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Ausstellung 'Empört Euch! Kunst in Zeiten des Zorns' im Kunstpalast Düsseldorf
Politisch sehr verdichtete Zeiten erfordern besondere Ausstellungen. Der Kunstpalast greift mit „Empört Euch! Kunst in Zeiten des Zorns“ ein sehr passendes globales Thema in einer gespaltenen Gesellschaft auf, in denen sogenannte Minderheiten öffentlich und staatlich diskriminiert und verfolgt werden. Mit demselben Ticket lässt sich ebenfalls die schöne Ausstellung von Caspar David Friedrich im selben Haus besuchen.

Es sind insgesamt 36 KünstlerInnen oder Kollektive, deren sehr unterschiedliche Werke spannend aufzeigen, wie sehr reflektiert die Kunst auf gesellschaftliche Probleme reagiert. Sie stellen soziale Ungerechtigkeiten, drücken Widerstand aus oder rufen dazu auf. Ihre Blickwinkel sind höchst unterschiedlich. Es dreht sich um Homophobie, Rassismus, ökologische Probleme, Krieg, religiöse Verfolgung, Vertreibung, die Rolle der Frauen, Kolonialismus, Transgender, unsere Nazi-Vergangenheit oder ökonomische Auswüchse. Die Welt ist voller Probleme.

Um darauf nun deutlich hinzuweisen, fallen die Gestaltungen der Werke manchmal recht brutal aus. Man sieht Verstümmelungen und auch künstlerisch provoziere Gewalt. Nur so schafft man Aufmerksamkeit für drängende Fragen, für Appelle an die Gesellschaft, endlich umzudenken. Wie z.B. reagieren die Passanten auf eine typische Blondine, die ihr Gesicht hinter einer silbernen Maske verbirgt? Es fallen durchaus sexistische Begriffe. In einem anderen Video hat man in einer Berliner U-Bahn-Station eine maskierte Puppe gestellt und heimlich die teile brutalen Reaktionen gefilmt. Man entdeckt Fotos von Transgender-Personen, deren Augen klasse herausgearbeitet sind.

Mit der Umwelt beschäftigt sich eine Arbeit, die die Folgen des Klimawandels durch immer größere Feuerkatastrophen großflächig darstellt. Eine andere Arbeit versucht den Krieg in Bosnien und seine Folgen durch Flucht darzustellen. Ein Künstler heuerte sogar einen Menschen an, um 3.000 Löcher auszuheben. So wird der Missbrauch der Arbeitskraft durch Geld thematisiert. Das Thema staatliche Gewalt drücken Skulpturen in Form von Menschen und Hunden aus. Immobilienhaien schaut man in der Ausstellung auf die Finger. Riesig dimensionierte Bauprojekte erfordern manchmal den Abriss ganzer Häuserblöcke, so auch in Zürich oder China. Verkauft ein Hausbesitzer nicht, so werden alle Bauten rundherum abgerissen, eine riesige Baugrube ausgehoben und nur das einzelne Stifthaus ragt surreal heraus.

Rassismus und Hass behandeln mehrere Arbeiten. Das Logo der weit rechts orientierten AfD hat man durch die Zielgruppe ergänzt, ein reinrassig, weißes Paar, das strahlend in die Zukunft blickt. Der Giftschrank befindet sich im hinteren Teil der Ausstellung. In ihm befinden sich Wörter der deutschen Sprache, die wir zwar hin und wieder verwenden, aber es besser tun würden: Farbiger, Schwarzafrikaner, Eingeborener, Hottentotten, Wilde, Mohr, Mischling und das N-Wort. Draußen vor dem Eingang steht eine Art Kleidercontainer, in den man die auf dem Dachboden noch vorhandene Nazi-Vergangenheit der Vorfahren endgültig entsorgen kann, anstatt sie an neue Verehrer zu verkaufen.

Alle Arbeiten entstanden überwiegend in den letzten zehn Jahren. Sie greifen emotional aktuelle Themen auf, die wachrütteln und die eigene Position hinterfragen. Prädikat absolut sehenswert.

Laufzeit: 29. Oktober 2020 bis 10. Januar 2021

www.kunstpalast.de