. Nachdem er im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Waffen-SS war, trat er später keinem Verein mehr bei, auch nicht seinen Lieblingsclubs FC St. Pauli und SC Freiburg. Er mochte stets die Underdogs. Selbst trat er nur einmal im reifen Alter gegen einen Ball und auch nur eine Halbzeit lang. Grass kritisierte den Ausverkauf der DDR-Stars in den Westen und behielt Recht. Bis heute ist der Osten finanziell so unterentwickelt, dass ehemals große Vereine in unteren Ligen spielen. Den heute extrem ausgeprägten Kommerz im Profifußball kritisierte er bereits bei den Stars von 1954, wie bei Fritz Walter, der mit Werbung sein Gehalt aufbesserte. Grass liebte den reinen Sport auf dem Rasen. Dennoch verfolgte er mit seiner Frau zuhause jede Sportschau und kannte jeden Spieler. Den FC St. Pauli half er mit einer Lesung zu retten. Mit dem aktuellen DFB-Präsidenten Fritz Keller verband ihn ein inniges Verhältnis in Freiburg. Seinen ausgestellten Tagebuchaufzeichnungen ist zu entnehmen, dass er häufig im Stadion war oder Spiele interessiert vor dem Fernseher verfolgte. Obwohl ihm alles Nationale fremd war, drückte er 1990 der DFB-Elf die Daumen und sang 2006 sogar die deutsche Hymne mit. Die bunte, internationale Stimmung im Land begeisterte ihn. Damals war noch nicht bekannt, unter welch dubiosen Umständen es zu dieser WM überhaupt gekommen war.

Garniert ist die sehr gut zusammengestellte Schau mit interessanten Videos oder Hörtexten, Zeitzeugeninterviews, und natürlich historischen Exponaten, die echte Geschichten erzählen. Dazu gehören seine originalen Manuskripte, Trikots vom Spiel der BRD gegen die DDR bei der WM 1974, Familienfotos der Familie Grass, seine Aquarelle, die Fußballschuhe von Fritz Szepan oder eines der beide originalen Tore des Spiels Brasilien gegen Deutschland (1:7) bei der WM 2014. Höhepunkt ist sicher die ebenfalls originale Nobelpreis-Urkunde von Günter Grass, ein großes Zeugnis der deutschen Literaturgeschichte. Dass sich hochgeistige Literatur und der scheinbar einfache Fußball gesellschaftlich vermengen können, dafür ist Günter Grass ein sehr gutes Beispiel.

Der Eintritt für die Sonderausstellung "Günter Grass: Mein Fußball-Jahrhundert" ist im Museumsticket enthalten. Es gelten die Hygiene- und Schutzmaßnahmen im Deutschen Fußballmuseum.

Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung im Steidl Verlag. Laufzeit: 8. Oktober 2020 bis 19. Januar 2021

www.fussballmuseum.de