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      Ein viel gespielter Schauspielklassiker ist „Don Quijote“. Das Theater
      Oberhausen hat den bekannten Stoff in eine schön schräge und klasse insze-
      nierte Fassung mit Live-Musik gepackt. Regie führte sehr gelungen Thomas
      Fiedler.

      Don Quijote, vorzüglich gespielt von Anja Schweitzer, und Sancho Panza,
      ebenfalls toll dargestellt von Klaus Zwick, sind ein Traumpaar mit gegensätz-
      lichem Charakter. Auch wenn es in zwei Stunden natürlich ausgewählte Frag-
      mente aus dem beinahe endlosen Roman sind, so sind ihre Dialoge treffend und
      oft auch humorvoll. Viele Lebensweisheiten sind zu hören. Während Don Quijote
      die falsche Illusion von eigener Existenz bewusst lebt, durchschaut Sancho
      Panza seinen Herrn und seine Verrücktheit. „Ich bin doch nur dein Esel.“ Es ist
      ein wunderbares Sammelsurium seltsam daher kommender Gestalten in Person
      von Janna Horstmann, Torsten Bauer, Thieß Brammer und Peter Waros.

      Die Inszenierung beginnt schon sehr außergewöhnlich als mechanisches Welt-
      theater wie im Barock oder der Renaissance. Der erste Teil fühlt sich an wie ein
      gespieltes Hörspiel mit Mikrofonen. Dahinter stehen die Schauspieler. Sie
      erzählen sehr lebendig die Geschichte von Don Quijote und seiner langen Reise
      durchaus auch humorvoll. Torsten Bauer mimt akustisch das Pferd oder schlägt
      die Peitsche, während Klaus Zwick mit Plastikbechern das Getrappel der Pferde
      nachahmt. Es wird auch gesungen. Begleitet werden die Erzählungen von Nico
      Stallmann und Anton Berman, der auch für die Komposition verantwortlich zeich-
      net, an Klavier, elektronischen Instrumenten und Percussion. Das Kopfkino wird
      noch verstärkt durch die wunderbare Theatertruppe vom TheaterPlus. Die jungen
      Leute zaubern phantasievolle Schattenspiele mit historischen Antlitz mehr-
      schichtig auf ein weißes Bühnentuch. So wurden früher auf Marktplätzen von
      fahrenden Schauspielern Moral und Tugend sehr bildhaft vermittelt.

      Im zweiten Teil öffnet sich das Bühnenbild und alles kommt in Bewegung.
      Mystisch mit Fackelschein, Nebel und Live-Musik gehen Don Quijote und
      Sancho Panza ihren Weg, immer auf der Suche nach gefährlichen und
      verrückten Abenteuern. Symbole wie einen Pferdekopf, ein Kreuz, eine Madonna
      oder eine Windmühle reduzieren die Drehbühne auf die nötigsten Dinge. In der
      Mitte befindet quasi der Scheiterhaufen für das tragische Ende von Don Quijote.
      Es wird kunstvoll gefochten und drei Bauersfrauen auf Pferden führen Don
      Quijote noch einmal sein vergebliches Streben nach falscher Identität vor Augen.
      Der Teufel kommt schließlich als Mitglied einer Schauspieltruppe auf einem
      Feldwagen daher. Da fehlen selbst Don Quijote die sonst von ihm aus der Luft
      gegriffenen Argumente.

      Es ist ein sehr guter und traditioneller Stoff, der außergewöhnlich und absolut
      sehenswert interpretiert wird. Das Bühnenbild und die Kostüme (beides Josè
      Luna) sind ebenfalls Hingucker. Die großen Traumbilder mit viel Phantasie sind
      der Raum für heldenhafte Abenteuer. Was ist Theater? Was ist die Wirklichkeit?
      Warum vernarrt man sich selbst in Lügen und ernennt sich zum Ritter? Es sind
      Fragen, die auch aktuelle Weltlage betreffen. Auch hier bestimmen Ritter der
      traurigen Gestalt die Weltnachrichten. Am Ende zieht der Tod allen die Kleider
      aus. Don Quijote legt am Ende seine falsche Wunschidentität ab, inklusive der
      Verrücktheiten und mit allen Konsequenzen für ihn selbst.

      Das Stück reiht sich in die vielen hochklassigen Inszenierungen dieser Spielzeit
      in Oberhausen ein. Leider war diese Premiere die vorletzte im großen Haus unter
      der Intendanz von Peter Carp. Der Abschied fällt vielen Gästen schwer. Für den
      bald neuen Chef im Haus, Florian Fiedler, liegt die Messlatte ziemlich hoch.

      Datum: 7. April 2017 (Premiere)

      www.theater-oberhausen.de