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      Der schwedische Ballettchoreograf Alexander Ekman (geb. 1984) gehört zu den
      gefragten Protagonisten seiner Zunft. Das Aalto Theater in Essen präsentiert mit
      „3 BY EKMAN“ drei seiner Choreografien an einem Abend. Seine sehr unge-
      wöhnliche Handschrift kommt bei den Werken „Tuplet“, „Flockwork“ und „Tyll“
      dabei positiv zum Tragen.

      Alexander Ekman ist ein Mensch mit wirklich besonderen Ideen. Über 40
      Ballettwerke, diverse Opern und Theaterstücke hat er weltweit choreografiert und
      inszeniert. Dabei wurden Kostüme und Bühnenbild oft selbst von ihm entworfen.
      Das gilt auch größtenteils für die Aufführung in Essen. Seine Werke sind
      schnell, schnittig und gespickt mit überraschenden Übergängen. Da kann es
      sein, dass im Aalto Theater ein Tänzer gestreckt vorwärts in den Orchester-
      graben kippt oder mit Licht abrupte Situationsveränderungen herbeigeführt
      werden. Ekman bevorzugt kein Handlungsballett, sondern präsentiert alltägliche
      und authentische Themen ohne schnörkeliges Beiwerk. Ironische Darstellungen
      und Stimmen als ungewöhnliche Ballettbegleitung sind für ihn ganz normal.

      Im ersten Werk „Tuplet“ dreht sich alles um den Rhythmus, der uns antreibt und
      den wir leben. Was ist Rhythmus? Die sechs Akteure stampfen, atmen, klat-
      schen und arbeiten mit ihren Stimmen zu elektronische Klanglandschaften. Es
      sind irrationale Rhythmen verbunden mit dem Spiel mit Licht.

      „Flockwork“ bedeutet so viel wie sich als Herde zu versammeln. Der Mensch als
      Herdentier begibt sich auf die anstrengende Suche nach eigener Individualität.
      Wie individuell sind wir? Auf der Bühne tauchen immer mehr Menschen auf.
      Ungewöhnliche Ballettelemente sorgen für viele Überraschungen, auch Fragen
      ans Publikum. Hawaiianische Musik erklingt aus einem Kofferradio. Die Bewe-
      gungen wirken teils wie ein Vogelschwarm in Zeitlupe. Am Ende alle wieder als
      Herde vereint, mit Wasser von oben, cool down.

      Das vielleicht beste Stück ist „Tyll“. Nach 30 modernen Choreografien entwarf
      Ekman mal eine klassische Form mit modernen Einflüssen. Ist das das klas-
      sische Ballett 2.0? Es kommt absolut augenzwinkernd daher. Fragmente aus
      dem Nussknacker tauchen auf und Schwanensee wird kurz gepfiffen. Was ist
      das Ballett und wo kommt es her? Brauchen wir das Ballett? Bewegliche Lein-
      wände mit Tyll-Darstellungen begleiten die Choreografie. Thematisiert werden
      Drill, hartes Training, die Angst die Choreo zu vergessen oder zu fallen, aber
      auch das Hochgefühl wenn die Pirouetten sitzen. Madame sieht alles. Die
      Positionen sind das Alphabet des Balletts. Nicht zu vergessen sind die sozialen
      Aspekte des Zusammenwirkens in der Kompanie. Man kann wirklich hoch-
      klassige Gruppen-, Einzel- und Paardarbietungen erleben. Klassische Musik
      wird begleitend elektronisch sehr gut verfremdet.

      Insgesamt darf man große tänzerische Klasse mit temporeichen Darbietungen,
      unglaublich viel Kreativität und immer überraschende Iden mit einem Augen-
      zwinkern erleben. Ekman stellt intelligent und tänzerisch Fragen, die jeder für
      sich beantworten kann. Die Choreografie dieses Ballettabends ist sehr außer-
      gewöhnlich und hochklassig.

      Datum: 9. März 2017

      www.aalto-ballett-theater.de