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      Das Aalto Musiktheater in Essen feierte eine große Premiere der Ballettkomödie
      „Don Quichotte“. Für die sehr gelungene, temperamentvolle und humorvolle
      Choreografie zeichnet Ben Van Cauwenbergh verantwortlich. Es spielten
      vorzüglich die Essener Philharmoniker unter Leitung von Yannis Pouspourikas.

      Es ist das spanische Lebensgefühl, das dieses wunderbare und doch so einfach
      erzählte Ballett widerspiegelt. Als Orchestermusiker muss man hier Spaß an
      seiner Arbeit haben. Die Komposition ist ein Ohrenschmaus, mit spürbar
      spanischem Einschlag. Die Musik von Ludwig Minkus wurde allerdings im Laufe
      der Jahrzehnte etwas umarrangiert, ehe die 1902 von Gorsky geschaffene
      Gestalt bis heute Einzug auf die Bühnen gehalten hat. Ben Van Cauwenbergh
      hat sich diese Choreografie als Grundlage genommen und mit eigenen Elemen-
      ten versehen. Schauspielerische Passagen wurden zu Tanzeinlagen, damit auch
      die Tänzer ihr großes Leistungsvermögen zeigen können, die keine Hauptrollen
      übernehmen dürfen. Dabei haben die Gruppenformationen nicht immer etwas mit
      der Geschichte zu tun, sondern sind der prunkvolle Pomp der Aufführung. Das
      Vorhaben ist gelungen. Die vielen Gruppenformationen sind wirklich sehenswert.

      Don Quichotte (Tomas Ottych) und sein Begleiter Sancho Panza (Denis Untila)
      sind zwar nicht die meiste Zeit auf der Bühne, treiben aber ihr Spiel mit den
      anderen Hauptprotagonisten, immer den netten Schalk im Nacken. Zwischen
      Wirklichkeit und Phantasie zu unterscheiden ist für sie schwierig. Sie haben zu
      viele Ritterromane gelesen und fühlen sich nun selber als solche. Ihren treuen
      Gefährten Rosinante haben sie natürlich meistens dabei. Das Pferd wird schön
      gespielt. In den Hauptrollen agieren Yanelis Rodriguez (Kitri), Aidos Zakan
      (Basile) und Liam Blair (Gamache).Ob als Pas de Deux, solo oder mit der
      Gruppe, sie zeigen ihr großes Können eindrucksvoll. Es ist ein Genuss, ganz
      federleicht und athletisch. Die häufig sehr temperamentvolle Musik erfordert
      schnelle Schrittkombinationen, die exakt sitzen, auch synchron als Gruppe. In
      den sinnlichen Szenen vermögen sie ebenso zu glänzen.

      Den Gesamteindruck prägen gleichzeitig die ausgezeichneten Kostüme (Dorin
      Gal), die häufig sehr reich verziert sind und etwas märchenhaft wirken. Ein
      typisches rotes Gewand, á la Carmen, darf auch nicht fehlen. Der musikalische
      und tänzerische Pomp setzt sich bei den Kostümen gelungen fort. Die Bühne
      ist dagegen eine alte Plaza mit spürbarer Lebendigkeit. Hier tobt das Leben.
      Man tanzt, feiert und verliebt sich erfüllt oder unerfüllt. Als Fluchtpunkt der
      jungen Verliebten dient ein Krater, der in blauen Nebel getaucht, eine vorzüg-
      liche Kulisse für die Tanzdarbietungen liefert, ein wirklich sehr stimmungsvoll
      gesetzter Akzent und ein Lob an das Bühnenbild (Dorin Gal).

      Am Ende feiern Kitri und Basil ihre Hochzeit und selbst der liebeskranke
      Gamache bekommt noch eine besondere Braut ab. Die Aufführung überzeugt
      auf ganzer Linie, auch beim Humor. Der Klassiker „Don Quichotte“ ist als
      Ballettkomödie im Aalto Musiktheater sehr sehenswert zu erleben.

      Datum: 5. November 2016 (Premiere), weitere Aufführungen

      www.aalto-ballett-theater.de