abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Mit der sehr informativen und guten Ausstellung "Aufgeladen! Elektromobilität
      zwischen Wunsch und Wirklichkeit" trifft das LVR-Industriemuseum in Ober-
      hausen den Puls der Zeit. Übernommen wurde die hoch aktuelle Schau aus dem
      Deutschen Museum in München. Sie wurde in Oberhausen durch regionale
      Exponate ergänzt. Geschichte und Gegenwart treffen aufeinander und erklären
      sich gegenseitig.

      Elektromobilität ist wesentlich älter als man denkt. Bereits um 1880 war man
      eigentlich schon so weit, Elektroautos massentauglich einzuführen. Um 1900
      fuhren ein Drittel aller Autos in den USA mit Strom, ehe sich Henry Ford mit der
      Ölindustrie zusammen tat und sein T-Modell mit Verbrennungsmotor zum
      Erfolgsmodell machte. Das günstigere Benzin war im Laufe der Geschichte
      immer wieder eine Wachstumsbremse der Elektromobilität, wie auch aktuell.
      Zahlreiche Projekte scheiterten aber auch an technischen Problemen, z.B.
      häufig an den Akkus. Lediglich bei elektrischen Bahnen, im Bergbau, bei Klein-
      transportern, Pedelecs oder Staplern hat sich der Stromantrieb durchgesetzt.
      Die deutsche Rennreiselimousine muss schnell sein und eine große Reichweite
      haben.

      Die Elektromobilität muss man aber auch weiter denken, infrastrukturell. Vor-
      gestellt werden Projekte, wie man die Technologie flächendeckend verbreiten
      kann. Soll es zentrale E-Tankstellen in der Stadt geben oder sollte jeder seine
      eigene Säule neben dem Haus haben? Wie vernetzt man eine eigene Solar-
      anlage intelligent mit einem neuartigen Zähler, der Hausverbrauch und Auto-
      strom trennt und Strom speichert? Welche Auto- und Fahrradvermietungen auf
      Strombasis gibt es beispielsweise in München oder Berlin? Wie werden sie
      angenommen?

      Fest steht, dass Elektromobilität nur nachhaltig funktioniert, mit nachhaltigen
      Energien, aktuell 30% des Stroms in Deutschland. Man muss auch E-Fahr-
      zeuge als solche in der Konstruktion konzipieren, und keinen VW Polo einfach
      elektrisch umrüsten. Radnabenantriebe und leichte Materialien spielen eine
      große Rolle. Diesen Aspekt greift die Ausstellung ebenfalls auf.

      Geforscht wird jedenfalls eine ganze Menge. Teams von Hochschulen nehmen
      mit ihren Projektfahrzeugen erfolgreich an internationalen E-Rundfahrten teil, bei
      denen es auf den möglichst niedrigen Energieverbrauch ankommt. Schon zur Öl-
      krise in den 1970er-Jahren träumte man von einer Million Elektroautos. E-Busse
      zogen 1975 die eigene Batterie hinter sich her. Heute sind es in Deutschland
      rund 20.000. Große Firmen wie RWE hatten in den 1980er-Jahren ganze
      E-Flotten von Kleinwagen zu Werbezwecken am Start, fuhren damit sogar
      Rennen, die im Film der Formel E kurios wirken. Auch die Pokale sind, neben
      den VW Golf CityStromer von 1986, ausgestellt.

      Ein solches Thema ohne Fahrzeuge ist natürlich undenkbar. So entdeckt man
      den roten Lems No. 1 von 1903 im Eingangsbereich. Man findet aber auch
      einen Mercedes Kastenwagen (1973) mit auswechselbaren Akkus, diverse
      Hochschulprototypen oder Kleinwagen auf E-Basis. Auf Fotos sind zahlreiche
      andere E-Fahrzeuge abgebildet, historische Feuerwehren, eine gleislose Bahn
      oder O-Busse. Durchgesetzt haben sich alle auf Dauer nicht. Dabei gab es in
      Hagen vor über 100 Jahren schon die AFA (heute Varta), eine Batteriefabrik mit
      500 Mitarbeitern. Aktuelle Forschungen gehen in Richtung der Lithium-Luft-
      Akkus, die allerdings schwer aufzuladen sind.

      Diese höchst interessante Ausstellung blickt zurück, schaut auf die Gegenwart
      und in die Zukunft. Sie mischt sich in die aktuelle Diskussion um mehr
      Elektromobilität mit vielen kaum bekannten und historischen Fakten sinnvoll ein.

      Laufzeit: 18. Februar bis 27. November 2016

      www.industriemuseum.lvr.de