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Existenznöte der Landurlaub-Anbieter durch den Corona-Lockdown
Die fehlenden Übernachtungen und ausbleibenden Umsätze bedrohen die Existenz der Gastgeber aus dem Bereich Landurlaub. Hinzu kommen fehlende Hilfen für beispielsweise Mischbetriebe. Einst haben sie sich breit aufgestellt und jetzt wird es ihnen zum Verhängnis. Sie gehen leer aus und die Nerven liegen blank. Die Betriebe, die Hilfen empfangen haben, bangen darum sie wieder zurückzahlen zu müssen. Und allen zusammen fehlt die Perspektive: wann geht es wieder los?

Nachfolgend schildern drei Gastgeber vom Landurlaubsportal LandReise.de ihre aktuelle Situation:

Jessica Gerritsen und Ralf Blümer betreiben das Bergdorf Liebesgrün in Schmallenberg und halten die weitreichenden Einschnitte des Corona-Lockdowns für unverhältnismäßig:

"Wir halten die Maßnahmen der Bunderegierung zur Eindämmung der Pandemie für richtig, wünschen uns aber eine differenzierte Herangehensweise. Zum Beispiel halten wir das Verbot von touristischen Übernachtungen in Ferienhäusern für nicht verhältnismäßig. Wenn wir aber weiter in dieser Situation verharren müssen, darf es am Ende nicht so sein, dass wir mit den Nachwehen der Krise noch Jahre zu kämpfen haben. Ein gesundes Unternehmen muss so stark, wie es in die Corona Krise reingegangen ist auch wieder rauskommen. Das muss staatliche Unterstützung garantieren. Nur so sichern wir die Zukunft des Gastgewerbes mit seinen vielen Arbeitsplätzen. Aktuell ist es für uns wichtig, dass die angekündigten Hilfen jetzt ankommen, und uns auch erhalten bleiben. Unser Team zusammenzuhalten ist eine weitere große Aufgabe, wir gehen davon aus das nach der Krise alle gebraucht werden, die Lust der Gäste auf eine Auszeit im Grünen ist riesig!"

Romina und Alois Schmid vermieten auf ihrem Gut Grasleiten Ferienwohnungen. Auf ihrem Erlebnisbauernhof können die Gäste Bio-Landwirtschaft hautnah erleben:

"Ich verspüre große Ungerechtigkeit und mir fehlen die Antworten auf so einige Fragen. Das macht mich traurig und wütend. Als Familie und Jungunternehmer haben wir unseren landwirtschaftlichen Betrieb die letzten Jahre zukunftsfähig gemacht. Ein schöner Gutshof, der aber nur bestehen kann, weil der Haupterlös über die Vermietung von Ferienwohnungen erwirtschaftet wird. In den vergangenen 10 Jahren haben wir Investitionen im 7-stelligen Bereich getätigt. Als Unternehmer hätte ich die nächsten Jahre noch viel vor. Wir wollen dieses Jahr unser denkmalgeschütztes Gutshaus sanieren - damit wir selbst mal so schön wohnen können wie unsere Feriengäste. Das rückt momentan in weite Fernem, denn die Investitionen hängen natürlich stark von unserem Einkommen abhängt. Corona ist eine Katastrophe, mit der wir alle Leben müssen und die uns alle zurückwirft. Die Infektionszahlen zu senken geht nur, wenn man die Mobilität ein- und seine Kontakte beschränkt. Als der Lockdown im Herbst kam, haben sie alle von den 75 % Umsatzentschädigung durch die November- /Dezemberhilfe gesprochen. Ich sehe bei diesen Maßnahmen eine große Ungerechtigkeit. Den einen geben Sie 75 % der Umsätze vom letzten Jahr. Und den anderen, und da gehört unser Familienbetrieb auch dazu, geben sie gar nichts. Wir sind ein Mischbetrieb und nur 60 % unseres Umsatzes stammt aus der Vermietung. Ich glaube, die Verantwortlichen haben gar keine Ahnung, was diese Einkommensausfälle für einen Familienbetrieb bedeuten. Und dann setzen sie ein Hilfsprogramm auf und vergessen dabei den Großteil unserer Berufsgruppe. Unser Betrieb hat für die Ferienwohnungen ein eigenes Gewerbe angemeldet. Das Gewerbe sowie die Landwirtschaft laufen auf den Namen des Betriebsleiters. Wäre das Gewerbe auf den Namen meiner Frau angemeldet, dann würden wir eine staatliche Unterstützung erhalten. Wieso bekommt Mc Donalds eine Entschädigung obwohl die Autos bei Mc Drive Schlange stehen? Wir als Vermieter von Ferienwohnungen, die eine abgetrennte Wohneinheit mit eigener Küche für Familien anbieten, dürfen dies nicht mehr tun. Auf der anderen Seite sind die S- und U-Bahnen sowie viele Ausflugsziele überfüllt. Wir müssen das langsame Handeln ausbaden und bekommen nicht einmal eine Entschädigung dafür."

Gudrun und Andreas Schmidt betreiben den Ferienhof Hasenkammer im Sauerland. Milchbauer Schmidt hält vor allem die gesamtbetriebliche Umsatzbetrachtung, die als Grundlage für die Genehmigung der Novemberhilfen gilt, als zu undifferenziert:

"Unsere Hasenkammer gesellt sich ins Schicksal der meisten anderen Beherbergungsbetriebe ein und war im Jahr 2020 über vier Monate, wegen der behördlichen Corona Schließungen, komplett ohne Gäste. Die letzte Schließung seit dem 1. November 2020 hält über den heutigen Tag hin an. Das wird leider aller Vorrausicht nach auch noch einige Zeit so bleiben. Im Frühjahr haben wir einmalig 15.000 Euro Soforthilfe bekommen. Laut mehrerer Anschreiben der Bundesstelle ist es bis jetzt nicht sicher, ob wir die Hilfen behalten können. Danach erhielten wir außer der Möglichkeit ein Überbrückungsdarlehen aufzunehmen keine weiteren Hilfen.

Bei den November- und Dezemberhilfen geht die Hasenkammer aus zweierlei Gründen leider leer aus:

Zum einen ist der Betriebszweig Beherbergung trotz massiver Investitionen und Einnahmeverluste von weit über 150.000 Euro für weniger als 80 % des Umsatzes des Gesamtbetriebes der Hasenkammer verantwortlich.

Zum zweiten hat unser große Nachbar "Center Park Hochsauerland" in den vergangenen zwei Jahren massiv renoviert und war dadurch in den Monaten November bis Mitte Dezember jeweils komplett geschlossen. Wenn in den Schlechtwettermonaten die Indoorangebote dieses wichtigen Partners und direktem Nachbarn wegfallen, gestaltet für uns ein kostendeckender Betrieb fast unmöglich. Dadurch haben wir uns entschlossen in den Jahren 2018 und 2019 die sechs Wochen von Anfang November bis zum 15 Dezember ebenfalls zu schließen. Im vergangenen November hingegen war vieles anders. Der Center Park hatte, genau wie wir, Vorbuchungen, die einer Auslastung von 60 % entsprochen hätten.

Gemeinsam hatten wir gehofft, u.a. mit hohen Investitionen in ein Hygienekonzept die Verluste aus den verlorenen Monaten wieder aufholen zu können. Dann kam die zweite Welle und mit ihr das wiederholte behördlich angeordnete Arbeitsverbot unseres ganzen Berufsstandes. Jetzt fehlen uns plötzlich die Umsätze aus den Vergleichsmonaten des Vorjahres. Ausnahmen der Zuschussregelungen gab und gibt es nicht."

Datum: 15. Februar 2021

grasleiten.de
www.ferienhof-hasenkammer.de
www.liebesgruen.de
www.landreise.de