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      Am Theater Oberhausen blickt man weit voraus. "Der futurologische Kongress"
      von Stanislaw Lem entführt die Besucher in eine Schreckensversion in nicht
      allzu ferner Zukunft, die von Tomas Schweigen mutig, stimmig, humorvoll,
      schräg und insgesamt klasse in Szene gesetzt wurde. Darüber wird die
      Theaterlandschaft sprechen.

      Wir sind auf dem besten Wege unsere Erde als Lebensgrundlage zu zerstören.
      Umweltprobleme, Konflikte, Gier oder Eigensinn sind vom Menschen hausge-
      macht. Wie sollen wir unsere Zukunft angehen, wenn wir keinen Masterplan
      haben? Machen wir und also etwas vor, erfinden unsere eigene Wahrheit zu
      diversen Problemen, egal ob beim Klimawandel, bei der Energiewende oder bei
      Kriegen. Auf einem Kongress sollen Lösungen gefunden werden. Die dürftigen
      Ergebnisse kennt man von realen Kongressen diverser Politiker. Im Stück
      haben die chemischen Psychopillen das Heft in die Hand genommen. Sie
      stellen ruhig. Alle haben sich plötzlich lieb, Kriege gehören der Vergangenheit
      an und selbst Polizisten packen die Schlagstöcke friedliebend ein. Ein längerer
      Schlaf durch Einfrieren kann ebenfalls helfen. Vielleicht hat die Menschheit
      in ein paar Jahren zur Vernunft zurück gefunden.

      Aufgetaut in Revitarien im Jahre 2039 und mit zahlreichen neuen Organen
      bestückt finden sich die fünf Akteure in einer Zukunft wieder, die noch immer
      keine Lebensgrundlage bietet und wo alle Menschen mittels Pillen gleichge-
      schaltet sind. Alle haben sich noch immer lieb und Aggressionen sind ein
      Fremdwort. Man kann sich sogar in Tiere verwandeln, wofür der leibhaftige Hund
      auf der Bühne sinnbildlich steht. Halluziniert genießt man das Leben ohne
      scheinbare Probleme und mit Wohlstand.

      Einige ertragen diesen psychedelischen Traumzustand nicht und wollen aus-
      brechen. Ist das aber sinnvoll? Möchte man sich tatsächlich mühevoll um die
      kaputte Umwelt kümmern oder die drängenden Energiefragen lösen? Wutpillen
      würde es als Antimittel geben. Eigentlich wäre es aber doch viel schöner diese
      Dinge auszublenden und in der Chemiekratie zu leben. Wo die Milch herkommt,
      interessiert doch niemanden. Ferngesteuerte Schwäne ersetzen längst
      ausgestorbene Vögel. Selbst über das gewünschte Wetter kann die Menschheit
      abstimmen und der Regenbogen ist quadratisch. Zu Entscheidungen ist man in
      diesem Zustand allerdings nicht mehr fähig. Als gespaltene Persönlichkeit redet
      man sogar mit seinem Ebenbild.

      Das Stück ist klasse inszeniert, egal ob Bühnenbild (Stephan Weber), Kostüme
      (Anne Buffetrille) oder schauspielerisch. Christian Bayer, Ayana Goldstein,
      Elisabeth Hoppe, Mervan Ürkmez und Klaus Zwick bringen das Tragische, das
      Skurrile, aber auch das Humoristische sehr gut rüber. Aus der lebensunwerten
      Eislandlandschaft mit Kunstschnee und kalten Stürmen flüchtet man in Unter-
      welten der Kanäle, um als orange und gleich aussehende Wesen wiedergeboren
      zu werden. Oft wirkt es wie ein vorgetragenes Tagebuch, das die Phantasie der
      Besucher bildhaft anregt, ergänzt durch viele Geräusche und einen guten
      Soundtrack

      Der 1970 von Stanislaw Lem verfasste Roman ist ein Sinnbild für unsere
      heutigen Probleme, natürlich überspitzt dargestellt. Längst konsumieren
      berufliche Führungskräfte oder Studenten diverse chemische Aufputschmittel,
      um zu funktionieren. Umweltprobleme werden oft verdrängt, bis z.B. kein
      Trinkwasser mehr fließt. Konflikte gibt es auf der Erde mehr denn je, von
      Menschen verschuldet. Der Roman hat an Aktualität nichts verloren und die
      Inszenierung: Prädikat absolut sehenswert und sehr gelungen.

      Mit der Eintrittskarte aus Oberhausen bekommt man beim gleichnamigen Stück
      im Schauspiel Dortmund 50% Ermäßigung und umgekehrt.

      Datum: 2. Februar 2018, Premiere

      www.theater-oberhausen.de