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Film '972 Breakdowns - Auf dem Landweg nach New York' im Landschaftspark Duisburg-Nord
Mit dem ganz speziellen Roadmovie "972 Breakdowns - Auf dem Landweg nach New York" präsentierte das Kunstrasen Kino im Landschaftpark ein dokumentarisches Werk, das regelrecht nach extremen Abenteuern riecht. Dieser Film zeigt auf, wie anders die Welt sein kann.

Das Kunststudium war beendet, doch was nun? Johannes (Deutschland), Anne (Deutschland), Efy (Zypern), Kaupo (Estland) und Elisabeth (Deutschland) hatten die verrückte Idee, von Georgien nach New York zu fahren. Der Weg sollte das Ziel sein. Dafür wählten sie ein ganz besonderes Gefährt aus, eine URAL 650, ein Motorradgespann aus russischer Produktion, das in ganz Russland, Mittel- und Ostasien verbreitet ist. Ersatzteile würde man hierfür ganz sicher überall finden. Wie sich herausstellte, brauchten sie die auch. 972 Pannen zehrten ganz schön an ihrer Kraft und an ihren Nerven. Die fünf Maschinen erwiesen sich als nicht besonders robust, trotz ihrer Herkunft. Anfangs wurde jede Panne sogar noch mit einem Stück Schokolade begangen.

Zunächst besorgten sie sich in Tiflis fünf dieser typisch russischen Gespanne, alle nicht mehr die neusten. Erfahrungen mit Motorrädern hatten nicht alle. Der Führerschein wurde schnell noch gemacht und die Einweisung in Georgen folgte. Hier trafen alle zusammen.

Los ging das echte Abenteuer, eine extreme Schule fürs Leben. Ständig hieß es Kulturschocks zu überwinden und positiv zu denken, egal ob gerade wieder eine URAL im Wasser oder Schlamm versank. Allein die Auswahl des Gefährts sorgte dafür, dass sie unterwegs sehr viele nette Menschen kennenlernten, ohne die sie niemals das Ziel erreicht hätten. Werkstätten und Mechaniker waren immer gerade da, wenn es nötig war. Die russische Armee half ihnen entscheidend aus der Patsche und diverse Zivilisten hatten immer gute Tipps parat, brachten auch schon mal Lebensmittel vorbei. Als sie jedoch auf der alten "Road of Bones", eine Straße, die Stalin von Kriegsgefangenen anlegen ließ, eine Abkürzung versuchten, wäre die Reise beinahe schon Ende gewesen. Metertiefe Schlaglöcher, eingestürzte Brücken und Flüsse mit starker Strömung verlängerten die Reise auf diesen 200 km unfreiwillig. Hungrig erreichten sie schließlich zu Fuß die nächste ersehnte Stadt, leider eine verlassene Geisterstadt. Als ihr russisches Visum ablief und der russische Winter sich näherte, ging es für einige Zeit nach Kanada, um Geld zu verdienen und neue Kräfte zu sammeln.

Zurück im sommerlichen Russland wollte man die Beringstraße überqueren, bis nach Alaska. Hierfür mussten die Motorräder schwimmen lernen, denn man legte 1.600 km auf dem Fluss Kolyma zurück. Die Beringstraße war dann aber doch etwas zu optimistisch gedacht. Mit dem russischen Armeeflieger flog man nach Alaska und fuhr von dort aus nach New York. Am 10.1.2017 erreichten sie nach 43.000 km ihr eigentlich gar nicht so wichtiges Ziel.

Es war eine zweieinhalb Jahre lange Reise mit sehr vielen Entbehrungen und Prüfungen für sich selbst und das Team. Kreativität war stets gefragt. Irgendwie musste es immer weiter gehen. Geschlafen wurde unter einer 25 qm großen Plane und ohne Wände, egal bei welchem Wetter. Weit über 150 Flüsse mussten durchquert werden. Man traf Typen, Großmütter, Kinder, sehr hilfsbereite Menschen und eine Gesellschaft, die zwar wenig Luxus besitzt, aber trotz allen Entbehrungen ein zufriedenes Leben führt.

Der Regisseur Daniel von Rüdiger hat innerhalb eines Jahres aus allen filmischen Dateien einen Film kreiert, der packt, mitreißt und die Besucher zum Schmunzeln und Staunen bringt. Man ist fast wie live dabei, wünscht sich aber dann lieber doch den sicheren Kinostuhl. Hinter der Kamera verbirgt sich meist Elisabeth, die auch folglich kaum zu sehen ist. Es sind klasse Amateuraufnahmen am Boden, während der Fahrt, mit einer Drohne und sogar Unterwasser, immer absolut authentisch dabei. In den Nahaufnahmen der Gesichter lassen sich die Gedanken häufig ablesen. Aufgeben war aber nur der Notfallknopf, selbst wenn ein medizinischer Notfall weit ab jeder Zivilisation vorlag. Wie näht man eine tiefe Wunde mitten in der Wildnis?

Hervorzuheben sind auf jeden Fall noch die toll animierten Grafiken, die den Reiseverlauf abbilden oder die einzelnen Teile einer URAL durch dezente Animation darstellen, die so im Laufe der Reise mehrfach kaputtgegangen sind.

Für den klasse gelungenen Soundtrack sorgte Regisseur Daniel von Rüdiger mit Stefan Carl, seiner Band aka 0101, selbst. Er klingt richtig passend nach einem Roadtrip auf einer knatternden Maschine mit ganz viel Kopfkino.

Bei der Vorstellung im Landschaftspark Duisburg-Nord waren Daniel von Rüdiger und seine Protagonisten Kaupo Holmberg und Efy Zeniou live vor Ort.

Datum: 26. August 2020

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Infos zum Soundtrack