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Komödie 'Runter zum Fluss' im Parkbanktheater Oberhausen
Das Parkbanktheater Oberhausen präsentiert open air das Stück „Runter zum Fluss“, eine klasse Komödie von Frank Pinkus. Es ist ein Stoff wie aus dem Leben, örtlich verpflanzt auf einen Campingplatz in Südfrankreich. Ein sehr gelungener Abend.

So spielt das Leben. Karsten (Oliver Sekula) und Anke (Nina Barton), zwei Personen, die verschiedener nicht sein können, sind mit ihren Ehepartnern auf einem Campingplatz. Beide geraten jeweils in Streit und trennen sich. Ankes Mann hat zudem noch Auto und Zelt mitgenommen. So sucht sich Anke eine neue Bleibe, eine klar und deutlich formulierte Bitte, gegen die sich Karsten nicht wehren kann. In seinem Zelt ist doch Platz für zwei Gestrandete. Die forsche Busfahrerin, die nackig schläft, und der ordnungsliebende Beamte müssen fortan einen Weg finden, wie man sich als Schicksalsgemeinschaft annähern kann, obwohl zwischen ihnen Welten liegen. Es entwickelt sich eine amüsante Suche nach einem schöneren Leben, in dem Ordnung nur das halbe Leben ist.

Eines verbindet sie. Beide waren schon länger von ihren Partnern enttäuscht. Eine glückliche und verliebte Ehe sah mal anders aus. Es war schlicht die Luft raus. Eigentlich sind sie froh darüber, dass es vorbei sein soll. Wäre da nicht die neue Situation, die den gewohnten Ehealltag auf den Kopf stellt. Sie, die bereits mehrere Studienfächer probiert hat, und er, der bieder wirkende Beamte, raufen sich zusammen. Dabei fliegen schon mal die Fetzen. Anke als dominante Figur gibt den Takt vor. Sie ist verbal frei raus. An die Liebe glaubt sie zunächst nicht mehr. Doch wann ist ein Mann eigentlich ein echter Mann? Diese Frage zieht sich humorvoll durch das Stück, stets mit ernsten Gedanken im Schlepptau. Welche Erwartungen haben Frauen heute an Männer? Können diese die weiblichen Wünsche umfänglich erfüllen? Schließlich sind alle tollen Männer vergeben oder schwul.

Es wird das Geschlechterverhältnis wunderbar charakterisiert. Sie hat das Sagen und er muss sich fügen. Das tut er ganz hervorragend und mit viel Selbstironie. Er möchte ein wahrer Mann werden. Also müssen die Socken aus den Sandalen und die Körperhaltung auf Macho getrimmt werden. Elektrorasierer gehen gar nicht. Ein echter Mann rasiert sich mit freiem Oberkörper und Schaum und singt vor dem Spiegel. Hanteln und Expander sollen seinen Körper in Form halten. Humorvoll, einfühlsam und zärtlich soll er auch noch sein. Leider existiert dieser Vorzeigetyp oft nur als gestylte Werbefigur. Das ist auch Karsten bewusst. Er nimmt sich selbst auf die Schippe. Die Erwartungen von Anke wird er niemals komplett erfüllen können. Man spielt herrlich mit Klischees. Ihr selbstbewusstes Auftreten scheint dabei auf den zweiten Blick ein Schutzwall für die verborgenen Defizite zu sein, über die sie nicht gerne reden möchte. Sie verkörpert den Typus „die Schöne und das Biest“ und verbirgt doch einen weichen Kern, ein Leben mit vielen gescheiterten Situationen.

Gesungen wird ab und zu natürlich ebenfalls, sonst wäre es nicht die Niebuhrg, die bekannt für ihr Musiktheater ist. Oliver Sekula ist ausgebildeter Musicaldarsteller aus Oberhausen, der in vielen bekannten Produktionen mitgewirkt hat. Nina Barton ist u. a. häufig in der Niebuhrg zu erleben. Die Gesangseinlagen überzeugen, von Schlager bis Rock, wie auch die gezeigte Schauspielkunst und das Bühnenbild.

Es ist keine Komödie à la Millowitsch, mit Schenkelklopfern am Fließband. Heutzutage beinhalten gute Komödien auch ernste Gedankenmomente. Sie stellen gesellschaftlich relevante Fragen. In diese Kategorie fällt auch „Runter zum Fluss“. Das Stück wird manchem Paar im Publikum vielleicht einen Spiegel vorhalten, so eingefahren und abgenutzt sind manche Eheverbindungen nach einigen Jahren. Singles im Publikum werden über ihre realistischen Erwartungen an eine evtl. bessere Hälfte nachdenken.

Das Theater an der Niebuhrg hat mit dem atmosphärisch ansprechenden Parkbanktheater mal wieder eine sehr innovative Idee entwickelt, in der Corona-Zeit zumindest ein paar Einnahmen zu generieren. So können auch die freien Künstler wieder den Applaus genießen und etwas Geld verdienen.

Datum: 19. Juni 2020, Premiere

niebuhrg.de