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      Einer der Großen der internationalen Musikszene beehrte die Ruhrbühne 2016
      in Mülheim. Open air im Hof von Schloss Broich gab Bob Geldof ein fantas-
      tisches Konzert mit einer großartigen Performance. Die alten Mauern und die
      schöne Atmosphäre schienen ihn und seine tolle Band zu beflügeln. Nach gut
      100 Minuten gingen die Besucher beeindruckt und glücklich nach Hause oder
      blieben noch eine Weile bei einem Bierchen.

      „War datt ein Dreck!“ So fasste es ein Besucher am Ende sehr treffend im
      Ruhr-Slang zusammen, natürlich positiv gemeint und auf die tolle Performance
      bezogen. Bob Geldof war schnoddrig, emotional, spracht aus vollem Herzen die
      Dinge an und war mit jeder seiner Fasern engagiert auf der Bühne. Oft leicht
      nach vorne gebeugt am Mikro und teils mit den Armen gestisch agierend, sein
      Auftritt steckte voller Energie, wie auch die Musik. Seine raue und markante
      Stimme tat das Übrige dazu. Vom ersten Song, „I don't mind at all“, an merkte
      man, dass er ein absoluter Vollblutmusiker ist. Die englische Presse hat ihn
      zum Botschafter der Trinklieder ernannt. Seit 40 Jahren praktiziert er seinen Stil.
      Dabei ist er ein scharfer Beobachter des Zeitgeschehens, gesellschaftlich,
      ökologisch und politisch. Zwischendurch gibt aber auch mal einen „Nice-Song“,
      wie er es nennt, also inhaltlich leichtere Kost. Der wilde Rebell hatte auch mal
      Pause. Mit 64 Jahren steckt in ihm aber noch eine große Portion Rebell, die
      Welt nimmermüde positiver zu gestalten.

      Geldorf erzählte gerne vertonte Geschichten aus dem Leben, dargeboten als
      griffiger Rock, wundervoller Blues und immer mit Folk-Elementen. Sein Geiger
      sorgte für die sehr stimmigen Streicheinlagen. Die ganze Band ist musikalisch
      hervorragend und klasse aufeinander abgestimmt. Teilweise bildeten sie
      Gruppen auf der Bühne und machen eine unglaubliche, instrumentale Session,
      wie im Proberaum mit viel Lust und Laune. Es war ein Genuss seinem Gitar-
      risten zuzuhören. Dabei gab es ebenfalls eine musikalische Reminiszenz an die
      Boomtown Rats.

      Geldof liegt es sehr daran die Song gut zu vermitteln. So wurden viele Stücke
      von ihm anmoderiert. In „Scream in vain“ geht es um die schlechten Lebensver-
      hältnisse in einem Dorf in Äthiopien. „Banana Republic“ beschreibt im Reggae-
      Sound den Wandel Irlands zum EU-Land. 3.500 Menschen haben den Bürger-
      krieg in Irland nicht überlebt. In „Back to happyness“ blickte er zurück in glück-
      liche Kindertage mit seinem Vater. Songs wie „Harvest moon“, „Walking back
      to happiness“ oder „Dazzled by you“ waren mit von der Partie. „I don't like
      Monday“ kannten schließlich alle, aufgeführt wie eine monumentale Rockoper.

      Kann man ihn als wunderbar dreckigen Poeten bezeichnen? Auf jeden Fall ist er
      eine große Persönlichkeit und ein sehr guter Musiker. Am Ende waren Geldofs
      graue Locken schweißnass und platt. Er gab alles und die Zuhörer dankten es
      ihm mit langem Applaus. Solche besonderen Momente erlebt das Schloss
      Broich ganz bestimmt nicht alle Tage.

      Zu erwähnen gilt auf jeden Fall noch die Vorband. Es gibt wirklich nicht viele
      gute Cover-Bands, aber sie gehörten dazu. Zwei Stunden lang wurden von Join
      the Rhythm Klassiker der 1960er bis 1990er dargeboten. Jürgen Weber und die
      Niederländerin Jackie Brady sorgten am Mikro für beste Stimmung. Auch die
      Musiker verstanden ihr Handwerk. Ob „Crocidile Rock“, „Time of my live“, „Kiss“,
      „Lady Marmalade“, „You’re The One That I Want“, „Satisfaction“, „Mercy“, oder
      „Car wash“, für jeden Geschmack war was dabei. Man erfuhr sogar, was in
      welchem Jahr besonders erwähnenswert war und dass der Ex-Stones-Bassist
      Bill Wymann (79) momentan schwerer erkrankt sein soll. Diese Vorband konnte
      sich wirklich sehen lassen.

      Laufzeit: 13. August bis 24. September 2016

      www.muelheim-ruhr.de