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      Ein spannender Psychothriller zwischen Realität und Fiktion ist das Schauspiel
      „Foxfinder“ von Dewn King im Theater Oberhausen mit einem guten Moritz
      Peschke in der Hauptrolle als Fuchsjäger. Regie führte Martin Kindervater.

      Die Bühne ist als erster Eindruck ein echter Hingucker. Zwei Inseln aus Brettern
      mit einem Bett und einer Sitzgruppe sind von Wasser umringt. Das typisch
      englische Wetter hat die Gegend unter Wasser gesetzt und die Ernten über-
      flutet. Irgendwo im Niemandsland leben Samuel (Eike Weinreich) und Judith
      Covey (Lise Wolle) als Landwirte. Die staatlich vorgegebene Norm können sie
      mit der zu erwartenden Missernte genauso wenig erzielen wie ihre Nachbarin
      Sarah Box (Angela Falkenhan) mit ihrer Familie.So müssen sich die Coveys
      einer behördlichen Überprüfung unterziehen. Ein Foxfinder (Moritz Peschke)
      nistet sich unter dem Vorwand ein, Füchse in der Gegend zu suchen, die angeb-
      lich negativen Einfluss auf die Region haben sollen. Die Tiere wurden in Wirk-
      lichkeit schon lange hier nicht mehr gesichtet. Stattdessen weiß er jede Menge
      über Bauern und will noch mehr in Erfahrung bringen.

      Schon die Begrüßung des Foxfinders wirkt behördlich abstrus. In den Tagen
      danach entwickeln sich die Dialoge zwischen ihm und den Bauern zu harten
      Verhören. Schon mit fünf Jahren wird so ein Foxfinder in einem Institut fern
      der Eltern für seine spätere Aufgabe gedrillt. Gefühle darf er keine zeigen. Er hat
      stets die Kontrolle zu bewahren, seine Aufgabe zu erfüllen, eloquent und deut-
      lich in Phrasen zu reden und auch gegebenenfalls hart durchzugreifen. Droh-
      ungen wegen abnormalen Lebensweisen sind an der Tagesordnung. Nachbarn
      werden gegenseitig ausgespielt und ausgehorcht. Mit Kollaborateuren macht er
      kurzen Prozess. So wird aus den erzwungenen Frage- und Antwortspielen ein
      Psychogramm der jeweiligen Personen, was zu verzweifelten oder panischen
      Reaktionen führt. Soll man die eigene Haut durch Verrat retten? Der Foxfinder
      versteht es ausgezeichnet an seine Informationen zu kommen. Parallelen zu
      gewissen politischen Systemen in der realen Welt sind nicht ausgeschlossen.

      Wie geht man mit so einem so einem merkwürdigen und aggressiven Menschen
      um? Jede Antwort muss genau bedacht sein. Jede kleinste Schwäche nutzt er
      aus, um Personen weiter in die Enge zu treiben, gut dargestellt von Moritz
      Peschke. Weltfremd und absurd begegnet er seinen Opfern. Mit der Zeit merkt
      er, dass es tatsächlich keine Füchse hier gibt und legt seine Zweifel als nicht
      erlaubte eigene Schwäche aus. Am Ende verliert er sogar einmal die Kontrolle
      über sich und ein Fuchs geht tatsächlich noch in die Falle. Die vier Schauspie-
      ler zeigen wirklich ausdrucksstark, wie man sich fühlt, in einem staatlich
      gedrillten Korsett im geheimdienstlichen Auftrag zu sein oder die ohnmächtige
      Opferrolle annehmen zu müssen. Das Bühnenbild, die Geschichte und das Licht
      fügen sich im Malersaal, wo man dicht dabei sitzt, gut zusammen.

      Datum: 17. November 2016 (Premiere), weitere Aufführungen

      www.theater-oberhausen.de