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      Weihnachten steht vor der Tür. Da ist es Zeit für Frank Goosen und seinen
      "Krippenblues", im ausverkauften Schauspielhaus Bochum. Intelligent und
      extrem unterhaltsam betrachtete er des Weihnachtsfest und seinen viel-
      fältigen Umstände. Echtes Leben und Kabarett machen bei ihm so gut wie
      keinen Unterschied.

      Das Schauspielhaus ist für den gebürtigen Bochumer ein besonderer Ort.
      1970 sah er an dieser Stelle erste Kindermärchen. Im Parkahaus gegenüber
      jobbte er später als Parkplatzwärter. Heute wohnt er mit zwei Söhnen (16
      und 18 Jahre) am Stadtpark. Bochum und das Schauspiel sind ihm bestens
      bekannt. So war es für ihn auch eine große Freude, von Dönekes rund um
      das Weihnachtsfest, aus seinem Leben und seinen Geschichten zu berich-
      ten. Bei Goosen weiß man was man bekommt. Er ist sehr dem Boden
      behaftet, bissig, handfest, clever, klar und natürlich ein großer Geschichten-
      erzähler, der sein Publikum stets mitnimmt, gerne auch im charmant formu-
      lierten Heimatslang. Er bringt es wunderbar humorvoll auf den Punkt, dass
      man nur zustimmen kann. Jeder hat mindestens einer seiner Menschen und
      Figuren schon mal live erlebt. Dabei siezt er sehr angenehm seine Gäste
      und vermeidet das "ihr" oder "du". Gut so, denn privat kennt man sich ja
      nicht. Affektierte Seidenschals oder einen Sacko lässig über der Schulter
      hängend sind ihm ganz fern. In großen Menschenmengen fühlt er sich aller
      dings besonders wohl, wenn diese nur wegen ihm anwesend sind.

      Was ist eigentlich Weihnachten? Wir alle feiern Geburtstag, doch an Heilig-
      abend ist das Geburtstagskind gar nicht anwesend. Alleine das ist schon
      komisch. Die letzten Jahre hat man das Fest sogar schon im Spätsommer
      anklingen lassen. Goosen teilt den weihnachtlichen Ablauf in mehrere
      Phasen ein: St. Martin, Totensonntag, den Weihnachtskitsch auf vielen
      Märkten und natürlich den Heiligabend.

      Zum Glück sind seine Kinder schon junge Erwachsene. Damals aber galt
      es im Kindergarten noch Laternen zu basteln. Tja, manche Kinder waren
      einfach künstlerisch völlig unbegabt. Hässliche Laternen möchte er bei
      einem Martinsumzug nicht sehen. Nie fehlen dürfen die Zossen. Bei seinen
      Kindern war es sogar eine St. Martina mit Stiefeln, was bei manchen Vätern
      Speichelfluss auslöste. Dann werden die Straßen gesperrt und man läuft
      hinten dem Zossen her. Die hat man früher in Krieg gegessen. Sein Vor-
      schlag, ein St. Martin ohne Kinder, aber mit Bratwurst, Glühwein und
      Bierchen!

      Der Totensonntag ist ein wichtiger, christlicher Feiertag. Geht man in die
      Kirche, so erlebt man die schönsten Geschichten. Zunächst friert man in
      den etwas abgelegenen Teilen des Gotteshauses. Es ist von Ewigkeit die
      Rede. Tod ist für ihn tot und basta. Die Geschichten am Rande sind aber
      nicht uninteressant. Man kommt mit den Leuten ins Gespräch. Da sterben
      zwei, drei Meerschweinchen eines Besuchers. Dann kauft man eben ein
      neues. Mit seiner eigenen und legendären "Omma" ging das nicht so einfach.
      Die gibt es kein zweites Mal. Früher rief sie an Totensonntag immer an. Man
      erkannte sie am Klingelton des Telefons, die Melodie des "Weißen Hai".
      Anschließend kannte sie mit ihren 90 Jahren auf den Friedhof mehr Bewoh-
      ner als außerhalb. Unangenehme Begriffe wie "Grab" werden hierzulande
      übrigens sehr kurz ausgesprochen, ein sehr kurzes "a" und ein gesproch-
      enes, doppeltes "b". Ein Gespräch mit Gott kann man auch ganz im Privaten
      haben. Dafür braucht Goosen keine Prediger.

      Die Weihnachtszeit ist bunt, schmeckt nach Zimt und lässt liebliche
      Glöckchen auf Weihnachtsmärkten erklingen, ein Albtraum für Frank Goosen
      und sicher auch einige andere im Saal. Er bedauert das Verkaufspersonal,
      das einem besonderen Stress ausgesetzt ist. Blöde Sprüche und Hektik
      sollte man besser vermeiden. Buchhändler sehen im Dezember plötzlich
      Kunden, die sich das ganze Jahr sonst nie blicken lassen. Natürlich muss
      das Buch eingepackt werden. Schaut man sich die Besucher in der weih-
      nachtlichen Innenstadt an, so fallen manchmal Paare auf, die Partnerlook
      bevorzugen, gerne mit Funktionsjacken.

      Irgendwann ist dann Heiligabend. Der Baum ist oft die Aufgabe des Mannes,
      egal wie ungeschickt er sich auch anstellt. Früher trafen sich die Goosens
      alle bei der "Omma". Die konnte Geschichten erzählen und mit 28 Töpfen auf
      vier Herdplatten gleichzeitig hantieren. Gegen den Familienbesuch konnte
      sie sich kaum wehren. Eine Verwandte mit zu engem Pulli, messerscharfem
      Faltenrock und Biblis A und B vor der Hütte kennt auch fast jeder. Die Ver-
      wandtschaft konnte sich Goosen auch nicht aussuchen. Bei "Omma" gab es
      immer "Rollladen" mit drei "l", mit Kartoffeln und Rosenkohl.

      Und nun die ersehnten Geschenke. Hat der Mann nicht schon vorher bei
      seiner Frau heimlich gespinst, was er ihr wohl wert ist, ist die Überraschung
      oft groß. Seine Frau schenkte ihm zu Beginn der Beziehung mal einen
      gelben Pullover. Vor einer schwarzen Wand hätte er sich damit nicht sehen
      lassen können. Die Kinder bekamen mal ein violettes Einhorn mit lärmen-
      dem Gesang auf Knopfdruck. Das ließ sogar Hörgeräte platzen. Ab und zu
      verständigt man auf den Satz "Dieses Jahr schenken wir uns nichts".
      Goosen rät dazu, dieses eheliche Vorhaben nicht zu ernst zu nehmen. Einer
      von beiden schert immer aus und lässt den anderen dumm dastehen.

      Na klar, ohne Fußball geht es bei Goosen natürlich nicht. Es gab einige
      Spitzen gegen S04 und den BVB. Als bekennender Fan des VfL Bochum
      erlebt er aber gerade keine ruhmreichen Zeiten.

      "Frohes Fest und eine tolle Beute unterm Tannenbaum" waren abschließend
      seine guten Wünsche an das Publikum.

      Am 13. Februar 2020 stellt Frank Goosen sein neues Buch über die Beatles,
      die er sehr verehrt, im Schauspielhaus Bochum vor.

      Datum: 10. Dezember 2019, Schauspielhaus Bochum

      www.schauspielhausbochum.de
      frankgoosen.de