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      Ein Abend mit Julia, mit Julia Engelmann, auf einer Dachterrasse! Sie ist
      das Aushängeschild ihrer Generation, intelligent und sehr vielseitig. Julia
      Engelmann gastierte mitreißend und inspirierend mit ihrem Programm
      "Poesiealbum - Live 2018" vor 2.000 Gästen in Düsseldorf. Sie berührt mit
      ihrer immer authentischen, nachdenklichen und ehrlichen Art.

      Julia Engelmann ist Mitte 20 und in einem Alter, wo man noch seinen Weg
      sucht. Mit ihren sehr guten und poetischen Texten versucht sie dem auf den
      Grund zu gehen. Sinn- und Lebensfragen sind ihre Themen. Mit wohl
      gewählten Worten kann die gebürtige Bremerin definitiv extrem gut umgehen
      und dabei klar ihre Meinung kundtun. Das ist aber noch lange nicht alles.
      Singen mag sie zudem auch noch. Es sind vertonte Gedichte mit nachdenk-
      lichen Alltagsthemen, nicht nur der U30-Generation. Sie ist eine exzellente
      Beobachterin ihrer Zeit, die für die Bühne geboren ist. Reden mag sie
      nämlich gerne und das erstaunlich reif für ihr Alter.

      Der Schwerpunkt ihres Programms liegt trotz der Musik grundsätzlich auf den
      Texten. "Ich bin kein schicker Hipster. Bin mehr so'n Nordprofil. Bin voller
      Hirngespenster, rede leise, denke viel. ...", so klingt ihre sehr passende
      Selbsteinschätzung in dem sehr guten Song "Das Lied". Keine sich in den
      Vordergrund drängende E-Gitarre unterbricht ihre poetischen Ausführungen.
      Lukas und Martin begleiten als Multiinstrumentalisten ihre Songs sehr gut
      und klingen mittels Loops manchmal wie eine große Band.

      Julia Engelmann möchte nicht im Mainstream gedankenlos untergehen und
      die wichtigen Dinge verpassen, will kein Schaf sein, das seiner Herde ständig
      hinterher laufen möchte. Die sogenannten sozialen Medien betrachtet sie
      durchaus kritisch. Man muss nicht überall sein Gesicht rein halten. "Stille
      Poeten" ist so ein Song, der die in den Vordergrund stellt, die lieber den
      Hintergrund suchen. Oberflächlichkeiten der Selbstdarstellung sind nicht ihr
      Ding. Ihr Song "Kein Modelmädchen" mahnt zur Selbstreflexion. Das Unper-
      fektsein ist für sie der Normalzustand, den es zu schätzen gilt. Immer wieder
      gerät die Liebe in den Fokus. "Keine Ahnung, ob das Liebe ist" versucht
      herauszufinden, wo Liebe beginnt. Andererseits thematisiert sie die letzte
      Stunde einer Beziehung. Waren es die nicht gesagten Dinge? Eine WG-Party
      und ein Gespräch mit einem sehr traurigen Menschen veranlasste sie ihrem
      wunderschönen Song "Grapefruit". Kleine Anlässe bringen sie manchmal auf
      neue Ideen.

      Die Hälfte des Abends waren fein formulierte Gedichte. Wie kann sie sich
      das nur alles merken? Zwei vergessene Zeilen hätten die Besucher gar nicht
      bemerkt, sie schon. Es sind Gedichte für ihre Mutter, ihren Vater, ihren
      Bruder und ihren Hund, ein Golden Retriever. Die hängt häufig verwendete
      Anglizismen als Gangster-Rap-Gedicht aneinander. Ihrer Meinung nach soll
      man dankbar für das Leben sein, die Sterne und Sternschnuppen genießen.
      Symbolisch regnete es aus ihren Händen mehrfach dafür Konfetti. Auch das
      grafische Bühnenbild war wie für sie geschaffen. Eine Dachterrasse mit
      schönem Panorama, Blumenkästen, einem Sternenhimmel, einer Sonnen-
      blume und einem Einhorn spiegelten ihre Gedankenwelt sehr gut wieder.

      Wer so eng mit seinem Publikum spielt, der stellt sich gerne einer Frage-
      runde. Ihre Texte brauchen oft Monate. Der Erfolg ist für sie auch eher surreal.
      Alles begann mit einem kleinen Poetry-Slam-Video auf YouTube. Ihre Energie
      zieht sie aus ihrer eigenen Neugier und der Unehrlichkeit anderer. Neuerdings
      lassen sich die Fans sogar ihre grafischen Motive als Tattoo stechen. Sie
      fungiert auch als eine Art Lebensratgeber, Motivatorin und als inspirier-
      ende Kraft. Was sie von sich gibt, das kann ganz ehrlich vom Tod handeln,
      aber auch sehr aufmunternd sein, mal ganz ruhig und mal sehr tanzbar.

      Das vom Alter her gemischte Publikum in Düsseldorf war begeistert, von 7
      fast 70, aber überwiegend U30. Überraschend wenige Handys störten den
      Abend. Man hing gebannt an ihren Lippen und war fasziniert von ihrer Person
      und ihrer beeindruckenden Wortmagie.

      Datum: 30. September 2018, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

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