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      Mit „Faust 1“ hat das Theater Oberhausen eine sehr jung wirkende Inszenierung
      auf dem Spielplan, die aufwendig und ganz bestimmt nicht langweilig ist, sich
      aber ganz stark einer bestimmten Zielgruppe zuwendet. Regie führte Pedro
      Martins Beja.

      Das Abi-Thema 2017 lautet nämlich „Faust“. Zahlreiche Abiturklassen aus der
      Region pilgern momentan nach Oberhausen. Einige Vorstellungen sind schon
      ausverkauft. Präsentiert wird ein Stück, das jede Menge Aktion verspricht. Ort
      auf der Drehbühne ist eine Art Spielplatz, der die verschiedensten Orte der
      Handlung widerspiegelt. Im Garten wachsen sogar überdimensionale Blumen.
      Viel wird mit Licht gespielt. Manchmal ist die Bühne einfach nur dunkel. Dann
      kommt das Element der Videoübertragung zur Geltung. Nicht wenige Abschnitte
      spielen sich leider bewusst im nicht sichtbaren Bereich der Bühne ab und
      werden auf zwei große Leinwände links und rechts der Bühne übertragen. Die
      Stimme der Herrn kommt zusätzlich aus dem Hintergrund. Obwohl junge Leute
      häufig an bewegte Bilder auf allen möglichen Displays gewöhnt sind, so möchte
      man doch lieber häufiger die Schauspieler live auf der Bühne sehen. Live ist
      jedenfalls eine andere Besonderheit. Es singt der Oberstufenchor des Bertha-
      von-Suttner-Gymnasiums aus Oberhausen ganz passabel einige Songs. Warum
      es aber in einer Szene „Kids in America“ sein musste, ist nicht wirklich
      schlüssig, ist aber ein unüberhörbarer Effekt.

      Schauspielerisch bewegen sich Jürgen Sarkiss (Mephistopheles), Lise Wolle
      (u. a. Gretchen), Anja Schweitzer (u. a. Der Herr, Wagner, Hexe), Moritz
      Peschke (Adam, Valentin) und Michael Witte (Dr. Faust) im Rahmen ihrer
      gegebenen Möglichkeiten gut über die Bühne. Der rote Faden ist eine Anein-
      anderreihung von teils pointierten Szenen, die sehr kontrastreich daher kommen.
      In den ruhigen und ernsten Momenten können die Schauspieler ihre wahre und
      feine Kunst präsentieren, Wird es laut, schreiend, effekthaschend oder aktions-
      reich, kann es auch mal peinlich werden. Ein großartiger Schauspieler wie
      Jürgen Sarkiss als verhinderter Balletttänzer oder als Pudel auf allen Vieren ist
      völlig unpassend. So etwas lässt sich eleganter darstellen. Gestisch werden die
      jungen Leute im Publikum angesprochen, was eine lebhafte Theateratmosphäre
      zur Folge hat. Eine wirklich herausragend gespielte Szene ist, als sich am Ende
      Gretchen ihrer Befreiung durch Faust und Mephistopheles widersetzt, leider nur
      als „ganz großes Kino“. Ansonsten tauchen auf den Leinwänden gerne Nahauf-
      nahmen der Gesichter auf. Textlich bewegen sich die Schauspieler nah an der
      traditionellen Fassung, mit neuzeitlich jungen Ergänzungen und Dialogen. Hier
      und da wird aber viel zu schnell gesprochen, was nicht immer akustisch
      verständlich ist. Es ist nicht immer eine typisch betonte Theatersprache.

      Die Kostüme passen sich dem Stück an. Sie persiflieren den braunen Mob,
      stellen den alten und jungen Faust dar, lassen Mephistopheles als kaltes und
      gefühlloses Wesen erscheinen oder bestehen aus hundert Prozent mensch-
      licher Haut. Hier gibt es starke Kontraste.

      „Faust 1“ ist ein Stück, das niemals langweilig ist, aber auch nicht die Qualität
      anderer Stück an gleicher Stelle erreicht. Zu oft wird das Theater mit dem Kino
      verwechselt und auf optische Effekte geschielt. Es ist ein Stück, dem man viel-
      leicht eine Altersobergrenze von unter 30 geben sollte und selbst da wird es
      gespaltene Meinungen geben, wie der eher blasse Applaus bewies. Das unheim-
      lich aufwendige Bühnenspektakel dauert drei Stunden und zwanzig Minuten,
      inklusive einer Pause, die erstaunlich schnell vergehen.

      Datum: 26. Januar 2017

      www.theater-oberhausen.de