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      Eine richtig klasse Produktion ist „Geld. Trilogie meiner Familie 2“ von Émile
      Zola und inszeniert von Luk Perceval. Das Ensemble des Thalia Theaters aus
      Hamburg bringt auch den zweiten Teil der Trilogie wunderbar auf die Bühne in
      der Gießhalle des Landschaftsparks in Duisburg.

      Es war um 1869, die Zeit des ausgehenden Zweiten Kaiserreichs im Frankreich.
      Die Industrie blühte auf, der Kolonialismus war beliebt und Syrien wurde als das
      Tor zur neuen Welt angesehen. Paris erwuchs zur Metropole. Die luxuriösen
      Kaufhäuser sprießten aus dem Boden. In dieser Zeit spielt der zweite Teil der
      Trilogie, zusammengesetzt aus drei Romanen Zolas.

      Es war schon eine wilde Zeit des Aufbruchs. So ist auch die Inszenierung eine
      schnelle Folge von Entwicklungen. Der Kaufhausdirektor Saccard baut sein
      Imperium auf finanziell brüchigen Boden. Hilfreich dabei ist Bank, die das große
      Geschäft wittert. Mit illegalem Aktienhandel lässt sich der Kurs so wunderbar in
      die Höhe treiben und Saccard im Reichtum schwelgen, ohne dabei die wahre
      Liebe zu finden, denn die angebetete Angestellte Denise lässt all der Reichtum
      kalt. Sie ist schlau und deswegen unverzichtbar für Saccard. Er befördert sie
      sogar in die Geschäftsleitung, bis sie selber geht. Es gibt auch eine mahnende
      Stimme, die genau weiß, wie brüchig dieses Geschäftsgebaren ist. Das
      unausweichliche bleibt nicht aus. Das Kaufhausimperium geht in den Ruin und
      Saccard ist am Boden zerstört.

      Da wäre auch noch Nana, die aus einer Alkoholikerfamilie kommt und in der
      Großstadt ihr Glück sucht. Ein Theaterdirektor nimmt sie auf und macht sie
      zum Star. Nebenbei arbeitet sie als Edelprostituierte. Die Männer hängen an
      ihr wie die Kletten und liegen ihr zu Füßen. Sie steht für den extremen Aufstieg
      und den tiefen Fall. Einst in einer der finanziell armen Schicht groß geworden,
      entwickelt sie sich zum Luxusgirl. Einen reichen, alten Grafen nimmt sie nach
      Streich und Faden aus und trägt ihren Reichtum sehr zur Schau. Doch auch sie
      scheitert, stirbt aber stilistisch passend in einem Luxushotel.

      Abschließend ist da noch Dr. Pascal, der die Liebe zu seiner Nichte nicht
      erwidert bekommt. Als er stirbt veranlasst seine Mutter die Vernichtung der von
      ihm dokumentierten Familiengeschichte. Das Kapitel der Armut soll für immer
      verbannt werden. Ganz so einfach ist es nicht, in höhere Gesellschaftsschichten
      aufzusteigen, wie das Stück klasse zeigt.

      Der Stoff entstammt zwar dem 19. Jahrhundert, ist im heutigen Turbokapital-
      ismus aber noch immer mehr als aktuell. „Geld. Trilogie meiner Familie 2“ ist
      ganz großes Theater, von einem tollen Ensemble, auf einer großen Bühne mit
      großen Momenten.

      Ab Oktober 2016 ist es auch im Thalia Theater in Hamburg zu erleben.

      Datum: 9. September 2016

      www.ruhrtriennale.de
      www.thalia-theater.de