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Schauspiel 'Das Schweigen der Frösche' im im Mondpalast Herne
Mit der sehr gelungenen Komödie "Das Schweigen der Frösche" greift der Mondpalast in Wanne ein Thema auf, das im Alltag nicht selten für Unfrieden sorgt, der Nachbarschaftsstreit. Unschuldiger Hauptdarsteller ist ein kleiner grüner Laubfrosch, der mit seinem Quaken die Bewohner um ihren Schlaf bringt. Das Desaster mit ökologischem Anstrich nimmt hinterm Gartenzaun seinen Lauf.

Was so ein kleiner Laubfrosch alles auslösen kann, das ist schon erstaunlich. Das haben es sich die Brockmeiers mit ihrem schicken Eigenheim so schön vorgestellt. Ein Teich im Garten musste es sein. Gerti (Susanne Fernkorn) und Robert (Dominik Brünnig) sind zwar neureich und benehmen sich auch so, doch mit den Nachbarn im Mietshaus nebenan, klappt es eigentlich ganz gut. Eines Nachts jedoch sind die Fenster der Mieter hell erleuchtet. Was ist das für ein Geräusch? Schlafen lässt es sich dabei nicht. Das Mysterium beginnt, bis Gerti einen kleinen, grünen Laubfrosch im Teich entdeckt. Der muss bleiben, egal was die anderen sagen. Was sind schon 90 Dezibel vor dem Schlafzimmerfenster in der Nacht.

Es ist der typische Ansatz diverser Nachbarschaftskonflikte, die schwelenden Ressentiments. Der Grund ist völlig simpel und plötzlich alle drehen durch. Jochen (Axel Schönnenberg) bekommt schlimmen Blutdruck. Seine Frau Sibylle (Silke Volkner) versucht die Ruhe zu behalten. Daniel (Andreas Wunnenberg) weiß gar nicht was los ist, während er und Ramona (Melanie Linka) auf ihren kleinen Sohn aufpassen müssen. Hans-Bernd (Heiko Büscher) fühlt sich für die Ordnung zuständig. Seine Gattin Edith (Astrid Breidbach) findet aber durchaus Gefallen an dem Fröschchen. Der Single Oskar (Thomas Hünerfeld) ist beim Bund und lässt seine Vorliebe auch deutlich erkennbar durchblicken. Krieg ist für ihn der Normalzustand. Es wird aufgerüstet. Eine nicht unwichtige Rolle hat Wolf (Ekkehard Eumann), der ständig alkoholisierte Zeitungsreporter, der an der Bar von den Brockmeiers ordentlich verwöhnt wird und regelmäßig "objektiv" berichtet. Der Zündstoff geht dieser Komödie, durch ihre tollen Charaktere, niemals aus.

Alle sitzen eigentlich in einem Boot, doch der Drang, sich als etwas Besseres zu positionieren, bringt Schwung in die Handlung. Gerti und Robert sind ein herrlich prolliges Paar. Ihnen fehlt nur noch der goldene Rolls Royce vor der Tür. Sie tänzeln durch ihren Garten und würden wegen dem Frosch niemals nachgeben. Für Gerti ist er eine Art Kindersatz. Sie nennt ihn liebevoll "Zombie". Für die Mietparteien ist dieser Frosch der absolute Feind. Das Viech ist ja nicht umsonst vom Aussterben bedroht. Wie schafft man den nur fort? Man darf ihn nicht einfach so versetzen. Er muss sich freiwillig auf Wanderschaft machen. Ein Storchenschwarm wäre jetzt schön. Die Mietparteien werden zu den "Children of the revolution". Der Soundtrack des Stücks ist übrigens sehr gelungen. Schließlich stellen Brockmeiers eine Absperrung auf, was zu noch mehr sehr guter Situationskomik führt. Man findet am Ende eine Lösung, die typisch für unsere Zeit ist.

Nebenbei erfährt man sogar viel über die biologischen Eigenschaften eines kleinen Laubfrosches. Sehr interessant! Die optische Verwandlung von Gerti in einen menschlichen Frosch ist hinreißend. Sie mutiert quasi zum Frosch. Dieses kleine Lebewesen hält der Gesellschaft, also uns, sehr humorvoll den Spiegel vor. Es zählen nur noch Schwarz und Weiß und wenn gar nichts hilft, dann fliegen Giftpfeile, bis die Menschheit sich selbst ausrottet. Erfolgsautor Sigi Domke hat mit "Das Schweigen der Frösche" wieder mal eine Komödie geschaffen, die wunderbar humorvoll den Zeitgeist trifft.

Datum: 14. Februar 2020

www.mondpalast.com