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      „Don Giovanni“ gehört zu den großen Antihelden-Geschichten auf der Opern-
      bühne. Ben Baur hat Mozarts Meisterwerk aus dem Jahre 1787 ebenso groß
      wie mutig im Musiktheater im Revier (MiR) inszeniert.

      Ein Held ist Don Giovanni wahrlich nicht, eher der Verbrecher, der Frauen die
      Liebe vorschwärmt und ihnen sogar die Ehe verspricht. Nichts davon ist wahr.
      1.003 Geliebte sollen es allein in Spanien gewesen sein. Sein Diener musste
      genau Buch führen. Das gemeine Spiel mit den Gefühlen hat natürlich auch im
      MiR ein böses Ende. Der Tod kommt in Person einer lebendigen Statue. Der
      Mythos lebt im MiR.

      Mit Piotr Prochera hat die Inszenierung eine klasse Besetzung der Hauptrolle.
      Er harmoniert gesanglich und spielerisch wunderbar mit Leporello (Urban
      Malmberg), seinem Diener. Sie bilden das eigentliche Paar der Geschichte.
      Während Don Giovanni die Frauen fasziniert, ist Leporello der Untergebene, der
      doch so gerne mal in die dominante Rolle schlüpfen würde. Sie sind Spiegel-
      figuren der tragisch-humorvollen Art. Hervorragend besetzt sind auch die
      Frauenrollen der Donna Anna (Alfia Kamalova), Donna Elvira (Petra Schmidt)
      und der Zerlina (Bele Kumberger). Sie bringen ihre Enttäuschungen und
      Rachegelüste gegenüber Don Giovanni sehr gut rüber.

      Es ist eine mutige Inszenierung, weil das Dunkle der Gestalten besonders
      hervorgehoben wird. Es charakterisiert diesen Abend wahrlich fesselnd. Die
      Nacht ist der Schauplatz allen Übels. Maskierte Gesichter formieren sich, um
      Don Giovanni eine letzte Lektion zu erteilen. Teilweise tragen sie einen
      schwarzen Schleier, während der Antiheld ganz selbstbewusst mit einem
      schwarzen Harlekinkragen über die Bühne stolziert. Er ist sich seiner Rolle
      sicher, schwingt sogar eine Art Zepter. Die Themen Hochzeit und Tod ziehen
      sich wie ein roter Faden durch die Handlung. Emotionen werden gut und fein
      herausgearbeitet. Selbst die Hochzeit am Schluss wirkt durch das gelbliche
      Hintergrundlicht und die dunklen Silhouetten der Anwesenden mystisch.

      Das Bühnenbild (Ben Baur) kann sich ebenfalls sehen lassen. Es entwickelt
      sich immer mehr variabel bis hin zur großen Inszenierung mit feierlichen, ja fast
      unterweltlichen, Kerzenleuchtern. Getanzt wird mit morbiden Masken in Zeitlupe.
      Sehr stimmungsvoll und richtig klasse! Das Licht (Mariella von Vequel-
      Westernach) und die Kostüme (Uta Meenen) passen sich da nahtlos an.

      Sehr gute Stimmen, ein langer 1. Akt und eine absolut stimmungsvolle und
      stimmige Inszenierung machen den Abend zu einem besonderen Erlebnis,
      begleitet von der wunderbaren Neuen Philharmonie Westfalen unter der Leitung
      von Rasmus Baumann, die Mozarts Klangwelten klasse interpretiert.

      Datum: 5. Mai 2017

      www.musiktheater-im-revier.de