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      Sie sind …, nein sie waren wichtige Entscheider und Manager der mittleren
      Führungsebene. Jetzt sitzen die sieben arbeitslosen Top-Kräfte in einem
      Outplacementcenter und verzweifeln an sich selbst. Das Schauspiel „Top Dogs“,
      zu sehen im Grillo Theater, ist ein ernster und zugleich sehr humorvoller Blick
      hinter die Kulissen der scheinbar so eiskalten Managerkaste, sehr gut inszeniert
      vom Regisseur Christoph Roos.

      Im NCC-Outplacementcenter können sie keinen entlassen oder Kommandos
      geben. Hier werden sie selbst einem harten Prozess unterzogen. Sie müssen
      sich selbst reflektieren. Als Chefs mussten sie bisher arrogant, hart und kalt
      agieren. Moralische Fragen spielten keine Rolle. In ihrem Job gingen sie auf.
      16-Stunden-Tage waren ganz normal. Die Familie kam da erst zum Schluss.
      Jetzt sind das Haus, das Auto und die Ferienwohnung auf Sylt weg. Frau und
      Kinder haben schon vor Wochen heimlich die Koffer gepackt. Da hilft auch
      keine Ehetherapie mehr.

      Dodo Deer (Thomas Büchel) erfährt von seiner Entlassung sogar erst im Out-
      placementcenter. In der Firma hat er es überhört. Krause (Axel Holst) rutscht
      nervlich immer tiefer ab. Müller (Sven Seeburg) lässt emotional nicht alles sofort
      raus, hat „per Saldo keine Probleme“. Urs (Jan Pröhl) wusste genau, wie man
      Leute einkalt entlässt. Michael (Thomas Meczele) ist ein Winnertyp, war mal
      314. der ATP-Weltrangliste und danach Work Life Balance-Manager. Da wären
      auch noch Julika (Silvia Weiskopf) und Susanne (Ines Krug), die sich, weil
      weiblich, den Männern geistig überlegen fühlen. Dieses Gemenge aus schwie-
      rigen Charakteren lernt sich kennen, macht sich gegenseitig nieder und sucht
      gemeinsam nach Auswegen. Amüsante Rollenspiele sollen dabei helfen.

      In der ersten Hälfte grenzt das Stück fast schon an eine Komödie. Sie pflegen
      die typische Sprache der Branche und die körperlichen Gesten. Gelernt ist
      gelernt. Als Manager muss man den mittellangen Schritt und den Blick Richtung
      Horizont beherrschen und die Schultern nach hinten schieben, herrlich
      komisch trainiert auf der Bühne. Der Körper macht den Mann! Durch die äußerst
      gelungene Überspitzung der Managerattitüden wirkt das Stück richtig
      unterhaltsam. Sehr gut!

      Alle Schauspieler agieren in dem zurück genommenen Bühnenbild ausge-
      zeichnet und mimen die Top-Manager auf eine ironische Art und Weise, die im
      Kern reale Züge trägt. Etwas hervor sticht Axel Holst als Krause. Das hat einen
      Touch von Heinz Erhard, was der Rolle geschuldet ist. Jan Pröhl zeigt direkt zu
      Beginn brillant, wie in solchen Kreisen Mitarbeiter gefeuert werden, eiskalt und
      nur den Zahlen gehorchend. Das eigene Vorgesetzten-Ich muss man offen
      pflegen. So richtig los werden sie ihre Träume vom luxuriösen Leben nicht. Am
      Ende kommen dann doch einige zu der Erkenntnis, dass ein etwas sozialeres
      Gewissen nicht verkehrt wäre, „wenn nicht in diesem Jahrtausend, dann im
      nächsten“. Deer träumt von einem Job als Affenpfleger im Zoo, der warmherzigen
      Augen wegen. Manager haben kühle Glasaugen. Dabei wechselt das Bühnen-
      bild von kalt weiß hin zu einem Wald, einer harmonischen Idylle, die sich ein
      Top-Manager wahrscheinlich auch mal heimlich wünscht.

      Datum: 26. Februar 2016, Premiere (weitere Termine)

      www.schauspiel-essen.de