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'Einer und Eine' im Schauspiel Duisburg
"Einer und Eine" lautet der Titel des sehr sehenswerten Stücks im Rahmen des Theatertreffens der 41. Duisburger Akzente im Schauspiel Duisburg. Es geht um Glück und die Liebe, eine oft schwierige Angelegenheit zweier Menschen, bei der die Dämonen im Kopf gerne mitreden. Regie führte Eva Zitta.

Grete (Anna Marienfeld) und Jakob (Till Beckmann) sind eher scheu und schüchtern. In Sachen Kultur- und Geisteswissenschaften kennen sie sich bestens aus. Bücher sind ihr Fluchtpunkt, wenn es um verdrängte Bedürfnisse geht. Sie ist für ihn eine seltene Option, Nähe zu leben, und er für sie eine letzte Chance überhaupt noch einmal eine Beziehung anzugehen. Beide langweilen sich im eigenen Leben, sind von sich selbst eher frustriert. Doch wie soll man die eigenen Dämonen (Katharina Abel, Adrian Hildebrandt) im Kopf umgehen? Sie rufen die natürlichen Bedürfnisse nach Nähe immer wieder auf, wecken die Sehnsucht, und warnen zugleich vor zu viel hormoneller Aktivität, die zur Verwirrung führt.

So beginnt es ganz schicksalshaft im Supermarkt. Man stolpert gemeinsam über eine aufgeplatzte Packung Quark auf dem Boden. Ein langer Blick tief in die Augen genügt und das Feuer ist entzündet. Man ringt nach den passenden Worten, aus dieser Situation mehr entstehen zu lassen. Das Stück zeigt in der Folge wunderbar auf, wie schwierig es für kopflastige Menschen ist, daraus eine echte Liebe entstehen zu lassen. Grete ist sowieso nicht von der Stange. Ein Handy besitzt sie nicht, denn ständige Erreichbarkeit und telefonieren sind nicht ihr Ding. Jakob mag es zu telefonieren, weil man erstmal die gewisse Distanz halten kann. So versucht man beim ersten Telefonat eher unbeholfen die Gegenseite kennenzulernen, kleine verbale Missverständnisse eingeschlossen. Der Humor der hormonell bedingten Ungeschicklichkeit ist klar erkennbar. Zugleich reden die eigenen Dämonen immer mit, motivieren oder streuen Bedenken. Sie bleiben gerne im Hintergrund, lauschen dem Liebesgeflüster und möchten sich auf keinen Fall selbst mit anderen Dämonen binden.

Keine Liebe kommt ohne ihre Dämonen aus. Es ist bei diesem Stück spannend zu sehen wie sie aktiv auf die Verliebten einwirken. Fest steht auch, dass Vereinsamung durchaus zu Gespenstern im Kopf führen kann, die unglücklich machen. Sehr deutlich wird bei dieser Inszenierung die Angst vor dem Mittelteil der Liebe, dem Alltag. Nach hitzigem Beisammensein kühlt es automatisch irgendwann mal ab. Grete und Jakob sind erschrocken vor der eigenen Emotionalität und beginnen zu zweifeln.

Es wird sehr gut dargestellt, wie z.B. ein erstes Treffen verlaufen kann. Man entscheidet sich Rehe in der Natur zu beobachten, entdeckt keine und übersieht sich selbst als schüchternes Reh oder Rehbock. Nur gedanklich hält man Händchen. Der Stoff von Martin Heckmanns spielt geschickt mit Zeichen und Bildern und dem inneren Zwist der Gefühle. Schauspielerisch wird das Thema hervorragend umgesetzt. Die musikalische Begleitung durch Wolfgang Völkl ist dabei sehr passend.

In einer Gesellschaft, in der es immer mehr Singlehaushalte gibt, ist dieser Stoff hochaktuell und trifft den Nerv der Zeit. Das gemeinsame, liebevolle Zusammensein wird immer komplexer, je mehr man sich damit beschäftigt und darüber nachdenkt. Das Stück hat ein tiefgreifendes Problembewusstsein mit einem guten Schuss Humor.

Datum: 7. März 2020 (Premiere)

www.duisburg.de